Krankenstand, Psychische

Krankenstand 6,1%: Psychische Erkrankungen treiben Ausfallkosten

Veröffentlicht: 07.07.2026 um 23:29 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Psychische und Muskel-Skelett-Erkrankungen treiben die Krankengeldausgaben auf 21,6 Milliarden Euro. Betriebliche Gesundheitsförderung gewinnt an Bedeutung.

Hoher Krankenstand in Deutschland: Kostenexplosion bei Krankengeld
Krankenstand - Mitarbeiter nehmen an einem betrieblichen Gesundheitsprogramm teil, das Wohlbefinden und Unternehmensstrategie symbolisiert. 07.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Ausgaben für Krankengeld explodieren – und treiben Unternehmen in die betriebliche Gesundheitsförderung.

Laut BKK Dachverband liegen die Krankengeld-Ausgaben bei rund 21,6 Milliarden Euro. Die Zahl der Krankengeldtage stieg innerhalb von zehn Jahren um 24,4 Prozent. Auffällig: Nicht kurze Infekte, sondern langwierige Ausfälle treiben die Kosten.

Psychische Erkrankungen – selten, aber teuer

Psychische Diagnosen machen nur 5,4 Prozent aller Krankschreibungen aus. Doch die durchschnittliche Ausfalldauer liegt bei über fünf Wochen. Auch Muskel-Skelett-Erkrankungen führen zu langen Abwesenheiten.

Experten der JETZT Performance GmbH kritisieren: Viele Unternehmen reagieren erst, wenn die Ausfallzeiten bereits hoch sind. Dabei wäre frühzeitige Stressreduktion betriebswirtschaftlich sinnvoller. „Resilienzförderung kostet weniger als das Management von Vollausfällen", so die Fachleute.

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Betriebliche Krankenversicherung als Rettungsanker?

Immer mehr Arbeitgeber setzen auf eine betriebliche Krankenversicherung (bKV). Laut Allianz-Umfrage zählt sie zu den drei beliebtesten Zusatzleistungen – nach Betriebsrente und flexiblen Arbeitszeiten.

Die bKV ermöglicht schnelleren Zugang zu Psychologen oder Therapieplätzen. Lange Wartezeiten im gesetzlichen System werden so umgangen. Besonders vor dem Hintergrund der geplanten Gesundheitsreform 2027 gewinnt das Modell an Bedeutung.

Die Reform sieht unter anderem eine Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze um 300 Euro vor. Auch steigende Zuzahlungen für Medikamente, Zahnersatz und Physiotherapie sind geplant. Die telefonische Krankschreibung könnte wegfallen, eine Attestpflicht ab dem ersten Tag kommt ins Spiel. Branchenexperten sehen in der bKV ein Instrument, um diese Leistungskürzungen für die Belegschaft abzufedern.

Förderpreis und neue Partnerschaften

Die DAK-Gesundheit hat die Bewerbungsfrist für den Deutschen BGM-Förderpreis 2026 verlängert. Unternehmen können sich noch bis zum 18. Juli bewerben. Das Motto: digitale und zukunftsfähige Arbeitsgestaltung. Ausgelobt werden Sachleistungen im Wert von 60.000 Euro. Die Verleihung findet am 29. September in Köln statt.

Parallel dazu bauen Anbieter ihr Portfolio aus. Seit Juli kooperiert das Netzwerk EGYM Wellpass mit der Plattform komoot. Ziel: Outdoor-Aktivitäten stärker in die betriebliche Prävention einbinden.

Auch im Profisport wird investiert: Die BKK firmus – nach eigenen Angaben größte Betriebskrankenkasse Deutschlands – ist eine Dreijahres-Partnerschaft mit dem THW Kiel eingegangen. Neben Kindergesundheitsprojekten umfasst die Kooperation auch Gesundheitsförderung für die Vereinsmitarbeiter.

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Pflichtprogramm: Gefährdungsbeurteilung

Trotz aller freiwilligen Angebote: Die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen ist gesetzliche Pflicht. Fachanwälte und Berater erinnern regelmäßig daran.

Wer auf präventive Maßnahmen verzichtet, riskiert nicht nur die Gesundheit der Belegschaft. Dauerstress führt zu schleichendem Leistungsverlust – mit indirekten Kosten, die oft unterschätzt werden.

Der CDA-Vorsitzende Radtke warnt davor, die Reformpolitik auf Misstrauen gegenüber Erkrankten aufzubauen. Die Datenlage sei eindeutig: Langzeiterkrankungen treiben die Kosten – nicht die kurzen Ausfälle.

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