Krankenstand: 17,4 Prozent aller Fehltage durch Psyche verursacht
03.06.2026 - 06:24:52 | boerse-global.dePsychische Erkrankungen wie Depressionen und Burnout haben sich 2026 zur häufigsten Ursache für Langzeitausfälle entwickelt. Haupttreiber: Überlastung am Arbeitsplatz, Defizite in der Führungskultur sowie mangelnde Kommunikation und fehlende berufliche Perspektiven.
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Wirtschaftliche Folgen werden international sichtbar
Die steigenden Fehlzeiten sind kein rein deutsches Phänomen. In der Schweiz erhöhten sich die krankheitsbedingten Absenzen bei Vollzeitkräften von 7,2 Tagen (2019) auf 8,2 Tage (2025). Bereits 2022 galten 28,2 Prozent der Erwerbstätigen als gestresst, die emotionale Erschöpfung lag bei über 30 Prozent. Die Kosten: rund 6,5 Milliarden Schweizer Franken allein für 2022.
Der DAK-Psychreport 2025 zeigt die Relevanz für Deutschland: 17,4 Prozent aller Fehltage entfielen auf psychische Diagnosen. Die Sicherung qualifizierter Mitarbeiter wird damit zur strategischen Herausforderung. In Sachsen etwa erreicht bis 2030 voraussichtlich jeder fünfte Arbeitnehmer das Rentenalter – der Erhalt der Arbeitsfähigkeit rückt weiter in den Fokus.
Zertifizierungen als Qualitätsmerkmal im Gesundheitsmanagement
Immer mehr Unternehmen setzen auf ein strukturiertes Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM). Ein aktuelles Beispiel: Der Messe- und Markenspezialist mac brand spaces aus Langenlonsheim erhielt am 2. Juni 2026 erstmals das TÜV-Siegel in Gold sowie das Zertifikat für qualifiziertes Gesundheitsmanagement. Der Betrieb mit rund 285 Mitarbeitern wurde auf Vorschlag der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland zertifiziert. Solche Rezertifizierungen finden üblicherweise alle zwei Jahre statt.
Auch Großunternehmen integrieren Gesundheit als festen Bestandteil ihrer Unternehmenskultur. Der Softwarekonzern SAP nutzt einen speziellen Index zur Messung der Gesundheitskultur sowie Programme zur Förderung der Achtsamkeit. Investitionen in Ergonomie, psychologische Beratung und flexible Arbeitszeitmodelle können messbare Erträge durch höhere Produktivität liefern.
Fokus auf Resilienz und gesunde Führung
Ein zentraler Hebel für die Mitarbeitergesundheit: die Führungskompetenz. Gesunde Führung und Stressprävention sind wesentliche Bestandteile eines modernen Arbeitsschutzes. Am 1. Juni 2026 diskutierten über 140 Teilnehmer bei einer Fachveranstaltung über Neurobalance und Resilienz in der Pflegebranche. Für Ende Juni 2026 sind Workshops geplant, die Führungskräften konkrete Ansätze zur Umsetzung gesundheitsfördernder Maßnahmen vermitteln sollen.
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Während Unternehmen in Prävention investieren, gibt es auf politischer Ebene gegensätzliche Bestrebungen. In der Schweiz stimmte der Nationalrat zuletzt für eine Lockerung des Arbeitsschutzes bei hohen Jahreseinkommen. Vertreter rechter Parteien forderten zudem eine Flexibilisierung der Ruhezeiten und eine Ausweitung der Sonntagsarbeit – bei Arbeitnehmervertretern stößt das auf Kritik.
Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Prävention
Begleitende Studien stützen den Trend zur ganzheitlichen Gesundheitsbetrachtung. Laut Veröffentlichungen im European Journal of Preventive Cardiology können eine ausgewogene Ernährung, mindestens acht bis neun Stunden Schlaf sowie mehr als 42 Minuten tägliche Bewegung das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken. In der betrieblichen Praxis gewinnen daher Ansätze wie „Deep Work“ und „Mindfulness“ an Bedeutung – sie stärken die mentale Widerstandsfähigkeit der Beschäftigten gegen die zunehmende Arbeitsverdichtung.
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