Bahnchefin treibt Umbau voran - Trendwende bleibt noch aus
27.03.2026 - 14:59:05 | dpa.deUnpünktliche Fernzüge und ein erneuter Milliardenverlust - für Bahnchefin Evelyn Palla steht fest: «Zufrieden sind wir noch nicht.» Trotz einer umfassenden Neuaufstellung des bundeseigenen Konzerns zeichnet sich weder im Betrieb noch bei der wirtschaftlichen Lage bisher eine echte Trendwende ab.
Seit Oktober vergangenen Jahres steht Palla an der Spitze der Deutschen Bahn und stimmt die Fahrgäste seither auf einen jahrelangen Marathon ein, wenn es um einen verlässlicheren Verkehr auf der Schiene geht. «Vor uns liegt ein langer Weg», bekräftigte sie in Berlin. «Die Schiene in Deutschland wieder in einen guten Zustand zu bringen, wird mindestens zehn Jahre dauern.»
Umbau geht voran
Immerhin: Die ersten Schritte für den grundlegenden Umbau seien erfolgt, sagte die Managerin. Bis 2027 soll die Umstrukturierung weitgehend abgeschlossen sein. Sie umfasst einen Kahlschlag in der Verwaltung - von etwa 3.500 Stellen in der sogenannten Konzernleitung will Palla ein knappes Drittel abbauen - und eine deutliche Verkleinerung von Führungsetagen.
Allein auf der Ebene unterhalb des Konzernvorstands wurden rund die Hälfte von zuvor 43 Führungsposten gestrichen. Die Chefetage selbst umfasst inzwischen nur noch sechs statt acht Vorstände. Mit Martin Seiler (Personal) und Michael Peterson (Fernverkehr) sind nur zwei Mitglieder übriggeblieben, die schon unter Pallas Vorgänger Richard Lutz dabei waren. Und auch bei den Tochterunternehmen wurden Vorstandsposten reduziert.
Entscheidungen sollen wieder dort getroffen werden, wo sie anstehen, betonte die Bahnchefin. Das heißt: mehr Verantwortlichkeit in der Fläche.
Pünktlichkeit weiter schlecht
Fahrgäste merken bisher kaum Veränderungen. Im vergangenen Jahr waren lediglich rund 60 Prozent der Fernzüge ohne größere Verzögerungen unterwegs. Mit Blick auf die überalterte und überlastete Infrastruktur stellt Palla keine Verbesserung in Aussicht. In diesem Jahr soll die Pünktlichkeitsquote im Vergleich zu 2025 lediglich stabil bleiben. Angesichts der Extremwetterlagen im Januar und Februar und dem damit verbundenen Verspätungsaufkommen steht dieses Ziel schon jetzt auf wackeligen Beinen.
Sofortprogramme eingeleitet
Damit Fahrgäste trotzdem etwas merken, hat die Bahn drei Sofortprogramme angekündigt, von denen zwei bereits angelaufen sind. Sie betreffen die Sauberkeit und Sicherheit an Bahnhöfen, den Komfort in den Fernverkehrszügen und die Information von Fahrgästen bei Verspätungen und Gleiswechseln. Die Maßnahmen sind Gegenstand der «Agenda für zufriedene Kunden» des Bundesverkehrsministeriums.
Trotz der hohen Unpünktlichkeit ist die Nachfrage im Schienenverkehr so hoch wie seit Jahren nicht. Der bundeseigene Konzern verzeichnete über alle Verkehrssparten hinweg im vergangenen Jahr rund 1,93 Milliarden Fahrgäste. Das waren 3,4 Prozent mehr als im Jahr davor und so viele wie noch nie seit dem Ende der Pandemie.
Wenig Licht, viel Schatten
Nicht nur im Betrieb sind die Veränderungen bisher kaum zu spüren, auch in der Bilanz für 2025 gibt es wenig Licht und viel Schatten. Rechnet man den Verkaufserlös für die einstige Logistiktochter DB Schenker heraus, steht unterm Strich erneut ein Verlust von rund 2,3 Milliarden Euro - rund 0,5 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr.
Hauptgrund dafür waren der Bahn zufolge Wertminderungen bei der Unternehmenstochter DB Fernverkehr in Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro. Da sich der Zustand des Netzes und damit auch die Pünktlichkeit nur langsam erholen, wirkt sich das längerfristig auf das Geschäft im Fernverkehr aus, hieß es zur Begründung. Die Abschreibungen beziehen sich laut Fernverkehrsvorstand Michael Peterson in gleichen Teilen auf die Züge und auf die Werke.
Die Sparte verzeichnete zwar einen operativen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 45 Millionen Euro. Auch der Umsatz legte zu. Doch beide Kennzahlen blieben im vergangenen Jahr hinter den Erwartungen zurück, teilte die Bahn mit. Bahnchefin Palla stellte für den Fernverkehr ein Sanierungsprogramm in Aussicht.
Kleine Trendwende?
Hinzu kommt, dass die Deutsche Bahn die gut laufende Logistiktochter DB Schenker im vergangenen Jahr verkauft hat. Damit fehlt dem Konzern nun ein wichtiger Gewinnbringer. Der Verkaufserlös ging nahezu ausschließlich in den Abbau des hohen Schuldenbergs, der dadurch im vergangenen Jahr laut Bahn um knapp 12 Milliarden auf nunmehr 20,7 Milliarden Euro abgebaut werden konnte.
Trotz der hohen Verluste zeichne sich mit Blick auf die wirtschaftliche Krise eine Trendwende ab, betonte Palla. Der Konzern machte eigenen Angaben zufolge operativ, also vor Zinsen und Steuern (Ebit), einen Gewinn von 297 Millionen Euro und kam somit erstmals seit Jahren wieder in die schwarzen Zahlen. Der Umsatz stieg zudem um rund drei Prozent auf 27 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr erwarte das Unternehmen ein Ebit von rund 600 Millionen Euro und 28 Milliarden Euro Umsatz.
Positive Entwicklung auch bei Cargo
Auch bei der kriselnden Güterverkehrssparte DB Cargo gab es eine positive Entwicklung. Nach jahrelangen Verlusten scheiterte die Tochter im operativen Bereich mit einem Minus von 7 Millionen Euro nur knapp an der Gewinnschwelle. Einen großen Anteil daran haben allerdings die Veräußerungen von Teilen des Fuhrparks.
Der neue Cargo-Chef Bernhard Osburg hat einen Umstrukturierungsplan vorgelegt, der in Deutschland einen Abbau von 6.200 Stellen umfasst. In diesem Jahr muss die Tochter schwarze Zahlen schreiben, sonst drohen Konsequenzen der EU-Kommission.
Sanierung und Entlastung
Hoffnung setzen müssen die Fahrgäste auf ein umfassendes Sanierungsprogramm, mit dem Bund und Bahn bis Mitte der 30er Jahre mehr als 40 wichtige Verkehrskorridore grundlegend modernisieren wollen. Das Baugeschehen wird sich dadurch allerdings zunächst erhöhen. Allein für dieses Jahr stehen rund 28.000 Baustellen im Netz an. Abzuwarten bleibt zudem, ob die Vorschläge einer «Taskforce zuverlässige Bahn» dazu geeignet sind, das Schienennetz zu entlasten und für mehr Stabilität zu sorgen.
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