ROUNDUP, Angriffe

Erneut schwere Angriffe - Kiew will Ölpreisgrenze halbieren

11.06.2025 - 10:10:55 | dpa.de

KIEW/BRÜSSEL - Erneut hat es bei russischen Luftangriffen auf die Ukraine in der Nacht Tote und Dutzende Verletzte gegeben.

(Neu: Höhere Opferzahl in Charkiw)

KIEW/BRÜSSEL (dpa-AFX) - Erneut hat es bei russischen Luftangriffen auf die Ukraine in der Nacht Tote und Dutzende Verletzte gegeben. In der ostukrainischen Stadt Charkiw wurden nach Angaben der regionalen Behörden bei einem heftigen Drohnenangriff mindestens drei Menschen getötet. Mehr als 60 Menschen seien verletzt worden, darunter 9 Kinder, schrieb Regionalgouverneur Oleh Synjehubow auf Telegram.

Die Attacke folgt auf eine Reihe massiver Luftangriffe der vergangenen Tage. Vor diesem Hintergrund treibt die EU neue Sanktionen gegen Russlands Ölsektor voran. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert die westlichen Industrieländer dabei auf, ihre Preisobergrenze für russisches Öl zu halbieren.

Die Öl-Preisobergrenze soll Russlands Einnahmen aus Ölexporten begrenzen, ohne die weltweite Energieversorgung zu gefährden. Westliche Staaten dürfen russisches Öl nur kaufen, wenn der Preis diese Obergrenze nicht überschreitet.

Kinder unter den Verletzten

Erst in der Nacht zum Montag hatte Russland die benachbarte Ukraine mit dem seit Kriegsbeginn zahlenmäßig größten Drohnenangriff überzogen. Vor wenigen Tagen war auch der bislang heftigste Angriff auf Charkiw mit mehreren Toten und zahlreichen Verletzten gemeldet worden.

Bürgermeister Ihor Terechow berichtete in der Nacht von getroffenen Wohnhäusern, Spielplätzen und Geschäften sowie einem größeren Brand. Der Nachrichtenagentur RBK-Ukraine zufolge wurden auch Gebäude von Unternehmen beschädigt.

Ihrerseits griff die Ukraine das russische Hinterland mit Drohnen an. Ein Ziel war dabei nach Medienberichten eine Sprengstofffabrik in der Stadt Kotowsk im Gebiet Tambow.

EU stellt neue Sanktionen vor - Selenskyj fordert mehr

Die Preisobergrenze für russisches Öl liegt derzeit bei 60 Dollar pro Barrel. Selenskyj will diese halbieren. "Jeder unserer Partner weiß, welcher Preisdeckel nötig ist - 30 Dollar (pro Barrel), nicht mehr", sagte er in seiner abendlichen Videobotschaft. Selenskyj bezog sich auf den Vorschlag der EU-Kommission, die Preisobergrenze auf 45 Dollar zu senken.

Die Halbierung würde nach Ansicht Selenskyjs Russland tatsächlich unter Druck setzen, Frieden zu suchen. Andere Motive verstehe Moskau nicht. Er sei im Bilde darüber, dass der Westen derzeit über einen Preiskompromiss verhandle. "Schluss mit den Kompromissen gegenüber Russland", jeder dieser Kompromisse verzögere den Frieden, sagte Selenskyj.

Die EU-Kommission hatte zuvor neue Sanktionen gegen Russland vorgeschlagen, die den Energie- und Bankensektor der Atommacht treffen sollen. Allerdings müssen die Mitgliedsländer den Maßnahmen noch zustimmen. Die Regierung der Slowakei hat schon Widerstand gegen das 18. Sanktionspaket angekündigt. Bratislava stört sich am geplanten Aus für den Import von Gas, Öl und Kernbrennstoffen.

G7-Treffen gilt als richtungsweisend

"Die Ölpreisobergrenze ist eine Maßnahme der G7-Koalition, daher werden wir Ende dieser Woche oder Anfang nächster Woche beim G7-Gipfel in Kanada darüber beraten, wie wir gemeinsam vorgehen wollen", sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Das Gipfeltreffen der sieben westlichen Industrienationen (G7) findet am 15. bis 17. Juni in Kanada statt. Mitglieder der "Gruppe der Sieben" sind Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA. Auch US-Präsident Donald Trump wird erwartet.

Trump gegenüber Russland abwartend

Trump selbst hat bislang neue Sanktionen gegen Russland vermieden und stattdessen den Druck auf die angegriffene Ukraine erhöht. Damit soll seinen Worten nach eine Beendigung des Kriegs erreicht werden. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Joe Biden sieht sich Trump nicht als Unterstützer der Ukraine, sondern als Vermittler.

Im US-Senat wird allerdings derzeit ein neues Sanktionspaket gegen Russland vorbereitet. Und auch Trump hatte sich unzufrieden mit den heftigen russischen Angriffen gegen ukrainische Städte gezeigt.

Angriffswucht der Russen zuletzt stetig gestiegen

So hatte Russland erst in der Nacht zum Montag die benachbarte Ukraine mit dem seit Kriegsbeginn zahlenmäßig größten Drohnenangriff überzogen. Zum Einsatz gekommen seien 479 Kampfdrohnen des Typs Shahed und deren Attrappen, 4 Hyperschallraketen des Typs Kinschal, 14 verschiedene Marschflugkörper und 2 Luft-Boden-Raketen des Typs Ch-31, wie die ukrainische Luftwaffe mitteilte. Unabhängig lassen sich die Angaben nicht überprüfen. Es hatte mehrere Verletzte gegeben.

Auch davor gab es mehrere Nächte mit einer Rekordzahl an Drohnen. Nach Darstellung Selenskyjs sind die Attacken mit immer höheren Drohnenzahlen keine Reaktion auf den ukrainischen Coup gegen die strategische Bomberflotte Russlands zu Monatsbeginn. Russland setze seit Monaten immer mehr Waffen bei den Angriffen ein, betonte Selenskyj. Der Trend sei stetig und zeuge davon, dass Russland nicht an Frieden interessiert sei.

Moskau meldet Abschuss mehrerer Drohnen

In der zentralrussischen Region Woronesch fing die Luftabwehr unterdessen mindestens fünf ukrainische Drohnen ab, wie die Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf den hiesigen Gouverneur Alexander Gussew schrieb. Es habe keine Verletzten oder Schäden gegeben. Der Luftverkehrsbehörde zufolge wurde der Flugverkehr an den Flughäfen in an zwei Flughäfen in Kaluga und Saratow vorübergehend eingschränkt, so Tass.

Merz wirft Russland "Terror gegen die Zivilbevölkerung" vor

Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete am Dienstag die jüngsten Angriffe als "Terror gegen die Zivilbevölkerung" und "schwerste Kriegsverbrechen". "Russland hat mit zahlreichen Drohnen und Marschflugkörpern gezielt und rücksichtslos eben die Zivilbevölkerung attackiert", sagte der CDU-Politiker nach einem Treffen mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Dick Schoof in Berlin. Das sei "alles andere als eine verhältnismäßige Antwort auf die sehr präzisen ukrainischen Schläge" gegen militärische Ziele in der vergangenen Woche.

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