Kibiz-Reform, NRW

Kibiz-Reform NRW: Neue Kern- und Randzeiten ab Sommer 2027

Veröffentlicht: 18.07.2026 um 08:30 Uhr, Redaktion boerse-global.de

NRW verabschiedet neues Kita-Gesetz mit Kern- und Randzeiten, während bundesweit Pflegeeinrichtungen unter Personalmangel leiden.

NRW-Kita-Reform und Pflegenotstand: Neue Gesetze und Personalengpässe
Betreuer und Pädagogen mit Kindern in einer Kita und Pflegeeinrichtung, die den Fachkräftemangel widerspiegeln. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Juli eine Novelle des Kinderbildungsgesetzes (Kibiz) verabschiedet. Die Reform soll ab Sommer 2027 ein neues Modell aus Kern- und Randzeiten einführen. In den Kernzeiten von mindestens 35 Stunden pro Woche muss pädagogisches Fachpersonal anwesend sein.

In den Randzeiten – maximal zehn Stunden pro Woche – können künftig auch Kinderpfleger eingesetzt werden. Eltern buchen ihre Betreuungszeiten in Fünf-Stunden-Schritten, der Rahmen liegt zwischen 25 und 45 Stunden. Das Land stellt jährlich 200 Millionen Euro zusätzlich bereit, davon 50 Millionen für Sprachförderung und 37 Millionen für das Kita-Helfer-Programm.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sowie die Oppositionsfraktionen von SPD, FDP und AfD übten scharfe Kritik. Die Neuregelung erlaubt zudem eine befristete Überbelegung von maximal zwei Kindern pro Gruppe.

Bundesweite Offensive für bessere Kitas

Auch auf Bundesebene tut sich etwas. Bildungsministerin Prien legte einen Entwurf für ein Kita-Startchancen-Gesetz vor. Bis 2034 sind Bundesmittel in Höhe von 9,25 Milliarden Euro geplant. Das Vorhaben umfasst verbindliche Sprachtests für Vierjährige sowie bundesweit einheitliche Standards. Kitas mit vielen benachteiligten Kindern sollen zusätzliche Fachkraftstunden bekommen.

Die Kommunen suchen unterdessen neue Wege zur Personalakquise. Heidelberg veranstaltete am 18. Juli ein spezielles Format im Haus des Stadtjugendrings, um Fachkräfte direkt mit Einrichtungen zusammenzubringen. Für Ende August plant Lahnstein eine Ausbildungsmesse zu den Berufen Erzieher und Sozialassistent.

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Pflegesektor: Dramatischer Fachkräftemangel

Parallel zur Kita-Krise spitzt sich die Lage in der Pflege zu. Die Pflegekammer NRW meldet: 2023 waren 1,38 Millionen Menschen in Nordrhein-Westfalen pflegeversichert – ein Anstieg von 137 Prozent seit 2013. In vielen Kreisen gehen deutlich mehr Fachkräfte in Rente als neue nachkommen. Kammerpräsidentin Sandra Postel fordert die Kommunen auf, die Daten des Kammerregisters für eine vorausschauende Planung zu nutzen.

Branchenverbände wie der bpa Bayern und der DBfK kritisieren das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Sie bemängeln die ausgesetzte Refinanzierung von Tarifsteigerungen in der häuslichen Krankenpflege und die Begrenzung des Pflegebudgets ab 2027. bpa-Landesvorsitzender Kai Kasri warnt: „Das gefährdet die Versorgung für einen erheblichen Teil der Pflegebedürftigen in Bayern."

In Thüringen sinken die Abschlusszahlen in der Pflegeausbildung – Folge schlechter Arbeitsbedingungen und starker Konkurrenz durch andere Branchen.

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Wenn das Personal fehlt: Konkrete Versorgungslücken

Der Mangel zeigt bereits drastische Folgen. In Bayreuth musste ein heilpädagogisches Zentrum mehreren schwerbehinderten Kindern die Betreuungsplätze kündigen – zu wenig Fachkräfte. Die Regierung von Oberfranken intervenierte, um eine vollständige Schließung zu verhindern.

In Ostwestfalen-Lippe fehlen Kurzzeitpflegeplätze in den Sommermonaten. Pflegende Angehörige fahren in den Urlaub, die Nachfrage steigt – doch Bettenkapazitäten wurden wegen Personalengpässen oder Kostenerwägungen reduziert. In Rheda-Wiedenbrück bestätigte die Stadtverwaltung am 16. Juli: Personalprobleme führten zur vorübergehenden Schließung des örtlichen Freibads.

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