KI in Betrieben: Nur 31% schulen Beschäftigte – Leitlinien fehlen
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 05:22 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Nutzung Künstlicher Intelligenz in der deutschen Wirtschaft steigt – doch klare Regeln und Schulungen fehlen vielerorts. Das zeigen aktuelle Daten aus Berlin und neue Empfehlungen des Wissenschaftsrats.
Rund 34 Prozent der Berliner Betriebe setzen bereits KI-Anwendungen ein. Das geht aus dem Berliner Betriebspanel 2025 hervor, das Anfang Juli veröffentlicht wurde. Damit liegt die Hauptstadt über dem bundesweiten Durchschnitt von 27 Prozent. Besonders generative Systeme wie ChatGPT oder Gemini treiben den Anstieg seit 2022.
Arbeitssenatorin Cansel Kiziltepe sieht darin eine Chance. KI könne die Wettbewerbsfähigkeit stärken und den Fachkräftemangel abfedern. Massive Jobverluste erwartet sie nicht.
Schulungen und Leitlinien bleiben Mangelware
Die betriebliche Infrastruktur hinkt der Nutzung hinterher. Nur 31 Prozent der Berliner KI-Anwender schulen ihre Beschäftigten. Gerade einmal 26 Prozent haben verbindliche interne Leitlinien.
Eine Umfrage des Beratungsunternehmens Elaboratum aus dem zweiten Quartal 2026 bestätigt den Trend. Demnach nutzen 82 Prozent der Befragten KI privat regelmäßig, aber nur 59 Prozent im Job. Fehlende Unternehmensvorgaben bremsen den professionellen Einsatz.
Die häufigsten Anwendungen: Recherche (64 Prozent), Texterstellung (43 Prozent) und Ideengenerierung (41 Prozent). Zwei Drittel lehnen eine ungeprüfte Übernahme der Ergebnisse ab.
Wissenschaft fordert „intellektuelle Souveränität"
Auch im akademischen Bereich tut sich etwas. Der Wissenschaftsrat veröffentlichte am 8. Juli 2026 Empfehlungen zur Hochschulbildung mit generativer KI. Im Zentrum steht das Konzept der intellektuellen Souveränität. Das Gremium empfiehlt neue Prüfungsformate und den Ausbau von KI-Kompetenzen.
Wer die KI-Nutzung im Unternehmen steuern will, braucht klare Regeln und Schulungen – doch die meisten Betriebe hinken hinterher. Dieser Leitfaden liefert eine Schritt-für-Schritt-Checkliste für interne Leitlinien und einen Muster-Schulungsplan. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Konkrete Schritte folgen bereits: Das Institut für Soziologie der Philipps-Universität Marburg beschloss am selben Tag Orientierungshilfen für Studium und Lehre. Die Universität Trier stellt mit „HAWKI" generative Modelle bereit – mahnt aber zur kritischen Prüfung der Ergebnisse.
Branchenreports und neue Regeln
Das Projekt ALAIT liefert praktische Handlungsanweisungen. Am 8. und 9. Juli 2026 erschienen Branchen-Reports für das Gesundheitswesen und die Medienbranche. Sie behandeln Risikomanagement, Patientenaufklärung und die Kennzeichnung KI-generierter Inhalte. Ein Workshop für Ausbilder folgt am 15. September.
Auf regulatorischer Ebene rückt der EU AI Act näher. Die Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte tritt am 2. August 2026 in Kraft. Der Europäische Datenschutzausschuss verabschiedete zudem neue Leitlinien zur Anonymisierung und zum Web-Scraping. Eine Konsultationsphase läuft bis zum 30. Oktober.
Hohe Erwartungen trotz Umsetzungslücken
Die Industrie setzt große Hoffnungen in KI. Laut DIHK sehen 86 Prozent der Unternehmen die Technologie als Produktivitätstreiber. Bitkom beziffert die KI-Nutzung in Firmen ab 20 Beschäftigten auf 41 Prozent.
Ab August 2026 gilt die Kennzeichnungspflicht des EU AI Act. Betriebe ohne interne Leitlinien riskieren Bußgelder und Reputationsverlust. Dieser Report zeigt, wie Sie in 5 Schritten compliant werden. EU AI Act Compliance-Guide jetzt sichern
Einige Konzerne werden konkret: Siemens will die Produktivität binnen drei Jahren um 20 Prozent steigern. Gartner prognostiziert, dass ab 2028 täglich rund 150.000 Arbeitsplätze durch technologische Entwicklungen neu definiert werden.
Doch die Lücke bleibt: Laut einer Erhebung der WirtschaftsWoche nutzt jedes fünfte Unternehmen noch gar keine KI.
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