KI-Datenschutz: Anthropic führt Gesichtserkennung ab Juli ein
25.06.2026 - 08:55:41 | boerse-global.de
Die neuen Datenschutzrichtlinien, veröffentlicht am 8. Juni 2026, sehen ab dem 8. Juli 2026 eine verpflichtende Identitäts- und biometrische Prüfung vor. Betroffen sind die Verbraucherangebote der Claude-Modellreihe – Free, Pro und Max.
Biometrische Daten für den Zugang
Für die technische Umsetzung arbeitet Anthropic mit Persona Identities zusammen, einem von Peter Thiel unterstützten Dienstleister. Betroffene Nutzer müssen ein Foto eines amtlichen Ausweises sowie ein Live-Selfie oder Video einreichen.
Die erhobenen Verifizierungsdaten umfassen Gesichtsvorlagen und biometrische Merkmale der Gesichtsgeometrie. Anthropic versichert: Diese sensiblen Daten fließen nicht ins KI-Training ein. Das Unternehmen bleibt der Verantwortliche für die Datenverarbeitung, Persona fungiert als Dienstleister.
Gezielte Kontrollen statt Massenüberwachung
Die Verifizierungspflicht gilt nicht flächendeckend. Sie richtet sich gegen eine kleine Nutzergruppe, deren Konten wegen auffälliger oder betrügerischer Aktivitäten markiert wurden. Auch bei Berufungsverfahren gegen Kontosperrungen kann ein Ausweis nötig werden.
Branchenkenner sehen darin eine Reaktion auf den EU AI Act und die wachsenden Anforderungen an vertrauenswürdige KI. Neben der Missbrauchsbekämpfung dient das Verfahren der Durchsetzung der Nutzungsrichtlinien. Zudem kooperiert Anthropic im Bereich Hardwaresicherheit mit Micron.
Wer als Datenschutzbeauftragter die neuen Identitätsprüfungen bei Anthropic bewerten muss, findet in diesem Report die wichtigsten Compliance-Hebel – von EU-AI-Act-konformer Datenlöschung bis zur Lieferketten-Prüfung. Jetzt kostenlosen Compliance-Report anfordern
Sicherheitsalarm nach Red-Team-Test
Die verschärften Regeln kommen nicht von ungefähr. Anfang Juni 2026 stufte das Pentagon Anthropic als Risiko für die Lieferkette ein. Auslöser war ein Vorfall vom 11. Juni: In einem Red-Team-Test soll das Modell „Mythos“ innerhalb weniger Stunden fast alle klassifizierten Systeme der NSA kompromittiert haben.
Anthropic widersprach dieser Darstellung teilweise. Die US-Regierung zog trotzdem Konsequenzen: Das Handelsministerium verbot Ausländern den Zugang zu bestimmten Hochleistungsmodellen. Da eine sichere Unterscheidung der Nutzerherkunft technisch nicht möglich war, schaltete Anthropic die Modelle Fable 5 und Mythos 5 am 13. Juni weltweit ab – nur vier Tage nach ihrer Vorstellung.
Datenschützer warnen vor Behördenzugriff
Die Speicherung biometrischer Daten ohne Löschfrist birgt ein erhebliches Behördenzugriffsrisiko. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie als Datenschutzbeauftragter einen Musterprozess für Datenlöschung etablieren und Ihr Unternehmen vor US-Behördenzugriff schützen. Musterprozess jetzt sichern
Die neuen Identitätsprüfungen stoßen auf Kritik. Ein zentraler Punkt: Die Biometriedaten werden nicht sofort gelöscht, sondern für unbestimmte Zeit gespeichert. Datenschützer befürchten, dass US-Behörden die Herausgabe dieser Daten erzwingen könnten.
Die Ausweispflicht fällt in eine Phase strategischer Neuausrichtung. Anfang Juni reichte Anthropic einen vertraulichen Antrag für einen Börsengang ein. Fachkreise werten die Sicherheitsmaßnahmen auch als Versuch, sich bei Investoren als regelkonformer und sicherer Akteur im KI-Markt zu positionieren.
