Arbeitgeber-Siegel: Strengere Regeln ab 27. September 2026
25.06.2026 - 08:30:28 | boerse-global.de
Künstliche Intelligenz und Sprachsteuerung halten Einzug, neue Gesetze verschärfen die Compliance – und die Mitarbeiter legen plötzlich wieder Wert auf etwas, das in den letzten Jahren kaum eine Rolle spielte: Stabilität.
KI erobert das Recruiting
Am 23. Juni kündigte das Unternehmen job.rocks in Zürich eine Erweiterung seiner Workforce-Management-Plattform an. Disponenten können operative Aufgaben künftig per Sprachbefehl in natürlicher Sprache formulieren. Das soll den manuellen Abstimmungsaufwand reduzieren – vor allem in Branchen wie Gastronomie oder Gesundheitswesen. Die finale Kontrolle bleibt aber beim Menschen.
Auch andere Anbieter setzen auf KI. AQIIDO HR wirbt mit KI-basiertem Matching statt herkömmlicher Schlagwortfilter. Zielgruppe: kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die ihre Personalsuche optimieren wollen. Gleichzeitig wächst die Sorge vor KI-generierten Bewerbungen, die das Datenrauschen verstärken. Dieses Thema stand am 24. Juni im Mittelpunkt der Fachkonferenz „ICR Recruiting Trends Mittelstand“.
Doch Vorsicht: KI-Tools im Recruiting gelten nach dem EU AI Act als Hochrisiko-Anwendungen. Sie erfordern eine menschliche Letztentscheidung und eine Datenschutz-Folgenabschätzung.
Strengere Regeln für Arbeitgeber-Siegel
Ab dem 27. September 2026 wird das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) verschärft. Nachhaltigkeits- und Sozial-Siegel müssen dann auf unabhängigen, transparenten Zertifizierungssystemen basieren. Verstöße können Bußgelder von bis zu 4 Prozent des Jahresumsatzes kosten.
Gleichzeitig kommt Bewegung in die EU-weite Verwaltung: Am 23. Juni einigten sich die Mitgliedstaaten vorläufig auf ein einheitliches digitales Meldesystem für entsandte Arbeitnehmer. Ein standardisiertes Online-Formular soll den Aufwand für rund 3,6 Millionen Entsendungen pro Jahr deutlich senken.
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Digitalisierung der Kernbereiche
Die digitale Personalakte wird zum Standard. Branchenberater wie ActivateHR betonen die Vorteile in puncto Effizienz und Sicherheit. Komplexer wird die Lage bei der Entgeltabrechnung: Die neue Entgelttransparenzrichtlinie zwingt Unternehmen zu mehr Offenheit. Experten von ADP empfehlen spezialisierte Systeme statt Excel-Tabellen. KI soll Anomalien frühzeitig erkennen.
Für Arztpraxen hat die Gematik am 23. Juni den sogenannten TI-Score veröffentlicht. Er bewertet 48 Praxisverwaltungssysteme nach ihrer technischen Funktionalität bei eRezept und elektronischer Patientenakte (ePA).
Sicherheit schlägt Gehalt
Die aktuelle „Randstad Employer Brand Research 2026“ zeigt einen bemerkenswerten Trend: Für 58 Prozent der rund 160.000 Befragten weltweit ist Arbeitsplatzsicherheit das wichtigste Kriterium bei der Arbeitgeberwahl. Damit verdrängt die Sicherheit das Gehalt auf Platz vier. In Deutschland, wo über 4.300 Personen befragt wurden, folgen auf den weiteren Plätzen eine angenehme Arbeitsatmosphäre und eine ausgewogene Work-Life-Balance.
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