KEDRA-Projekt: 590.000 Euro für KI-gestützte Umweltdeklarationen
29.05.2026 - 08:21:36 | boerse-global.deNeue KI-gestützte Softwarelösungen und verschärfte EU-Richtlinien treiben die Automatisierung der Nachhaltigkeitsberichterstattung massiv voran. Das Ziel: präzisere, aktivitätsbasierte Daten statt bisheriger Schätzungen.
Automatisierte Umweltproduktdeklarationen
Am 27. Mai 2026 startete das KEDRA-Projekt – eine Kooperation zwischen brands & values GmbH und OFFIS e.V. Die Partner entwickeln ein KI-Modul, das Umweltproduktdeklarationen (EPDs) weitgehend automatisch erstellt. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert das Vorhaben mit rund 590.000 Euro.
Die Software nutzt maschinelles Lernen, um fehlende Datenpunkte zu identifizieren und zu validieren. Das Besondere: Das System soll sich direkt in bestehende Unternehmenssoftware integrieren lassen. Gerade die manuelle Dateneingabe gilt bisher als größter Flaschenhals bei der Dokumentation von Produktlebenszyklen.
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EU-Verschärfungen setzen Unternehmen unter Druck
Die regulatorische Landschaft hat sich 2026 deutlich verändert. Die EU-Omnibus-Richtlinie schärfte im März die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) nach. Betroffen sind nun vor allem Unternehmen mit über 1.000 Beschäftigten und mehr als 450 Millionen Euro Umsatz. Doch die Berichtspflichten ziehen sich durch die gesamte Lieferkette.
Weitere Meilensteine: Der CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) verlangt seit Januar 2026 aktivitätsbasierte Daten. Und die EU-Richtlinie 2024/825 (EmpCo) tritt im September 2026 in Kraft – sie verschärft die Regeln für Umweltaussagen drastisch.
Der Greenhouse Gas (GHG) Protocol empfiehlt inzwischen klar: Aktivitätsbasierte Daten sind Schätzungen auf Basis von Ausgaben für die Scope-1-, -2- und -3-Emissionen deutlich überlegen.
Smarte Datenextraktion aus Rechnungen
Immer mehr Unternehmen setzen auf Intelligentes Dokumentenprocessing (IDP). Systeme wie die von Konfuzio extrahieren konkrete Verbrauchswerte – Kilowattstunden, Liter oder Kilogramm – direkt aus Rechnungen. Schluss mit ungenauen Berechnungen auf Basis von Ausgabendaten.
Die Integration in ERP-Systeme beschleunigt sich ebenfalls. Seit Februar 2026 arbeiten RÖDL und Planon an Lösungen für SAP S/4HANA. Die Partnerschaft deckt den gesamten Immobilienlebenszyklus ab: vom Leasing nach IFRS 16 über die Energiedatenerfassung bis zu CSRD-konformen Emissionsberechnungen. Mehr als 2.000 Compliance-Vorschriften sind durch die Integration von REG-IS hinterlegt.
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Neue Förderrichtlinien für Energie-Management
Das Bundeswirtschaftsministerium legte am 22. Mai 2026 einen Entwurf für die neue Strompreiskompensation (SPK) für den Zeitraum 2025 bis 2030 vor. Unternehmen müssen ihre Anträge bis zum 17. August 2026 einreichen. Die Förderintensität liegt 2025 bei 0,8 oder 0,75 und sinkt ab 2026 auf einheitlich 0,75.
Voraussetzung: Die Firmen müssen ein aktives Energiemanagementsystem nachweisen oder mindestens 30 Prozent ihres Stroms aus erneuerbaren Quellen beziehen.
In der Chemiebranche laufen bereits groß angelegte Pilotprojekte. Die Initiative Together for Sustainability (TfS) – ein Zusammenschluss von 47 Chemieunternehmen – testet seit Mai 2023 gemeinsam mit Siemens die Sigreen-Plattform zur Erfassung von Product Carbon Footprints (PCF). Grundlage ist ein 2022 entwickelter Berechnungsstandard.
Keine grüne KI ohne Kosten
Die Kehrseite der Medaille: KI verbraucht selbst enorme Energiemengen. Laut Internationaler Energieagentur (IEA) verbrauchten Rechenzentren 2024 weltweit 415 Terawattstunden – das sind 1,5 Prozent des globalen Strombedarfs. Bis 2030 könnte sich dieser Wert auf rund 945 TWh verdoppeln. Haupttreiber: das jährliche Wachstum von 30 Prozent bei KI-Servern.
Eine PwC-Studie vom 27. Mai 2026 zeigt zudem: Deutsche Unternehmen liegen bei der KI-Fitness zwar knapp über dem globalen Durchschnitt, hinken aber internationalen Spitzenreitern wie China hinterher. Viele Firmen nutzen KI derzeit vor allem für Effizienzsteigerungen – nicht für Umsatzwachstum oder anspruchsvolle Nachhaltigkeitsmodellierungen.
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