Katastrophenschutz: 500 Einsatzkräfte üben im Industriepark Gersthofen
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 20:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deEinsatzkräfte von Feuerwehren, Hilfsorganisationen und Behörden haben in mehreren Regionen bei praxisnahen Übungen das Vorgehen bei Brandereignissen, schweren Unfällen und Gefahrgutlagen trainiert. Im Zentrum stand dabei unter anderem eine großangelegte ABC-Übung im sauerländischen Fretter unter dem Titel „Rauch statt Knall“.
An dem Manöver an einem Samstag beteiligten sich 260 Einsatzkräfte mit etwa 60 Fahrzeugen, um die Brandbekämpfung bei starker Rauchentwicklung und gleichzeitigem Austritt gefährlicher Stoffe zu proben.
Beteiligt waren neben der Feuerwehr Finnentrop und dem Kreis Olpe auch der Rettungsdienst, das Deutsche Rote Kreuz, der Malteser Hilfsdienst, das Technische Hilfswerk sowie das Ordnungsamt, wobei die behörden- und organisationsübergreifende Koordination im Mittelpunkt stand.
Katastrophenschutz im industriellen Maßstab
Parallel zu den Maßnahmen im Sauerland fand im rund 35 Hektar großen Industriepark Gersthofen eine alle sieben Jahre vorgesehene Vollübung statt. Unter der Leitung der Führungsgruppe Katastrophenschutz im Landratsamt Augsburg waren am 17. und 18. Oktober 2026 rund 500 Einsatzkräfte eingebunden.
Die Übungsszenarien auf dem Areal an der Ludwig-Hermann-Straße, auf dem zwölf Unternehmen mit etwa 1.200 Beschäftigten tätig sind, umfassten unter anderem die simulierte Kollision zweier Passagierflugzeuge, Trümmerschäden an Rohrbrücken und Waggons, einen Brand im Wasserwerk sowie Gefahrstoffaustritte an vier Einsatzstellen.
Einsatzkräfte der IGS-Werkfeuerwehr, örtlicher Freiwilliger Feuerwehren aus Gersthofen, Neusäß, Stadtbergen, Batzenhofen und Langweid sowie des THW Königsbrunn, der Polizei und des Roten Kreuzes übten unter anderem das Abdichten eines undichten Chlorgasgebindes unter Chemikalienschutzanzügen, die Errichtung einer Dekontaminationsstation und die Rettung von Personen vom Dach eines brennenden Gebäudes. Begleitend wurde ein Bürgertelefon aktiviert.
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Erweiterte Einsatzszenarien und Zivilschutzanforderungen
In Calden trainierten am 17. Oktober 2026 mehr als 180 Ehrenamtliche der Medizinischen Task Force 34 Kassel, des ASB, beider DRK-Kreisverbände sowie der Feuerwehren aus Stadt und Landkreis Kassel auf dem Gelände des Fachbereichs Gefahrenabwehr.
Geübt wurden der Betrieb eines Behandlungszelts, die Patientenregistrierung, Logistikketten sowie ein neues Konzept für Ladezonen. Kassels Oberbürgermeister Sven Schoeller verwies im Rahmen des Termins auf gewachsene Anforderungen durch die veränderte internationale Sicherheitslage mit Blick auf den Zivil- sowie den Spannungs- und Verteidigungsfall.
Auch in weiteren Landesteilen überprüften Einsatzorganisationen ihre Einsatzbereitschaft unter realitätsnahen Bedingungen:
- Im Landkreis Osterholz bewältigten rund 140 Einsatzkräfte von Feuerwehr, DRK, THW und DLRG über vier Stunden vier parallele Szenarien, darunter einen Zusammenstoß zwischen einer Regionalbahn und einem Pkw in Neu St. Jürgen mit Gefahrstoffverdacht sowie einen Hallenvollbrand in Hüttenbusch.
- An der Berufsbildenden Schule Landstuhl führten Polizei, Rettungsdienste und Feuerwehren am 17. Oktober 2026 eine koordinierte Großübung durch, bei der ein angenommener Brand in eine Amoklage überging.
- Auf der Autobahn 2 probten Rettungsteams in Gelsenkirchen im Tunnel Erle das Vorgehen bei verrauchten Röhren und brennenden Fahrzeugen.
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Spezialszenarien und psychologische Nachbereitung
Über die technische Gefahrenabwehr hinaus rückten die Übungen auch Fachbereiche wie die Psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte (PSNV-E) in den Fokus.
Im niedersächsischen Tangendorf schulten zehn Helfer der Kreiseinheit die Betreuung von Einsatzkräften nach belastenden Einsätzen anhand einer Personenrettung aus einer Kieswaschanlage. Um persönliche Betroffenheit auszuschließen, erfolgte der Einsatz überörtlich durch Kräfte aus dem Landkreis Harburg.
Zusätzliche Trainings befassten sich mit neuartigen Risiken und schwierigen Umgebungsbedingungen: Die Feuerwehren Ense und Wickede schulten ihre Mannschaften am 10. und 11. Oktober 2026 im Umgang mit Hochvoltsystemen und dem thermischen Durchgehen von Batterien verunfallter Elektrofahrzeuge.
In Österreich simulierten rund 80 Einsatzkräfte in Aschach an der Donau bei 13 Grad Wassertemperatur und starker Strömung die Bergung nach dem Absturz eines Hubschraubers in den Fluss, während im Bezirk Hermagor rund 150 Kräfte schwerpunktmäßig Einsätze bei Dunkelheit absolvierten.
Mehr zum Thema bei Augsburger Allgemeine: „Was passiert, wenn es im Industriepark Gersthofen brennt? Hunderte Einsatzkräfte proben den Ernstfall“
