Kassenpflicht, Euro

Kassenpflicht ab 100.000 Euro: BMF-Entwurf löst Protest aus

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 05:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Finanz- und Agrarverbände weisen die geplante Kassenpflicht ab 100.000 Euro Gesamtumsatz zurück und verlangen Ausnahmen für bargeldarme Betriebe.

Neue Kassenpflicht: Verbände fordern Änderungen am BMF-Entwurf
Ein minimalistisch gestalteter, leerer Konferenzraum mit hochwertigen Möbeln und natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Anfang September 2026 hat ein neuer Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums (BMF) zur Verschärfung der Kassenpflicht eine Welle des Protests in verschiedenen Wirtschaftszweigen ausgelöst. Insbesondere Finanzdienstleister sowie Verbände der Landwirtschaft und des Gartenbaus kritisieren die geplanten Regelungen als unverhältnismäßig und fordern deutliche Nachbesserungen an den Plänen der Bundesregierung.

Das Bundesfinanzministerium plant die Einführung einer generellen Kassenpflicht für alle Unternehmen, die einen jährlichen Netto-Gesamtumsatz von mehr als 100.000 Euro erzielen. Diese Neuregelung zielt darauf ab, die Transparenz bei Bargeschäften zu erhöhen und Steuerhinterziehung zu erschweren. Doch die Verknüpfung der Verpflichtung an den Gesamtumsatz statt an den tatsächlichen Barumsatz stößt auf massiven Widerstand.

Finanzvermittler ohne Bargeschäfte unter Zugzwang

Der Bundesverband Finanzdienstleistung AfW bezog am 2. September 2026 Stellung gegen das Vorhaben. Nach Ansicht des Verbandes sei die geplante Umsatzgrenze von 100.000 Euro netto für viele Unternehmen der Branche zwar schnell erreicht, spiegele jedoch nicht die Realität der Geschäftsvorgänge wider. Finanz- und Versicherungsvermittler würden ihre Dienstleistungen nahezu ausschließlich über unbare Zahlungswege abwickeln.

Der AfW forderte daher eine explizite Ausnahme für Vermittler, die keine klassischen Kassengeschäfte tätigen. Eine Verpflichtung zur Vorhaltung und Zertifizierung teurer Kassensysteme ohne entsprechende Bargeldbewegungen stelle eine bürokratische Belastung dar, die keinen Mehrwert für die Steuergerechtigkeit biete.

Anzeige

Wer sich mit neuen gesetzlichen Vorgaben wie der Kassenpflicht befasst, sollte auch das Risiko unangekündigter Kontrollen im Blick behalten. Dieser kostenlose Ratgeber unterstützt Selbstständige dabei, sich optimal vorzubereiten und im Ernstfall die Kontrolle zu behalten. 12-Punkte-Selbstcheck für die Betriebsprüfung jetzt sichern

Kritik an der Verknüpfung mit dem Gesamtumsatz

Parallel zum Finanzsektor formierte sich am 2. September 2026 eine breite Allianz aus der Agrar- und Gartenbauwirtschaft. Der Zentralverband Gartenbau (ZVG), der Deutsche Bauernverband (DBV), der Fachverband der Landwirtschaftlichen Buchstellen (FABLF) sowie der Hauptverband der landwirtschaftlichen Buchstellen und Sachverständigen (HLBS) äußerten in einer gemeinsamen Stellungnahme erhebliche Bedenken.

Die Verbände kritisierten den Gesetzentwurf des BMF als unverhältnismäßig. Das Hauptproblem liege in der Anknüpfung der Kassenpflicht an den Gesamtumsatz eines Betriebes. Dies führe dazu, dass auch Betriebe mit sehr geringen Bareinnahmen zur Anschaffung und zum Betrieb zertifizierter Kassensysteme gezwungen würden, sofern ihr digitaler oder auf Rechnung basierender Umsatz die Grenze von 100.000 Euro überschreite. Damit würden bestehende Ausnahmeregelungen entwertet und für die Praxis nahezu unbrauchbar gemacht.

Forderungen nach praxisnahen Ausnahmeregelungen

Die Vertreter von ZVG, DBV, FABLF und HLBS verlangen eine grundlegende Überarbeitung des Entwurfs. Eine Kassenpflicht dürfe sich nicht am Gesamtumsatz orientieren, sondern müsse zwingend am tatsächlich getätigten Barumsatz ausgerichtet werden. Nur so könne sichergestellt werden, dass Kleinstbetriebe oder Unternehmen mit minimalem Bargeldanteil nicht durch übermäßige Investitionskosten belastet werden.

Anzeige

Um bei verschärften Transparenzregeln und steuerlichen Nachweisen souverän zu agieren, ist eine gute Vorbereitung der eigenen Unterlagen entscheidend. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Experten-Report, wie Sie souverän verhandeln und bei behördlichen Prüfungen Zeit sparen. Kostenlosen Ratgeber zur Betriebsprüfung herunterladen

Zudem fordern die Verbände spezifische Ausnahmen für bestimmte Vertriebsformen. Insbesondere für die Direktvermarktung ab Hof, mobile Verkaufsstände, Warenautomaten und saisonale Hofverkäufe müssten praxisgerechte Lösungen gefunden werden. Diese Bereiche seien oft durch geringe Margen und einen hohen organisatorischen Aufwand geprägt, weshalb eine starre Kassenpflicht die Wirtschaftlichkeit dieser Betriebe gefährden könnte.

Der weitere Verlauf des Gesetzgebungsverfahrens wird nun davon abhängen, inwieweit das Bundesfinanzministerium bereit ist, auf die Einwände der Wirtschaftsverbände einzugehen und die Umsatzschwellen sowie die Definition der betroffenen Betriebe anzupassen. Die Verbände kündigten an, den Dialog mit der Politik fortzusetzen, um eine für die Praxis verträgliche Lösung zu erreichen.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70052264 |