Jahressteuergesetz 2026: Neue Regeln für Reisekosten und KI-Prüfung
27.06.2026 - 08:27:02 | boerse-global.de
Das Paket enthält zahlreiche Änderungen – von neuen Reisekostenregeln bis zur Digitalisierung der Finanzämter. Wirtschaftsverbände kritisieren fehlende Entlastungen und potenzielle neue Streitpunkte.
Kürzere Fristen bei Reisekosten
Eine zentrale Änderung betrifft die erste Tätigkeitsstätte. Die Frist für eine dauerhafte Zuordnung soll von bisher 48 auf 24 Monate verkürzt werden. Auch der Grundlohn für steuerfreie Zuschläge wird neu geregelt.
Für Unternehmen wird die geplante gesetzliche Kaufpreisaufteilung relevant. Sie soll künftig verbindlich regeln, wie Anschaffungskosten auf Grund und Boden sowie Gebäude aufgeteilt werden. Der Deutsche Steuerberaterverband (DStV) sieht die Regelung kritisch. Er warnt vor Streitigkeiten und fordert präzisere Vorgaben für mehr Rechtssicherheit.
KI in der Steuerverwaltung
Der Entwurf will den Einsatz künstlicher Intelligenz in Finanzbehörden rechtlich absichern. Ein neuer Paragraph 29c der Abgabenordnung soll die Nutzung automatisierter Systeme ermöglichen. Bayern setzt bereits eine spezielle Software zur Prüfung von E-Commerce und Social Media ein. Behördenangaben zufolge konnten durch die Auswertung von Profilen bereits Steuernachzahlungen in sechsstelliger Höhe erzielt werden.
Parallel startet Anfang Juli die „One Click“-Steuererklärung per Smartphone-App. Sie richtet sich zunächst an ledige, kinderlose Arbeitnehmer und Rentner. Rund 11,5 Millionen Steuerpflichtige könnten das Angebot nutzen. Lohnsteuerhilfevereine warnen jedoch vor finanziellen Nachteilen, da individuelle Abzugsmöglichkeiten unberücksichtigt bleiben.
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Neue Regeln bei der Umsatzsteuer
Ab 2026 soll der Vorsteuerabzug für Rechnungen von Ist-Versteuerern erst zum Zeitpunkt der Zahlung möglich sein. Eine entsprechende Pflichtangabe auf Rechnungen wird eingeführt. Der DStV fordert eine Nichtbeanstandungsregelung, um gutgläubige Rechnungsempfänger zu schützen.
Weitere Maßnahmen im Überblick:
- Erhöhung der Forschungszulage auf 25 Millionen Euro
- Anhebung der Quellensteuerfreigrenze auf 100.000 Euro
- Monatliche Vollverzinsung von 0,3 Prozent ab 2027
- Ausweitung der Meldepflichten nach dem Plattformen-Steuertransparenzgesetz
Zeitplan und politischer Hintergrund
Der Vorsteuerabzug ändert sich ab 2026: Nur bei Zahlung des Ist-Versteuerers. Dieses Muster für die neue Pflichtangabe auf Rechnungen hilft, Fehler zu vermeiden. Rechnungsmuster jetzt sichern
Die Frist für Stellungnahmen der Verbände endete Mitte Juni. Ein Regierungsentwurf wird in den kommenden Monaten erwartet. Das Gesetzgebungsverfahren soll im vierten Quartal 2026 abgeschlossen sein.
Die steuerlichen Anpassungen erfolgen vor dem Hintergrund einer angespannten Haushaltslage. Für 2027 klafft eine Lücke von 21 Milliarden Euro. Sie soll durch Rücklagen in Höhe von 9,7 Milliarden Euro und Einsparungen geschlossen werden. Branchenanalysten weisen zudem darauf hin, dass Deutschland im OECD-Vergleich weiterhin eine der höchsten Abgabenbelastungen für Arbeitnehmer hat.
