IT-Sicherheit: 75% der Fachkräfte warnen vor Personalmangel
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 00:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der anhaltende Mangel an qualifizierten Fachkräften entwickelt sich zu einer zentralen Schwachstelle für die Unternehmenssicherheit. In der am 17. September 2026 veröffentlichten sechsten Ausgabe der Studie „Cybersicherheit in Zahlen“ von G DATA, Statista und brand eins gaben über 75 Prozent der 5.000 befragten IT-Security- und Führungsverantwortlichen an, dass sich personelle Engpässe negativ auf das IT-Sicherheitsniveau auswirken.
Bei den Führungskräften in Deutschland teilen 76 Prozent diese Einschätzung, wobei 44 Prozent die negativen Folgen sogar als stark oder sehr stark einstufen.
Zugleich betrachten 15 Prozent der Befragten den Fachkräftemangel als das größte Hindernis für die digitale Souveränität Deutschlands. Nur 28 Prozent halten das Land in puncto IT-Sicherheit derzeit für digital souverän, 36 Prozent sehen dies teilweise so, während jeder Dritte widerspricht.
Zunehmende Bedrohungslage und regulatorischer Druck
Die personellen Lücken treffen auf eine angespannte Sicherheitslage. Laut der Erhebung von G DATA, Statista und brand eins stufen 46 Prozent der Befragten organisierte Cyberkriminelle als größte Bedrohung ein. Dahinter folgen Hacktivisten mit 14 Prozent sowie Innentäter und externe Dienstleister mit 13 Prozent. Als Haupteinfallstor gilt weiterhin der Faktor Mensch: Bei 68 Prozent der Cyberangriffe kommt Schadsoftware über E-Mails zum Einsatz.
Zusätzliche Dynamik entsteht durch neue Technologien. Ein Drittel der Befragten rechnet mit einer erheblichen Verschärfung der Bedrohungen durch künstliche Intelligenz, während 40 Prozent von wahrscheinlicheren Angriffsszenarien ausgehen.
Gleichzeitig beansprucht die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben erhebliche Kapazitäten: Sieben von ohne Befragten aus IT-Security, IT und Geschäftsführung gaben an, dass regulatorische Vorgaben viele Ressourcen binden. Dennoch verbinden 45 Prozent Richtlinien wie NIS-2 mit einem gestärkten Sicherheitsgefühl.
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Die volkswirtschaftlichen Dimensionen wachsen derweil drastisch. Während der weltweite Umsatz mit Sicherheitsdienstleistungen von 11,5 Milliarden Euro im Jahr 2016 auf 25,4 Milliarden Euro im Jahr 2026 kletterte, werden die weltweiten Schäden durch Cyberkriminalität für das Jahr 2030 auf 16,9 Billionen Euro geschätzt – ein Anstieg um 2.240 Prozent gegenüber 2018. In Deutschland lag die Aufklärungsquote bei Cybercrime-Delikten im Jahr 2025 bei 31 Prozent.
Risikofaktor Belegschaft und Ausbildungsdefizite
Dass Sicherheitslücken nicht allein auf technischer Ebene entstehen, unterstreichen Erhebungen des Technologieunternehmens Sharp. In einer europaweiten Umfrage unter 5.770 IT-Entscheidern bezeichneten 37 Prozent unzureichende oder gänzlich fehlende Mitarbeiterschulungen als größtes IT-Sicherheitsrisiko.
Eine begleitende Sharp-Befragung von 1.001 Beschäftigten in Schweizer KMU verdeutlicht das Verhalten am Arbeitsplatz: Zwei Drittel der Arbeitnehmer räumten ein, riskantes Verhalten bei der Cybersicherheit vor Vorgesetzten zu verheimlichen. Rund ein Viertel sieht die IT-Sicherheit nicht in der eigenen Verantwortung, und knapp zehn Prozent gaben an, dass ihnen ein Hackerangriff auf das Unternehmen gleichgültig wäre.
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Entwicklung im öffentlichen Dienst und Budgetfragen
Auch der öffentliche Sektor reagiert auf die Lage. Eine Befragung von 690 Beschäftigten im deutschen öffentlichen Dienst durch Statista und G DATA ergab, dass für das Jahr 2026 bei 43 Prozent geplante IT-Sicherheitsinvestitionen anstehen – nach 28 Prozent im Jahr 2025. 14 Prozent planen keine Investitionen, während 9 Prozent auf Fördermittel warten. 41 Prozent der Befragten bewerten ihre IT als modern und gut gepflegt.
Gleichzeitig erlebten 14 Prozent im Jahr 2026 persönlich einen Cyberangriff (Vorjahr: 13 Prozent), und 35 Prozent berichteten von Vorfällen im Kollegenkreis.
Auf Leitungsebene der Verwaltungen gaben 64 Prozent an, Prozesse an die Bedrohungslage angepasst zu haben, 62 Prozent setzen auf Schulungen und 58 Prozent auf regelmäßige Datensicherungen; 19 Prozent waren allerdings keine Notfallmaßnahmen bekannt.
Weltweit bleibt der finanzielle Spielraum unterdessen begrenzt. Nach Erhebungen von IANS und Artico unter mehr als 500 Sicherheitschefs stiegen die Sicherheitsbudgets 2026 im Schnitt zwar um fünf Prozent, der Median verharrt jedoch im zweiten Jahr auf demselben Niveau.
Für zusätzliche Mittel steht künstliche Intelligenz bei 69 Prozent der CISOs ganz oben auf der Agenda, und 81 Prozent erwarten den Bedarf für neue Rollen im Team. Nach Erhebungen von Gartner unter Fachleuten in Unternehmen ab 50 Millionen US-Dollar Umsatz steht der Einsatz von KI zur Erkennung und Abwehr von Bedrohungen derzeit an vorderster Stelle.
