Insolvenzwelle, Konkurs

Insolvenzwelle: 5.940 Unternehmen meldeten Konkurs im H1 2026 an

02.07.2026 - 18:35:19 | boerse-global.de

Fast 5.940 Firmenpleiten im ersten Halbjahr 2026 belasten die deutsche Wirtschaft. Energieintensive Branchen und der Handel sind besonders betroffen.

Deutsche Insolvenzen erreichen Höchststand seit Finanzkrise 2008
Insolvenzwelle - Eine zerbrochene Spardose mit herausfallenden Münzen, die Unternehmensinsolvenzen symbolisiert, vor einem verschwommenen Bürohintergrund. 02.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Rund 5.940 Unternehmen meldeten im ersten Halbjahr 2026 Insolvenz an. Das sind fünf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Experten machen dafür eine schwache Nachfrage, hohe Energie- und Finanzierungskosten sowie eine restriktive Kreditvergabe verantwortlich.

Höchststand seit der Finanzkrise

Bereits das erste Quartal 2026 verzeichnete 4.500 Insolvenzen – mehr als während der Finanzkrise 2008/09. Der April war mit 1.158 Verfahren der bislang stärkste Monat, gefolgt vom März mit 1.111 Fällen.

Auch die Verbraucherinsolvenzen bleiben mit rund 53.850 Fällen auf hohem Niveau. Besonders betroffen sind zunehmend größere Unternehmen mit mehr als zehn Millionen Euro Jahresumsatz. Das ifo-Geschäftsklima fiel im Frühjahr auf 84,4 Punkte – ein klares Zeichen für die angespannte Wirtschaftslage.

Energieintensive Branchen unter Druck

Der Fliesenhersteller Panariagroup Deutschland stellte die Produktion am Standort Leisnig ein. 165 Arbeitsplätze sind betroffen. Grund: Die Energiepreisabsicherungen liefen aus. Eine Rettung zeichnet sich ab: Die Meta-Wolf-Gruppe und das TWO Family Office wollen den Standort übernehmen. Geplant ist eine Wiederaufnahme der Produktion 2027 mit Investitionen in Robotik und KI.

Die Baiersbronn Frischfaser Karton GmbH meldete Insolvenz an. Das Unternehmen mit 220 Mitarbeitern erwirtschaftete zuletzt 80 Millionen Euro Umsatz. Neben den Energiekosten drückt vor allem die schwache Auftragslage.

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In der Textilbranche gibt der Bekleidungshersteller Disana auf. Der Betrieb wird zum 30. September eingestellt – kein Investor gefunden. Alle 50 Mitarbeiter erhielten die Kündigung.

Handel und Dienstleistungen in der Krise

Die Autolöwen-Gruppe scheitert mit der Rettung. Sämtliche Niederlassungen werden geschlossen, rund 100 Mitarbeiter sind betroffen. Die Kette Depot führt nach einer erneuten Insolvenzanmeldung im Mai Räumungsverkäufe durch. 155 Standorte sollen zunächst erhalten bleiben.

Die Traditionsbäckerei Keim & Brecht stellt Ende Juli den Betrieb ein. Zwölf Filialen und die Produktion in Mittelbiberach schließen. 150 Mitarbeiter verlieren ihren Job, für einzelne Standorte laufen noch Übernahmegespräche. Sinkende Umsätze bei steigenden Betriebskosten – die Rechnung ging nicht mehr auf.

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Landwirtschaft und soziale Träger betroffen

Die Winzergenossenschaft „Winzer von Baden eG“ stellte Anfang Juli Insolvenzantrag. Rund 900 Weinbauern mit 600 Hektar Anbaufläche sind betroffen. Das Unternehmen hat Verbindlichkeiten von 6,84 Millionen Euro. Steigende Kosten für Verpackung und Logistik sowie verändertes Konsumverhalten setzen der Genossenschaft zu.

Bei den Kita-Trägern Pro-Liberis und Lenitas, seit Februar insolvent, wurden 65 Stellen gestrichen. Die Zukunftsschmiede übernimmt einen Großteil der Betreuungsplätze. Das Verfahren soll bis zum Herbst abgeschlossen sein.

Weitere aktuelle Insolvenzfälle: die Aktienbrauerei Kaufbeuren, Cenntro Automotive Europe und der TSV 1860 München. Experten rechnen kurzfristig nicht mit einer Entspannung.

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