Infrastruktur-Krise, Bahn

Infrastruktur-Krise: Bahn fordert 13 Milliarden für 70% Pünktlichkeit

10.06.2026 - 13:37:23 | boerse-global.de

Verzögerte Schienensanierung und Brückenschäden belasten die Industrie. Bahnchefin Palla fordert 13 Milliarden Euro für mehr Pünktlichkeit.

Infrastruktur-Krise: Bahn-Chaos und marode Brücken gefährden Lieferketten
Infrastruktur-Krise - Ein Güterzug fährt durch einen dunklen, verfallenen Tunnel, dessen Wände Risse und freiliegenden Stahl aufweisen. 10.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Branchenverbände schlagen Alarm: Verzögerungen bei der Schienensanierung und marode Autobahnbrücken gefährden wichtige Lieferketten. Stahlwerke drosseln bereits ihre Produktion, während die Deutsche Bahn zusätzliche Milliarden fordert.

Güterverkehr im Chaos

Der Verband „Die Güterbahnen“ erklärt das Sanierungskonzept der Korridore für gescheitert. Die Vollsperrungen führten zu chaotischen Zuständen im Güterverkehr, kritisiert Verbandssprecher Peter Westenberger. Besonders die Strecke Berlin-Hamburg bereitet Probleme: Statt fünf Monaten dauert die Sanierung nun neun — plus sechs Wochen Verlängerung. Erst Mitte Juni soll die Verbindung wieder frei sein.

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Die Folgen treffen die Industrie hart. Der Stahlkonzern Salzgitter AG und Werke in Eisenhüttenstadt mussten ihre Hochöfen wegen Rohstoffmangels drosseln. Ein Güterzug von Hamburg nach Nürnberg brauchte sechs statt einem Tag. In einem Brandbrief an Verkehrsminister Schnieder fordert der Verband eine grundlegende Neuausrichtung der Sanierungsstrategie.

Bahnchefin fordert 13 Milliarden Extra

Bahnchefin Evelyn Palla unterstreicht die Dramatik: Bis 2030 brauche die Bahn zusätzlich 13 Milliarden Euro, um die Pünktlichkeit im Fernverkehr auf 70 Prozent zu steigern. Ohne das Geld bleibe die Quote dauerhaft unter 60 Prozent. 2026 sei mit rund 28.000 Baustellen ein Rekord-Baujahr. Der Bund stellt zwar 150 Milliarden Euro aus einem Sondervermögen bereit — doch für langfristige Planungssicherheit reicht das nicht.

Hinzu kommen technische Pannen bei Großprojekten. Bei Stuttgart 21 wurden über 1.000 Kilometer Kabel und Schächte fehlerhaft verlegt. Grund: Die digitale Sicherungstechnik (ETCS) ist inkompatibel mit Güterzügen in den Randbereichen. Die Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs verschiebt sich wohl auf 2031.

Brücken in der Krise

Auch auf der Straße wird es eng. Auf der A4 bei Köln gilt ein Lkw-Fahrverbot über 7,5 Tonnen zwischen Klettenberg und Eifeltor in Richtung Olpe. Eine Brücke von 1956 ist so marode, dass selbst ein Verbot für Fahrzeuge über 44 Tonnen ignoriert wurde. Jetzt soll im Sommer eine Schrankenanlage zur Gewichtskontrolle kommen. Ein Neubau? Frühestens 2028/29.

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Die A40 bei Mülheim wurde für zehn Tage voll gesperrt — Bombensuche. Bis zu 90.000 Fahrzeuge sind täglich betroffen. Immerhin: Am Engelbergtunnel auf der A81 bei Leonberg stehen nach einem Brand im Frühjahr wieder drei Fahrstreifen pro Röhre zur Verfügung.

Luftfracht im Fokus

Parallel plant die Bundesregierung eine neue Luftfahrtstrategie. Über 20 Prozent des Handels mit Staaten außerhalb der EU laufen per Luftfracht. Der Bundesverband der Industrie (BDI) fordert deshalb Entlastungen: niedrigere Luftverkehrsteuer, günstigere Sicherheits- und Flugsicherungsgebühren. Nur so bleibe der Standort international wettbewerbsfähig.

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