Industrie warnt: 40 Konzerne fordern Kurswechsel bei CO2-Preisen
17.06.2026 - 22:35:28 | boerse-global.de
Die CO2-Preise eskalieren – und die Industrie schlägt Alarm.
In einem gemeinsamen Brief an EU-Ratspräsident Costa und Kommissionspräsidentin von der Leyen fordern 40 führende Industriekonzerne einen grundlegenden Kurswechsel in der europäischen Klimapolitik. Unternehmen wie BASF, Evonik, Covestro, Thyssenkrupp und ArcelorMittal warnen vor einer anhaltenden Kostenexplosion im Emissionshandel (ETS). Die Unterzeichner sehen die Gefahr von Produktionsverlagerungen, Werksschließungen und massiven Jobverlusten, sollte die aktuelle Preisentwicklung bei CO2-Zertifikaten nicht korrigiert werden.
Europa geht beim Klimaschutz in die falsche Richtung
Anzeige: Wer die drohende Kostenexplosion im Emissionshandel für sein Unternehmen abfedern will, findet in diesem Report die wichtigsten Hebel – von der CO2-Kosten-Checkliste bis zum Fördermittelguide. Jetzt kostenlosen Report anfordern
Die Kritik der Industrie ist deutlich: Europa verfolge bei den CO2-Kosten einen internationalen Alleingang, während die nötige Infrastruktur für Wasserstoff und CO2-Speicher noch fehle. Das treibe die Produktion aus der EU – ohne dass das Klima profitiere.
Doch innerhalb der Stahlindustrie ist man sich uneins. Während Thyssenkrupp und ArcelorMittal auf eine Abschwächung der Regeln drängen, sprach sich Saarstahl – ein Unternehmen, das bereits massiv in die Transformation investiert hat – gegen ein Zurückdrehen der Vorgaben aus. Auch die IG Metall warnte davor, den Transformationsprozess zu gefährden. Die EU-Kommission will im Juli Revisionsvorschläge vorlegen.
Finanzaufsicht schlägt Alarm: Märkte extrem anfällig
Parallel zu den industriellen Forderungen mehren sich die Warnungen vor Instabilitäten an den Finanzmärkten. Verena Ross, Chefin der EU-Finanzmarktaufsicht Esma, sieht ein hohes Risiko für Börsenrückschläge. Trotz Berichten über einen bevorstehenden Friedensvertrag zwischen den USA und dem Iran blieben die Risiken durch Energiepreise und geopolitische Spannungen hoch.
EZB-Vizepräsident de Guindos warnte vor der Anfälligkeit der Märkte für scharfe Neubewertungen. Bafin-Chef Branson stufte das Potenzial für plötzliche Korrekturen ebenfalls als hoch ein. Als strukturelle Gefahren identifizierten die Aufseher zudem Cyberrisiken und Entwicklungen am privaten Kreditmarkt – der zuletzt stark gewachsen ist und nun mit Bewertungsherabstufungen konfrontiert sein könnte.
Deutsche Industrie zeigt sich trotzdem krisenfest
Trotz der regulatorischen und preislichen Unsicherheiten: Ein Großteil der deutschen Industrie ist vorbereitet. Laut einer BDI-Umfrage unter Unternehmen mit mindestens 500 Mitarbeitern verfügen 77 Prozent bereits über eine Resilienzstrategie, weitere 16 Prozent arbeiten daran. Über 80 Prozent der befragten Firmen schätzen ihre eigene Widerstandsfähigkeit als hoch ein.
BDI-Präsident Leibinger wies jedoch darauf hin, dass Unternehmen bei Themen wie Energieversorgung und Infrastruktur an systemische Grenzen stoßen. Er forderte von der Politik schnellere Genehmigungsverfahren und wettbewerbsfähige Energiepreise.
Inflation bei 3,2 Prozent: EZB bereitet weitere Zinserhöhung vor
Die makroökonomische Lage bleibt angespannt. In der Eurozone lag die Inflation im Mai bei 3,2 Prozent. EZB-Entscheidungsträger Gediminas Šimkus erklärte, er erwarte mindestens eine weitere Zinserhöhung – die Aufwärtsrisiken seien weiterhin hoch. Die EZB hatte die Leitzinsen zuletzt erstmals seit drei Jahren angehoben.
Anzeige: Während BASF, Thyssenkrupp und 38 weitere Konzerne vor Werksschließungen warnen, fehlt vielen CFOs ein konkreter Fahrplan zur Kostensenkung. Dieser Report liefert eine 5-Schritte-Checkliste und eine Resilienzstrategie für den Emissionshandel. CO2-Kosten-Checkliste jetzt sichern
Banken: Neue Kriseninstrumente und KI-Bedrohung
Im Bankensektor wird unterdessen über neue Instrumente zur Krisenbewältigung diskutiert. Ein Vorschlag von Experten der Universität Basel und der Universität Zürich sieht ein Zwei-Stufen-Modell für AT1-Anleihen vor. Demnach sollen bei Unterschreiten regulatorischer Kapitalanforderungen zunächst Ausschüttungssperren greifen, bevor in einer zweiten Stufe eine freiwillige Wandlung in Aktien angeboten wird. Ziel: Kapital früher zur Stabilisierung nutzen und Stigmatisierungen vermeiden.
Zusätzlich steht die Branche vor einem technologischen Umbruch. Prognosen von Morgan Stanley zufolge könnten durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und den Abbau von Filialstrukturen bis 2030 rund zehn Prozent der Stellen in europäischen Banken wegfallen – mehr als 200.000 Arbeitsplätze. Besonders betroffen: Risikoabteilungen, Compliance und das Back-Office. ABN Amro hat bereits angekündigt, bis 2028 ein Fünftel der Belegschaft abzubauen.
