Immobilienpreise steigen weiter – Eigentumswohnungen in Metropolen günstiger
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 11:55 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Preise für Wohneigentum in Deutschland sind im zweiten Quartal 2026 im Jahresvergleich um 0,6 Prozent gestiegen, während Eigentumswohnungen in den sieben größten Städten günstiger wurden.
Preisanstieg verliert an Kraft
Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes verteuerten sich Häuser und Wohnungen von April bis Juni gegenüber dem ersten Quartal um 0,3 Prozent. Damit stiegen die Immobilienpreise zum siebten Mal in Folge, allerdings mit deutlich geringerer Dynamik.
Den Wert für das erste Quartal korrigierten die Statistiker von 1,4 auf 1,2 Prozent im Jahresvergleich. Hohe Baukosten und gestiegene Zinsen belasten Käufer und Bauherren und bremsen die Nachfrage.
Metropolen mit leichtem Rückgang
In Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf gaben die Preise für Eigentumswohnungen im zweiten Quartal sowohl gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,4 Prozent als auch gegenüber dem Vorquartal um 0,5 Prozent nach.
Das hohe Preisniveau in den Ballungsräumen bleibt für Käufer dennoch eine große Hürde. Inflationsbereinigt liegen die Preise in Frankfurt und München nach Einschätzung des UBS-Chefanlagestrategen Maximilian Kunkel bis zu 25 Prozent unter den Höchstständen von 2021 und 2022.
Deutliche regionale Unterschiede
In dicht besiedelten ländlichen Kreisen sanken die Preise für Eigentumswohnungen binnen Jahresfrist um 1,8 Prozent und gegenüber dem Vorquartal um 1,3 Prozent. In kreisfreien Großstädten außerhalb der sieben größten Metropolen stiegen sie dagegen um 2,0 Prozent zum Vorjahresquartal und um 0,5 Prozent zum Vorquartal.
Deutschlandweit fehlen nach Schätzungen mehr als eine Million Wohnungen. 2025 wurden 206.600 Wohnungen fertiggestellt, 18 Prozent weniger als im Vorjahr und so wenige wie seit 2012 nicht mehr. Besonders in Ballungsräumen sind bezahlbare Wohnungen knapp, was die Kauf- und Mietpreise stützt.
Bau-Turbo unter Kostendruck
Die Bundesregierung will den Wohnungsbau mit dem sogenannten Bau-Turbo beschleunigen. Schnellere Genehmigungen und weniger Vorschriften sollen den Neubau ankurbeln; Förderprogramme für energieeffizientes Bauen wurden reaktiviert.
Die Baugenehmigungen stiegen zuletzt zwar deutlich, doch die Finanzierung verteuerte sich erneut. Zehnjährige Bauzinsen liegen inzwischen über vier Prozent und könnten nach Einschätzung von Finanzexperten weiter steigen.
Eigentum bleibt für viele unerreichbar
Der Immobilienverband IVD sieht deshalb keinen grundlegenden Aufschwung am Wohnungsmarkt. Hohe Finanzierungshürden erschwerten den Eigentumserwerb, während das knappe Angebot den Druck auf dem Mietmarkt erhöhe.
Auch inflationsbereinigte Preisrückgänge führten nicht automatisch zu mehr Erschwinglichkeit. Gestiegene Zinsen, fehlendes Eigenkapital und teils höhere Grunderwerbsteuern zehrten den Preisvorteil auf. Besonders jüngere Haushalte könnten dadurch beim Vermögensaufbau und bei der privaten Altersvorsorge zurückfallen.
,Preisbewegung und Finanzierungsdruck
Der Anstieg um 0,6 Prozent im zweiten Quartal zeigt keinen neuen Immobilienboom, sondern eine Stabilisierung auf hohem Niveau. Dass Eigentumswohnungen in den sieben größten Städten binnen Jahresfrist um 0,4 Prozent günstiger wurden, ändert daran wenig: In den Ballungsräumen bleiben Kaufpreise und Mieten wegen des knappen Angebots hoch.
Für die tatsächliche Erschwinglichkeit sind die Finanzierungskosten entscheidend. Zehnjährige Baukredite lagen am 23. September 2026 laut aktuellen Marktdaten bei rund 4,1 bis 4,2 Prozent; ein Jahr zuvor waren es etwa 3,4 Prozent. Bei einem Darlehen von 300.000 Euro kann ein solcher Zinsanstieg die monatliche Belastung deutlich erhöhen. Zusätzlich prüfen Banken Finanzierungen strenger, während energetisch schwache Gebäude bei der Kreditvergabe an Wert verlieren können.
Wohnungsbau bleibt der Engpass
Der regionale Preisrückgang in Metropolen bedeutet deshalb nicht automatisch eine Entspannung für Wohnungssuchende. Entscheidend bleibt, ob ausreichend neue Wohnungen entstehen. 2025 wurden in Deutschland 206.600 Wohnungen fertiggestellt – so wenige wie seit 2012 nicht mehr. Schnellere Genehmigungen und Förderprogramme können den Neubau unterstützen, wirken aber erst mit zeitlicher Verzögerung.
Für Kaufinteressierte verschiebt sich damit die zentrale Frage vom reinen Kaufpreis zur Gesamtbelastung aus Zins, Tilgung, Nebenkosten und energetischem Zustand. Eigentümer mit auslaufender Zinsbindung müssen zudem ihre Anschlussfinanzierung frühzeitig kalkulieren.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau.de: „Bauzinsen über vier Prozent: Was Käufer jetzt wissen müssen“ (23.09.2026)
Der Beitrag bestätige den Finanzierungsdruck und berichte, zehnjährige Bauzinsen lägen inzwischen über vier Prozent. Anders als die dpa-Meldung konzentriere er sich auf die Folgen für Käufer, Anschlussfinanzierungen und die strengeren Kreditstandards der Banken.
Deutschlandfunk: „23. September 2026 – Die Wirtschaftspresseschau“ (23.09.2026)
Die Wirtschaftspresseschau greife die Belastung durch hohe Immobilienpreise und Bauzinsen auf und stelle sie in den Zusammenhang mit einer möglichen Immobilienblase. Der Schwerpunkt liege damit stärker auf der gesamtwirtschaftlichen Bewertung, während konkrete regionale Preisbewegungen und der Wohnungsbau im Bericht offenblieben.
Medienübergreifend bestehe Einigkeit über den erschwerten Zugang zu Wohneigentum durch hohe Preise und Finanzierungskosten; unterschiedlich gewichtet würden die unmittelbare Belastung für Käufer, die Gefahr einer Überbewertung und die politischen Folgen des knappen Wohnungsangebots.
