ifo-Studie: Jeder fünfte Selbstständige fürchtet das Aus
19.05.2026 - 17:24:59 | boerse-global.deMehr als 20 Prozent der Solo-Selbstständigen und Kleinstunternehmen in Deutschland sehen ihre Existenz akut bedroht. Das ifo-Institut spricht von einem historischen Tiefstand.
Die wirtschaftliche Lage der Selbstständigen hat einen neuen Negativrekord erreicht. Laut der am Dienstag, 19. Mai 2026, veröffentlichten ifo-Studie fürchten rund 20,6 Prozent der befragten Einzelunternehmer und Kleinstfirmen um ihr berufliches Überleben. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebung. Zum Vergleich: In der Gesamtwirtschaft lag der Anteil der Unternehmen mit Existenzängsten im April bei lediglich 8,1 Prozent.
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Der „Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex für Selbstständige“, der die Stimmung von Soloselbstständigen und Firmen mit weniger als neun Mitarbeitern misst, stürzte im April auf einen Rekordtiefstand von minus 29,9 Punkten – nach minus 20,8 Punkten im März. Die Ursache: Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen für die kommenden Monate haben sich dramatisch verschlechtert.
Auftragsmangel auf Rekordniveau
Haupttreiber der Krise ist ein eklatanter Mangel an neuen Aufträgen. Im April 2024 meldeten 48,4 Prozent der Befragten fehlende Bestellungen – ein Anstieg gegenüber Januar (46,6 Prozent). Jeder zweite Selbstständige kämpft demnach mit unzureichender Nachfrage. In der Gesamtwirtschaft lag dieser Wert mit 39,0 Prozent deutlich niedriger.
Hinzu kommt die geopolitische Unsicherheit. Die Iran-Krise belastet die deutsche Wirtschaft massiv. „Die Unternehmen zögern, Aufträge zu vergeben, und die privaten Haushalte halten sich mit Konsum zurück“, erklären die ifo-Forscher. Katrin Demmelhuber, Expertin am ifo-Institut, betont: „Der wirtschaftliche Druck auf die Selbstständigen bleibt außergewöhnlich hoch.“ Viele Großunternehmen würden externe Dienstleistungen zurückfahren – ein direkter Schlag für Freelancer und kleine Beratungsfirmen.
Der Beschäftigungsbarometer des ifo-Instituts fiel im April auf 91,3 Punkte – ein Zeichen, dass Firmen eher Stellen abbauen als neue schaffen.
Branchen im freien Fall
Besonders hart trifft es den Dienstleistungssektor, das Rückgrat der Selbstständigen in Deutschland. Der Geschäftsklimaindex für diesen Bereich fiel von minus 13,5 Punkten im März auf minus 23,3 Punkte im April. Die Werbe- und Marktforschungsbranche sowie die Reisebranche verzeichnen die stärksten Einbrüche.
Auch der Einzelhandel leidet massiv. Der Index sank von minus 32,1 auf minus 34,8 Punkte. Hohe Betriebskosten bei gleichzeitig sinkenden Umsätzen setzen viele kleine Läden unter Druck.
Die Planungsunsicherheit erreicht neue Höhen: 38,8 Prozent der Selbstständigen können ihre geschäftliche Entwicklung kaum noch abschätzen – im März waren es noch 36,4 Prozent. In der Gesamtwirtschaft liegt dieser Wert bei lediglich 22,6 Prozent.
Finanzierungsengpässe und Investitionsdilemma
Ein paradoxes Bild zeigt sich bei den Investitionen: 21 Prozent der Selbstständigen planen für 2026 höhere Ausgaben – ein leichter Anstieg gegenüber 18,2 Prozent Ende 2025. Experten vermuten dahinter den verzweifelten Versuch, durch Modernisierung zu überleben. Doch mehr als 31 Prozent wollen ihre Investitionen kürzen, knapp die Hälfte plant keine Veränderung.
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Die Kreditmärkte werden enger: Der Anteil der Kleinstfirmen mit Finanzierungsengpässen stieg von 4,7 auf 6,7 Prozent im April. Besonders problematisch: 91 Prozent der Mikro-Unternehmen finanzieren sich primär aus Eigenkapital, 15 Prozent sind auf Unterstützung von Freunden und Familie angewiesen. Diese Abhängigkeit von persönlichen Rücklagen macht sie extrem anfällig für Liquiditätsschocks.
Matthias Henze, CEO von Jimdo, bezeichnet die aktuellen Zahlen als „Hilferuf“. Selbstständigkeit könne zwar eine Perspektive für Arbeitslose sein – aber nur, wenn der Rahmen stimme.
Ausblick: Wann kommt die Wende?
Für die zweite Jahreshälfte 2026 zeichnet sich keine schnelle Besserung ab. Zwar ist im Frühjahr traditionell mit saisonalen Verbesserungen zu rechnen, doch die ifo-Experten warnen vor voreiligem Optimismus. Die anhaltende Iran-Krise und die hohe Verunsicherung lassen eine nachhaltige Erholung unwahrscheinlich erscheinen.
Ohne eine Stabilisierung der geopolitischen Lage und eine Rückkehr des Konsumklimas droht der Rekordtiefstand vom April 2026 zum Dauerzustand zu werden. Für jeden fünften Selbstständigen geht es längst ums nackte Überleben.
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