Homeoffice-Studie: 15% der Arbeitnehmer entwickeln neue Schmerzen
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 22:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Am 5. August 2026 veröffentlichten die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) und das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) eine umfassende Untersuchung zu den gesundheitlichen Auswirkungen der mobilen Arbeit. Die gemeinsam mit der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) sowie der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) durchgeführte Studie befasst sich primär mit der Entwicklung von Muskel-Skelett-Beschwerden (MSB) im häuslichen Arbeitsumfeld. Die Ergebnisse verdeutlichen einen messbaren Zusammenhang zwischen der Tätigkeit im Homeoffice und einem erhöhten Risiko für körperliche Beeinträchtigungen.
Umfangreiche Datenerhebung zum Arbeitsalltag im Homeoffice
Die Untersuchung basiert auf einem Erhebungszeitraum, der sich von September 2023 bis April 2024 erstreckte. In dieser Phase wurden über 1.000 Beschäftigte detailliert zu ihrer Arbeitssituation und ihrem gesundheitlichen Befinden befragt. Ziel der Partnerorganisationen war es, eine belastbare Datenbasis für die Zeit nach dem Ende der pandemiebedingten Sonderregelungen zu schaffen. Dabei konzentrierten sich die Forscher insbesondere auf Schmerzphänomene im Bereich des unteren Rückens sowie des Nackens, da diese Körperregionen bei Büro- und Bildschirmtätigkeiten besonders beansprucht werden.
Den Ergebnissen zufolge hat die Arbeit von zu Hause aus das Risiko für das Auftreten neuer Schmerzen in diesen Bereichen sowie für Nackenschmerzen signifikant erhöht. Die Studie liefert damit aktuelle Belege für die physischen Herausforderungen, die mit der dauerhaften Flexibilisierung des Arbeitsplatzes einhergehen.
Signifikanter Anstieg von Beschwerden seit Pandemiebeginn
Ein zentraler Aspekt der Veröffentlichung ist der Vergleich der gesundheitlichen Situation vor und nach dem Beginn der Corona-Pandemie. Laut den Erhebungen berichteten 15 % der befragten Beschäftigten über völlig neue Schmerzen, die erst im Zuge der Umstellung auf mobile Arbeit auftraten. Bei weiteren 19 % der Teilnehmer wurde eine Verschlechterung bereits bestehender Beschwerden seit Pandemiebeginn dokumentiert.
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Besonders deutlich zeigt sich die Tendenz bei spezifischen Symptomen wie Schmerzen im Unterarm oder im Ellenbogen. Lag der Anteil der Betroffenen vor der Pandemie noch bei 6,9 %, so stieg dieser Wert im Untersuchungszeitraum auf 8,4 % an. Die Studienautoren sehen darin einen klaren Hinweis darauf, dass die physische Belastung im Homeoffice trotz fortschreitender Gewöhnung an das Format weiterhin ein kritisches Niveau erreicht.
Hohe ergonomische Standards bei begrenzter Regeneration
Interessanterweise korreliert die Zunahme der Beschwerden nicht zwangsläufig mit einer mangelhaften Ausstattung der Arbeitsplätze. Die Daten der DGUV und des Fraunhofer IPA zeigen, dass ein Großteil der Beschäftigten mittlerweile über eine professionelle Ausrüstung verfügt. So gaben 72 % der Befragten an, gut ausgestattet zu sein. 69 % nutzten eine optimale Sitzgelegenheit, während 76 % an einem externen Bildschirm arbeiteten. Zudem setzten 78 % der Teilnehmer externe Tastaturen und Mäuse ein, was auf ein hohes Bewusstsein für ergonomische Grundregeln hindeutet.
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Trotz dieser positiven infrastrukturellen Voraussetzungen zeigt die Studie, dass eine Besserung bestehender Beschwerden oft nur partiell eintritt. Im Bereich des unteren Rückens konnte zwar eine Reduzierung der Symptome um -20 % festgestellt werden, doch eine vollständige Beschwerdefreiheit wurde in vielen Fällen nicht erreicht. Die Ergebnisse legen nahe, dass die bloße Bereitstellung von Arbeitsmitteln allein nicht ausreicht, um die gesundheitlichen Risiken der mobilen Arbeit vollständig zu neutralisieren. Die Untersuchung unterstreicht damit die Notwendigkeit, Präventionsmaßnahmen im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung kontinuierlich an die Bedingungen des häuslichen Arbeitsplatzes anzupassen.
