Energiepreise, Steuern

Hohe Spritpreise: Ifo-Chef Fuest warnt vor Steuersenkung

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 12:45 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Ifo-Präsident Clemens Fuest stellt sich gegen Pläne der schwarz-roten Koalition, die hohen Spritpreise über Steuersenkungen zu dämpfen. Stattdessen fordert er gezielte Entlastungen für Haushalte mit geringem Einkommen und Fernpendler.

Ifo-Präsident gegen Steuersenkungen auf Benzin und Diesel
Tankstelle (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Ifo-Präsident Clemens Fuest schlägt sich gegen Pläne der schwarz-roten Koalition, die hohen Benzin- und Dieselpreise durch pauschale Steuersenkungen zu senken. Er warnt davor, die Mehrwert- oder Energiesteuer auf Kraftstoffe abzusenken und damit wichtige Preissignale zu verzerren.

Fuest lehnt Steuersenkungen auf Sprit ab

Fuest betont, die Regierung könne die gesamtwirtschaftlichen Kosten höherer Ölpreise nicht beseitigen, sondern lediglich umverteilen. Daher solle sie möglichst zielgenaue Instrumente wählen, statt die Mehrwertsteuer oder Energiesteuer auf Benzin und Diesel zu senken. Ein solches Eingreifen würde nach seiner Einschätzung das Preissignal unterlaufen, dass Kraftstoffe knapp sind, und alle Autofahrer entlasten – auch viele, bei denen dies aus seiner Sicht nicht sinnvoll wäre.

Zielgenaue Entlastung für einkommensschwache Haushalte und Pendler

Direkte Transfers über den neuen staatlichen Auszahlungsmechanismus hält Fuest für sinnvoll, wenn die Politik Haushalte mit niedrigen Einkommen gezielt stützen will. Fernpendler könnten nach seiner Vorstellung durch eine höhere Pendlerpauschale entlastet werden, etwa ab einer Entfernung von 20 Kilometern zwischen Wohnort und Arbeitsplatz. Als weitere Option nennt er eine Senkung der Kfz-Steuer, die zwar weniger zielgenau wäre, aber das Preissignal hoher Benzinpreise nicht stören würde.

Kritik an Preisdeckel und Übergewinnsteuer

Den von der SPD geforderten Preisdeckel für Benzin und Diesel bewertet Fuest kritisch. Ein solcher Deckel funktioniere nur, wenn einzelne Unternehmen über ausreichende Marktmacht verfügten, um die Preise nach oben zu treiben. Zudem sieht er die Gefahr von Versorgungsproblemen, falls der staatlich festgelegte Höchstpreis zu niedrig angesetzt wird und Anbieter die Produkte eher ins Ausland verkaufen. Auch eine Übergewinnsteuer hält er im Fall der großen Mineralölkonzerne für problematisch, da viele dieser Unternehmen im Ausland ansässig sind und ihre Gewinne sich mit einer nationalen Übergewinnsteuer kaum erfassen lassen.

Die Aussagen von Ifo-Präsident Clemens Fuest fallen in eine Phase anhaltend hoher Energiepreise, die Haushalte und Unternehmen zusätzlich zu allgemeinen Inflations- und Zinsbelastungen trifft. Viele Regierungen stehen vor der Frage, ob sie mit breiten Steuersenkungen auf Kraftstoffe reagieren oder gezielt besonders belastete Gruppen stützen.

Ökonomisch folgt Fuest einer Linie, die in der Fachdebatte weit verbreitet ist: Der Anstieg der Öl- und Kraftstoffpreise gilt als reales Knappheitssignal, das nicht durch breit angelegte Subventionen verzerrt werden soll. Stattdessen empfehlen viele Experten zielgerichtete Entlastungen für einkommensschwache Haushalte und Berufspendler, um soziale Härten zu begrenzen, ohne Anreize zum Energiesparen auszuhebeln.

Hintergrund der politischen Debatte

Die schwarz-rote Koalition diskutiert vor diesem Hintergrund eine pauschale Absenkung der Mehrwert- oder Energiesteuer auf Benzin und Diesel. Parallel werden in Teilen der SPD weitergehende Instrumente wie Preisdeckel und Übergewinnsteuern thematisiert, um vermeintliche Krisengewinne großer Mineralölkonzerne abzuschöpfen oder Verbraucher direkt zu schützen. Die Einwände Fuests zielen darauf, dass solche Eingriffe in die Preisbildung erhebliche Nebenwirkungen haben können – etwa Versorgungsengpässe, wenn regulierte Höchstpreise unter Marktpreisniveau liegen, oder Ausweichreaktionen der Anbieter in andere Märkte.

Bedeutung für Verbraucher und Politik

Für Autofahrer mit geringen Einkommen und für Fernpendler wäre eine Fokussierung der Hilfen auf direkte Transfers und eine gezielt erhöhte Pendlerpauschale bedeutsam, weil diese Instrumente ihre Belastung senken, ohne den Kraftstoffpreis als Knappheitssignal aufzuheben. Für die Politik verschärfen Fuests Hinweise den Zielkonflikt zwischen kurzfristiger Entlastung und langfristiger Energie- und Klimapolitik. Die aktuelle Diskussion dürfte daher auch darüber entscheiden, ob Entlastungsmaßnahmen vor allem als sozialpolitische Unterstützung ausgestaltet werden oder als generelle Spritpreissenkung, die alle Autofahrer erreicht.

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