Deutschland, Verbraucher

Sparer verlieren mit Mehrheit der Riester-Renten real Geld

11.03.2026 - 14:39:33 | dpa.de

Hohe Kosten, geringe Renditen: Riester-Renten stehen schon lange in der Kritik. Eine neue Analyse des Vereins Finanzwende offenbart nun, wie schlecht Sparer mit den meisten Modellen abschneiden.

Riester-Renten stehen wegen hoher Kosten schon lange in der Kritik, nun zeigen neue Zahlen die Schwachstellen - Bild: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
Riester-Renten stehen wegen hoher Kosten schon lange in der Kritik, nun zeigen neue Zahlen die Schwachstellen - Bild: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Sie sind weit verbreitet, doch mit der Mehrheit der Riester- und Rürup-Renten schaffen Sparer nicht einmal einen Inflationsausgleich. Das zeigt eine Studie des Vereins Finanzwende. «Viel zu viele Menschen werden mit ihren Riester- und Rürup-Verträgen reale Verluste einfahren», sagt Britta Langenberg, Leiterin des Bereichs Verbraucherschutz. Daran werde auch die Riester-Reform der Bundesregierung wenig ändern – zumindest nicht in der aktuellen Fassung. 

Zwei Drittel schaffen nicht mal zwei Prozent Rendite

Für die Studie hat Finanzwende die Rendite-Erwartungen von 37-jährigen Musterkunden bei 18 Riester- und 78 Rürup-Rentenversicherungen untersucht. Ergebnis: Zwei Drittel der Rententarife erreichten über die ganze Vertragslaufzeit nicht einmal das Mindestziel, eine Rendite von zwei Prozent, um die sich die Inflation in Deutschland bewegt. Sparer machen damit Verlust. 

Die Angebote lohnten nur, wenn man ein sehr hohes Alter erreiche, sagt Studienautor Moritz Czygan. Konkret müssten Riester-Kunden bei den Angeboten 99 Jahre alt werden, damit sie wenigstens das gesamte Geld inflationsbereinigt zurückerhalten. Bei den Rürup-Angeboten seien es 96 Jahre. «Ein wichtiger Grund dafür sind die hohen Abschluss- und Verwaltungskosten der Anbieter, ein weiterer die hohen Sicherheitsmargen in der Rentenzeit.»

Kritik an hohem Kostendeckel bei Reform

Die staatlich geförderte Riester-Rente sollte Bürgern Sicherheit bringen, deren gesetzliche Rente nicht reicht. Zudem sind Anbieter verpflichtet, eingezahlte Beiträge zu 100 Prozent zu garantieren - das beschränkt die Renditechancen. Wegen hoher Kosten stehen Riester-Renten schon lange in der Kritik, die Zahl der Verträge sinkt seit Jahren. Ende 2024 gab es laut Bundesarbeitsministerium noch knapp 15 Millionen.

Die Bundesregierung plant eine Reform. Sie sieht vor allem ein Altersvorsorgedepot vor, das hohe Renditen am Kapitalmarkt ermöglicht, aber keine Garantien gibt. Geplant ist ein Standardprodukt mit einem Kostendeckel von 1,5 Prozent. Das sei viel zu hoch angesetzt, kritisiert Finanzwende. Nötig sei ein Kostendeckel von maximal 0,5 Prozent Effektivkosten.

Kritik kam auch vom Sozialverband Deutschland. In Schweden sei der Staatsfonds mit Verwaltungskosten von nur rund 0,1 Prozent deutlich günstiger, sagte die Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier. Nicht jeder aber habe Geld zum Sparen übrig. «Darum brauchen wir eine starke gesetzliche Rente.»

de | wirtschaft | 68659578 |

Weitere Meldungen

Neues Verfahren um Mogelvorwurf gegen Milka-Packung Weniger Schokolade, fast gleiche Verpackung: Warum der Streit um die Milka-Tafel in die nächste Runde geht. (Wirtschaft, 17.06.2026 - 14:29) weiterlesen...

Kassen für Bedenkzeit bei Selbstzahlerleistungen. Die Krankenkassen fordern für Patientinnen und Patienten weniger Druck beim Überlegen, ob sie das überhaupt wollen. Für manche Untersuchungen müssen gesetzlich Versicherte in Praxen extra bezahlen. (Politik, 17.06.2026 - 12:32) weiterlesen...

Menschen in Deutschland zahlen überwiegend ohne Bargeld. Warum viele trotzdem auf Schein und Münze nicht verzichten wollen und wo der digitale Trend an Grenzen stößt. Bargeld bleibt beliebt, doch das Zahlen mit Karte und Handy legt weiter zu. (Wirtschaft, 17.06.2026 - 12:00) weiterlesen...

Nach Bürgerinitiative: Brüssel will mit Games-Branche reden. Es geht darum, wann bei Spielen Schluss sein darf. Fast 1,3 Millionen Unterschriften: Ein Begehren von Videospiel-Fans landet auf dem Tisch der EU-Kommission, die nun aktiv werden will. (Wissenschaft, 16.06.2026 - 16:41) weiterlesen...

Monopolkommission sieht Millionenlücke beim Tankrabatt. Unterdessen bewegen sich die Spritpreise Richtung Vorkriegsniveau. Das Beratergremium schätzt, dass 100 bis 200 Millionen Euro nicht weitergegeben worden, das Ifo sieht besonders beim Diesel Defizite. (Wirtschaft, 16.06.2026 - 14:13) weiterlesen...

Bilanz zum Tankrabatt: Nicht alles kam beim Verbraucher an. Unterdessen bewegen sich die Spritpreise Richtung Vorkriegsniveau. Die Monopolkommission sieht eine Lücke von 100 bis 200 Millionen Euro, das Ifo besonders beim Diesel Defizite. (Wirtschaft, 16.06.2026 - 11:50) weiterlesen...