Hitzeschutz an Schulen: Ab 30 Grad müssen Arbeitgeber handeln
22.06.2026 - 13:22:22 | boerse-global.de
Das Kultusministerium überlässt die Entscheidung den einzelnen Schulen. Eine Empfehlung dient als Orientierung: Liegt die Außentemperatur um 11 Uhr im Schatten bei mindestens 25 Grad, kann der Unterricht vorzeitig enden – frühestens nach der vierten Stunde.
Nicht alle Schüler profitieren
Die Erleichterung gilt nicht für alle. Die gymnasiale Oberstufe und berufliche Schulen sind grundsätzlich von der Regelung ausgenommen. Für Grundschüler und Kinder in Betreuungsangeboten besteht eine fortlaufende Betreuungspflicht. Besonders bei Fahrschülern müssen die Schulen sicherstellen, dass die Aufsicht bis zur Busabfahrt gewährleistet ist.
Anzeige: Die Temperaturen steigen, doch klare Regeln fehlen. Mit unserer Checkliste wissen Sie genau, welche Maßnahmen ab 30 Grad Pflicht sind – und wie Sie einen Musterantrag für hitzefrei stellen. Jetzt Hitzeschutz-Leitfaden anfordern
Arbeitsschutz trifft auf marode Gebäude
Für Lehrkräfte greift die Arbeitsstättenverordnung: Die Raumtemperatur sollte 26 Grad nicht überschreiten. Ab 30 Grad müssen Arbeitgeber Maßnahmen ergreifen – Ventilatoren, Sonnenschutz oder lockere Gleitzeitregelungen. Bei über 35 Grad gilt der Raum als ungeeignet für die Arbeit.
Die Praxis sieht oft anders aus. In Chemnitz wiesen Elternvertreter am 20. Juni auf massive Probleme in Plattenbauschulen hin: Defekte Jalousien und ein erheblicher Sanierungsstau erschweren den Hitzeschutz. Als Alternative wurde dort eine Verkürzung der Unterrichtsstunden auf 30 Minuten diskutiert. Auch in Nordrhein-Westfalen fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft einheitlichere Regeln. Dort gibt es hitzefrei erst ab einer Raumtemperatur von über 27 Grad – stark abhängig vom baulichen Zustand der Gebäude.
Anzeige: Marode Schulgebäude, defekte Jalousien – der Hitzeschutz hinkt hinterher. Unser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie als Elternvertreter oder Schulleitung rechtssicher handeln und konkrete Verbesserungen durchsetzen. Hitzeschutz-Leitfaden jetzt sichern
Auch Sport und Feste leiden
Der Schulsport in Baden-Württemberg soll bei großer Hitze intensive Ausdauerbelastungen auf maximal 30 Minuten begrenzen. Die Risiken zeigten sich am 20. Juni in Rastatt: Ein Blitzeinschlag bei einem Sportfest verletzte mehrere Menschen. Auch das Southside-Festival in Neuhausen ob Eck musste zeitweise unterbrochen werden.
Hinzu kommen tropische Nächte mit Tiefstwerten über 20 Grad. In Karlsruhe lagen die Tiefstwerte am Wochenende zwischen 16 und 21 Grad, die Höchstwerte erreichten 37 Grad. Der Deutsche Wetterdienst erinnerte an den Juni-Rekord von 2019: Damals wurden in Mannheim 38,9 Grad gemessen – ein Wert, den die aktuelle Hitzewelle heute erreichen oder sogar überschreiten könnte.
