Hitze am Arbeitsplatz: DGB fordert Ausfallgeld für Millionen
Veröffentlicht: 18.07.2026 um 03:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Belastung durch hohe Temperaturen am Arbeitsplatz nehme dramatisch zu, warnte sie am Freitag.
Jeder Dritte leidet unter Hitze am Arbeitsplatz
Eine aktuelle DGB-Umfrage unter rund 4.000 Beschäftigten belegt das Ausmaß des Problems. Demnach fühlt sich jeder dritte Arbeitnehmer durch Hitze belastet. Besonders prekär ist die Lage bei Menschen, die unter Zeitdruck arbeiten: Hier liegt der Anteil bei 48 Prozent. Ohne Zeitdruck sinkt er auf 23 Prozent.
Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm. Jeder Hitzetag koste die deutsche Wirtschaft rund 431 Millionen Euro, so Fahimi. Sie fordert eine ganzheitliche Strategie: Neben finanziellen Ausgleichszahlungen seien praktische Maßnahmen nötig – Verschattungen, kostenlose Getränke und eine Lockerung der Kleiderordnung.
Produktivität sinkt ab 27 Grad
Wissenschaftliche Studien untermauern den Handlungsbedarf. Bereits ab 27 bis 28 Grad sinkt die Arbeitseffizienz deutlich. Eine Analyse der Allianz zeigt: Jedes Grad über der 30-Grad-Marke mindert die Produktivität um weitere drei Prozent. Besonders betroffen sind die Fertigungsindustrie, der Bergbau und die Pharmazie, so eine Studie der Europäischen Zentralbank.
Die klimatische Entwicklung verschärft die Lage. In Berlin wurden 2026 bereits neun Hitzetage registriert – in den 1950er Jahren waren es durchschnittlich weniger als fünf pro Jahr. Die gesundheitlichen Folgen sind gravierend: Während einer Hitzewelle im Juni starben allein in Nordrhein-Westfalen rund 1.200 Menschen hitzebedingt.
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NRW beschließt besseren Hitzeschutz
Die Politik reagiert. Der Landtag von Nordrhein-Westfalen beschloss am Donnerstag eine Intensivierung der Klimaanpassungsmaßnahmen. Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sollen einen verbesserten Hitzeschutz erhalten. Zudem wurden Forderungen laut, Klimaanlagen für Schulen und Kitas bereitzustellen sowie Hitzefrei-Regelungen und das Arbeitsgesetz zu überprüfen.
Kommunen handeln bereits praktisch. Im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald darf die Müllabfuhr bei Hitzewarnungen schon ab fünf Uhr morgens starten – die Regelung gilt bis zum 15. September. Der Deutsche Städtetag fordert zudem einen bewussteren Umgang mit Wasserressourcen und einheitliche Entgelte für Großverbraucher.
Handwerk macht es vor
Einige Branchen haben bereits tarifliche Lösungen gefunden. Im Gerüstbauer-Handwerk gilt seit Mai ein Sommerausfallgeld: Bei witterungsbedingtem Arbeitsausfall von Mai bis August gibt es bis zu 75 Prozent des Stundenlohns für maximal 50 Stunden pro Jahr. Das Dachdeckerhandwerk hat eine ähnliche Regelung seit 2020.
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Die Gewerkschaft IG BAU will noch weiter gehen. Sie strebt ein ganzjähriges Klimakurzarbeitergeld an – nicht nur fürs Baugewerbe, sondern auch für die Landwirtschaft. Experten raten Unternehmen zudem zu flexiblen Arbeitszeitmodellen und technischen Hilfsmitteln wie Ventilatoren. Denn klar ist: Die Sommer werden heißer, der Druck auf Arbeitgeber wächst.
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