Hitze, Arbeitsplatz

Hitze am Arbeitsplatz: Ab 30 Grad sind Schutzmaßnahmen Pflicht

19.06.2026 - 07:10:27 | boerse-global.de

Extreme Hitze kostet die deutsche Wirtschaft bis 2030 voraussichtlich 112 Milliarden Euro. Arbeitgeber müssen ab 30 Grad Schutzmaßnahmen ergreifen.

Hitzewelle in Deutschland: Wirtschaftliche Folgen und Arbeitgeberpflichten
Hitze - Ein Thermometer zeigt hohe Temperaturen an, im Hintergrund verschwommene Büros oder Industrieanlagen mit Arbeitern. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die extreme Hitze bringt nicht nur schweißtreibende Tage, sondern auch massive wirtschaftliche Probleme mit sich.

Produktivität sinkt, Krankenstand steigt

Die Kosten für die deutsche Wirtschaft könnten bis 2030 auf 112 Milliarden Euro klettern. Das hat Allianz Trade berechnet. Pro Grad über 30 Grad Celsius sinkt die Arbeitsproduktivität um drei Prozent. Gleichzeitig steigen die Energiekosten in Unternehmen um durchschnittlich 1,2 Prozent.

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Auch die Gesundheit leidet. An heißen Tagen mit über 30 Grad nehmen Krankschreibungen um 3,5 Prozent zu. Bei langanhaltenden Hitzewellen sind es sogar sechs Prozent. Allein 2023 wurden 92.722 Arbeitsunfähigkeitstage registriert, die direkt auf Hitze oder Sonnenlicht zurückgingen.

Die Volkswirtin Katharina Utermöhl von Allianz sieht Deutschland in einer gefährlichen Mittelzone. Ihre Überlegung: Eine Siesta als Teil des Risikomanagements könnte helfen.

Was Arbeitgeber beachten müssen

Ein spezifisches Hitzegesetz gibt es in Deutschland nicht. Aber die Arbeitsstättenverordnung und die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR A3.5) legen klare Grenzwerte fest:

  • Ab 26 Grad: Arbeitgeber sollen prüfen, welche Maßnahmen den Wärmeschutz verbessern.
  • Ab 30 Grad: Schutzmaßnahmen sind gesetzlich vorgeschrieben.
  • Ab 35 Grad: Räume gelten ohne Schutzvorkehrungen als ungeeignet für die Arbeit.

Empfohlen werden Lüften in den kühlen Morgenstunden, Ventilatoren oder mobile Klimageräte sowie lockere Kleidungsvorschriften. Auch kostenlose Getränke sollen gestellt werden.

Besonders streng sind die Regeln für Apotheken: Die Apothekenbetriebsordnung schreibt vor, dass Arzneimittel unter 25 Grad gelagert werden müssen. Oft sind Kühlsysteme in Verkaufs- und Lagerräumen daher zwingend nötig.

Hessens Arbeitsministerin Heike Hofmann appellierte Mitte Juni an Unternehmen, ihre Fürsorgepflicht ernst zu nehmen. Flexible Lösungen wie Gleitzeitmodelle könnten helfen, die heißesten Stunden zu meiden. Einen gesetzlichen Anspruch auf „hitzefrei“ gibt es für Arbeitnehmer aber nicht.

Streit um Siesta und Arbeitszeitmodelle

Die Idee einer flächendeckenden Siesta nach südeuropäischem Vorbild spaltet die Gemüter. Ökonomen sehen darin eine Chance, die Leistungsfähigkeit zu sichern. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) lehnt pauschale Modelle aber ab.

DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel betont: Lösungen müssten branchenspezifisch sein. Was in einem klimatisierten Büro sinnvoll sei, lasse sich nicht auf Baustellen übertragen. Zudem kritisiert der DGB Überlegungen von Union und SPD, die tägliche Höchstarbeitszeit zugunsten einer wöchentlichen Betrachtung zu flexibilisieren.

Die Linksfraktion im Bundestag geht noch weiter. Sie fordert ein Klima-Kurzarbeitergeld für Beschäftigte im Freien – ähnlich dem Saison-Kurzarbeitergeld im Winter. Für Innenräume verlangt die Partei eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich:

  • Ab 26 Grad: Arbeitszeit um ein Viertel reduzieren.
  • Ab 30 Grad: Nur noch halbtags arbeiten.

Milliarden für Kliniken und soziale Einrichtungen

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Besonders kritisch ist die Lage in sozialen Einrichtungen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnt vor erheblichen Investitionsbedarf, um Patienten und Personal vor extremer Hitze zu schützen.

Verbandschef Gerald Gaß fordert ein spezielles Klima-Investitionsprogramm über 31 Milliarden Euro. Damit soll die Gebäudeinfrastruktur angepasst werden.

Parallel dazu mahnt der Sozialverband SoVD die flächendeckende Erstellung kommunaler Hitzeaktionspläne an. Das Deutsche Rote Kreuz warnt vor den gesundheitlichen Gefahren für vulnerable Gruppen – besonders Obdachlose leiden bei extremen Temperaturen.

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