Hitze am Arbeitsplatz: Ab 30 Grad müssen Arbeitgeber handeln
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 14:42 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Laut aktuellen Berechnungen von Allianz Trade könnten die finanziellen Verluste durch Hitze bis 2030 auf 112 Milliarden Euro anwachsen. Pro Grad über 30 Grad Celsius sinkt die Produktivität um rund drei Prozent, während die Energiekosten um 1,2 Prozent steigen.
Die Krankenstände reagieren ebenfalls empfindlich: An Tagen mit über 30 Grad steigen die Krankschreibungen um 3,5 Prozent, bei längeren Hitzewellen sogar um bis zu sechs Prozent.
Arbeitgeber in der Pflicht
Die Arbeitsstättenverordnung setzt klare Grenzen. Bereits ab 26 Grad Raumtemperatur müssen Arbeitgeber Schutzmaßnahmen prüfen. Bei 30 Grad werden konkrete Maßnahmen zwingend. Ab 35 Grad gilt der Raum ohne zusätzliche Vorkehrungen wie Luftduschen oder Hitzeschutzkleidung als ungeeignet.
Arbeitsrechtsexperten verweisen auf die allgemeine Fürsorgepflicht. Ein generelles Trinkverbot ist unzulässig, Betriebe dürfen die Flüssigkeitsaufnahme aber organisatorisch steuern – etwa durch festgelegte Trinkzonen. Bei extremer Hitze müssen Arbeitgeber zusätzliche Trinkpausen ermöglichen.
Ventilator-Streit an Schule eskaliert
Wie schwierig die Umsetzung sein kann, zeigt ein Fall aus Baden-Württemberg. Im Juni 2026 untersagte eine Schulleitung einer Lehrerin das Aufstellen privater Ventilatoren – bei Außentemperaturen über 40 Grad und Innentemperaturen bis 39 Grad. Die Begründung: Die Geräte hätten keine erforderliche Elektroprüfung durchlaufen.
Neben der Temperaturregelung gehören auch Gefährdungsbeurteilungen zu den zentralen Arbeitgeberpflichten, um rechtliche Risiken und Bußgelder zu vermeiden. Dieser kostenlose Report zeigt Ihnen, wie Sie rechtssichere Beurteilungen erstellen, die von Aufsichtsbehörden anerkannt werden. Gefährdungsbeurteilung: So erstellen Sie GBUs, die Aufsichtsbehörden sofort anerkennen
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte das Vorgehen scharf. Sie fordert die Schulträger auf, selbst für wirksame Maßnahmen zu sorgen. Der Ruf nach einheitlichen Regelungen für Hitzefrei wird lauter.
Tausende Hitzetote – Gesundheitssystem am Limit
Die gesundheitlichen Folgen sind bereits messbar. Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann meldete am 10. Juli über 1.000 Hitzetote allein in seinem Bundesland. Bundesweit schätzt das Robert Koch-Institut die Zahl der Hitzetoten für Juni auf 5.120 Personen. Rund 80 Prozent der Todesfälle ereignen sich in Privatwohnungen.
Rettungsdienste und Notaufnahmen stehen unter massiver Belastung. NRW reagiert mit Förderungen für Klimaanpassungen in Krankenhäusern, kommunale Hitzeaktionspläne werden ausgebaut.
Ob Hitzeschutz oder allgemeine Sicherheit – viele Unternehmen machen unbewusst Fehler bei der notwendigen Dokumentation ihrer Arbeitsbedingungen. Erfahren Sie in diesem gratis Download, welche 7 häufigen Irrtümer bei der Gefährdungsbeurteilung Sie teuer zu stehen kommen können. Diese 7 Irrtümer zur Gefährdungsbeurteilung jetzt vermeiden
Siesta oder Hightech? Strategien im Vergleich
Die politische Diskussion sucht nach Lösungen. In Zürich gibt es Vorstöße, lärmintensive Bauarbeiten bei Hitze bereits ab 6 Uhr morgens zu erlauben. Der Deutsche Gewerkschaftsbund lehnt eine pauschale Siesta-Regelung ab und setzt auf branchenspezifische Lösungen.
Technologische Innovationen gewinnen an Bedeutung. Die Deutsche Bahn testet erfolgreich Kühlwesten und Bandanas aus Hightech-Textilien, die ohne externe Energiezufuhr kühlen. Auch textile Fassadensysteme zur Verschattung werden diskutiert.
International zeichnen sich strengere Regeln ab. In Polen ist für 2027 eine Regelung geplant, die Arbeitsunterbrechungen bei Innentemperaturen über 35 Grad vorsieht. Bereits jetzt erlaubt das polnische Arbeitsrecht eine Arbeitsverweigerung bei unmittelbarer Gesundheitsgefahr durch Hitze – wenn Belüftung oder Wasserversorgung fehlen.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
