Hessen, Lehrerstellen

Hessen streicht 300 Lehrerstellen: 23 Millionen Euro für Brennpunktschulen

17.06.2026 - 11:39:52 | boerse-global.de

Hessens Kultusministerium streicht 300 Lehrerstellen an sozialen Brennpunktschulen. Kritiker warnen vor massiven Folgen für die individuelle Förderung.

Hessen-Kürzungen: 300 Lehrerstellen an Brennpunktschulen gestrichen
Hessen - Eine Gruppe von Schülern und Lehrern demonstriert vor einer Schule, um gegen Bildungskürzungen zu protestieren. 17.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das hessische Kultusministerium will rund 300 der 650 Lehrerstellen streichen, die über den Sozialindex an Brennpunktschulen finanziert werden. Das spart 23 Millionen Euro – und gefährdet nach Ansicht von Kritikern die individuelle Förderung Tausender Schüler.

Betroffen sind vor allem Schulen in sozial schwierigen Vierteln. Die Schillerschule in Offenbach etwa verliert ein Drittel ihrer Sozialindex-Stunden. Zusammen mit neuen Regelungen für Integrierte Gesamtschulen fallen dort 80 Wochenstunden weg. Schulleiter Buhl kritisiert die Kürzungen scharf: Die Verluste lägen weit über dem, was das neue Startchancen-Programm des Bundes bringe.

„Zukunft statt Kahlschlag“

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Heute Mittwoch haben die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und ein breites Bündnis zu landesweiten Protesten aufgerufen. Unter dem Motto „Mehr Geld für Bildung“ und „Zukunft statt Kahlschlag“ demonstrieren Menschen in Frankfurt, Gießen, Kassel, Marburg, Fulda und Offenbach. In Frankfurt ziehen über 1.000 Teilnehmer von der Konstablerwache zum Paulsplatz.

Die GEW warnt vor einer massiven Gefährdung der Chancengerechtigkeit. Besonders der ab dem kommenden Schuljahr geltende Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Erstklässler drohe zur „Mangelverwaltung“ zu werden. Ein Bündnis aus DGB, Paritätischem Wohlfahrtsverband, Mieterbund und BUND rief zu mehrtägigen Aktionstagen bis zum 20. Juni auf. Die Forderungen: mehr Investitionen in Bildung, eine sozial gerechte Energiewende und eine Reform der Erbschaft- und Vermögensteuer.

Ministerium: „Rekordetat von 6,2 Milliarden Euro“

Das Kultusministerium verteidigt die Einsparungen. Ein Sprecher verweist auf die gesamtwirtschaftliche Lage und den Rekord-Bildungsetat von 6,2 Milliarden Euro – ein Plus von rund 400 Millionen Euro. Zudem seien landesweit 67.000 Lehrkräfte im Dienst, so viele wie nie zuvor.

Doch die Kritik reißt nicht ab. Die Elternbeiratsvorsitzende Kermann bemängelt die Intransparenz der Kürzungen. Auch Bildungsforscher Kai Maaz vom DIPF Leibniz-Institut hält die Einschnitte für falsch. Gerade die gezielte Mittelzuweisung über den Sozialindex sei ein effektives Instrument zur Förderung benachteiligter Kinder.

Sprach-Kitas laufen aus – 500 Kräfte vor dem Aus

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Die Debatte um die Lehrerstellen ist nicht der einzige Konflikt. Das Landesprogramm „Sprach-Kitas“ soll Ende 2026 auslaufen. Rund 500 Einrichtungen verlieren dann ihre zusätzlichen Fachkräfte für sprachliche Bildung. Als Ersatz plant das Ministerium ein Kompetenzzentrum.

Oppositionspolitiker wie Julia Herz (Grüne) und Jakob Migenda (Die Linke) sprechen von einem bildungspolitischen Rückschlag. Rund 500 Sprachförderkräfte stünden vor einer ungewissen Zukunft. Allein im Landkreis Marburg-Biedenkopf sind laut veröffentlichten Listen 20 Kitas betroffen.

Doch nicht nur Schulen und Kitas leiden. Die Politikwissenschaftlerin de Nève von der Universität Gießen warnt vor Mittelkürzungen in Fachbereichen wie Slawistik, Islamwissenschaften und Lehrkräftebildung. Sie mahnt einen besseren Schutz vor politischer Einflussnahme und antidemokratischen Tendenzen an.

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