Hessen, Vergaberecht

Hessen ändert Vergaberecht: Direktaufträge bis 750.000 Euro

Veröffentlicht am: 13.06.2026 um 00:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle BGH-Urteile und Gesetzesnovellen prägen die Rechte und Pflichten bei Bauprojekten. Ein Überblick über wichtige Fristen und Fallstricke.
Eine detaillierte Bauzeichnung mit überlagerten digitalen Finanzdaten und rechtlichen Klauseln, die Präzision und Komplexität symbolisieren. Illustration mit AI erstellt.

Ob Kostenobergrenzen, Werbeversprechen oder Nachtragsvereinbarungen: Wer baut, sollte die aktuellen Regeln kennen.

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Baukostenobergrenzen: Wer was beweisen muss

Der Bundesgerichtshof hat 2016 klargestellt: Überschreitet ein Architekt eine vertraglich fixierte Baukostenobergrenze, kann er sein Honorar nur auf Basis dieser Grenze verlangen (Az. VII ZR 185/13). Im konkreten Fall ging es um 600.000 Euro.

Die Beweislast ist klar verteilt: Der Auftraggeber muss nachweisen, dass eine Obergrenze vereinbart wurde. Behauptet der Architekt dagegen eine nachträgliche Erhöhung, liegt die Beweispflicht bei ihm. Interessant: Vor Gericht sind auch Zeugenaussagen vom Hörensagen zulässig – die Richter würdigen sie im Rahmen der freien Beweiswürdigung nach § 286 ZPO.

Wenn Werbung mehr verspricht als die Norm

Nicht nur der Vertragstext zählt. Das Oberlandesgericht Brandenburg entschied bereits 2013: Werbeprospekte mit Formulierungen wie „hochwertig“ oder „anspruchsvoll“ setzen einen Qualitätsmaßstab, der über technische DIN-Normen hinausgeht (Az. 12 U 115/12). Ein Bauwerk, das nur die Mindeststandards erfüllt, kann mangelhaft sein – wenn die Werbung mehr versprochen hat.

Nachträge: Das unterschätzte Widerrufsrecht

Wer während eines Bauprojekts einen Nachtrag unterschreibt, sollte vorsichtig sein. Das OLG Karlsruhe stellte im April 2023 fest: Nachträge sind rechtlich eigenständige Werkverträge (Az. 8 U 17/23). Wurden sie außerhalb der Geschäftsräume des Unternehmers geschlossen, steht dem Auftraggeber unter Umständen ein Widerrufsrecht zu. Unternehmer können sich schützen – durch ordnungsgemäße Belehrung und ein explizites Leistungsverlangen.

Und bei Mengenüberschreitungen? Der BGH präzisierte im August 2019: Übersteigt die ausgeführte Menge die vertraglich vereinbarte um mehr als zehn Prozent, darf ein neuer Einheitspreis verlangt werden (Az. VII ZR 34/18). Der bemisst sich an den tatsächlichen Kosten plus angemessenen Zuschlägen. Eine direkte Kausalität zwischen Mengen- und Kostenänderung ist nicht nötig.

Verjährung und Streitwerte: Wichtige Fristen

Für Vergütungsansprüche in Bauträgerverträgen gilt eine verlängerte Verjährungsfrist. Der BGH bestätigte im Dezember 2023: Der einheitliche Vergütungsanspruch verjährt erst nach zehn Jahren (Az. VII ZR 231/22). Grund: Die Eigentumsübertragung am Grundstück ist wesentlicher Vertragsbestandteil. Die übliche Dreijahresfrist greift hier nicht.

Bei Streitigkeiten über Mängelbeseitigung zählen die objektiven Marktpreise. Das OLG Karlsruhe berücksichtigte im Dezember 2024 sogar Preissteigerungen – konkret eine Erhöhung von 20 Prozent über zwei Jahre, basierend auf dem Baupreisindex (Az. 19 W 80/24). Preissteigerungen nach Klageerhebung bleiben allerdings außen vor.

Juni 2026: Neue Gesetze in Hessen und auf Bundesebene

Hessen hat sein Vergabe- und Tariftreuegesetz novelliert. Die Freigrenzen für Direktaufträge steigen deutlich: Bauleistungen bis 750.000 Euro sowie Liefer- und Dienstleistungen bis 100.000 Euro können künftig ohne formale Verfahren vergeben werden. Ziel ist die Beschleunigung von Infrastrukturinvestitionen. Zudem sind Subunternehmerketten auf maximal drei Glieder begrenzt.

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Die Bundesregierung plant ein Upgrade des Baugesetzbuchs. Wohnbebauung in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt soll als „überragendes öffentliches Interesse“ eingestuft werden. In bestimmten Fällen könnte die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung entfallen – um Planungsverfahren zu verkürzen.

Und noch ein Detail: Der BGH entschied, dass Gläubiger Schufa-Auskunftskosten (1,35 bis 1,61 Euro) nicht vom Schuldner zurückfordern können (Az. VII ZR 93/25 und 96/25). Die Kosten gelten für die Einleitung eines Gerichtsverfahrens als nicht notwendig.

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