HCM-Plattformen, Konzerne

HCM-Plattformen: 77% der Konzerne nutzen trotzdem manuelle Prozesse

Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

77 Prozent der Firmen nutzen trotz HCM-Software weiterhin manuelle Prozesse. Nur 23 Prozent melden spürbare Entlastung in der Lohnabrechnung.

Strada-Report: HCM-Plattformen scheitern an manuellen HR-Prozessen
Eine Person im Büro arbeitet an einem Laptop, während sie gleichzeitig einen Stapel Papierdokumente hält. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Digitalisierung des Personalwesens gilt in vielen Konzernen als abgeschlossen, sobald eine moderne Plattform für das Human Capital Management (HCM) implementiert ist. Eine Analyse der aktuellen Marktlage verdeutlicht jedoch, dass die technologische Ausstattung allein nicht zwangsläufig zu den erhofften Effizienzgewinnen führt.

Der im Mai 2026 von dem Dienstleister Strada veröffentlichte „Workforce Possibility Report 2026“ zeigt auf, dass ein Großteil der Unternehmen trotz hoher Investitionen weiterhin auf händische Prozesse angewiesen ist.

Manuelle Prozesse prägen trotz HCM-Plattformen den Alltag

Ein zentraler Befund der Untersuchung ist die hohe Diskrepanz zwischen installierter Software und gelebter Praxis. Obwohl moderne HCM-Systeme darauf ausgelegt sind, Arbeitsabläufe zu automatisieren und Medienbrüche zu vermeiden, nutzen laut dem Bericht 77 Prozent der großen Arbeitgeber mit einer solchen Plattform weiterhin manuelle Überprüfungen oder parallele Systeme. Dies deutet darauf hin, dass die bestehenden Softwarelösungen entweder nicht vollständig in die Unternehmensprozesse integriert wurden oder die Komplexität der Aufgaben durch die Standardfunktionen der Plattformen nicht abgedeckt werden kann.

Diese Abhängigkeit von manuellen Eingriffen spiegelt sich auch in der Erfolgsbilanz der Unternehmen wider. Lediglich 23 Prozent der befragten Organisationen gaben an, ihre manuellen Aufgaben im Bereich der Lohn- und Gehaltsabrechnung durch den Einsatz der Software deutlich reduziert zu haben. Damit bleibt das Versprechen einer signifikanten Arbeitserleichterung für drei Viertel der Unternehmen bislang uneingelöst.

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Auswirkungen auf Compliance und strategische Flexibilität

Die fortbestehende manuelle Datenverarbeitung birgt zudem Risiken für die Rechtssicherheit. In der Analyse berichten nur 21 Prozent der Unternehmen von einem verbesserten Vertrauen in ihre Compliance-Prozesse durch die technologische Unterstützung. In einem Umfeld, das von immer strengeren regulatorischen Anforderungen geprägt ist, stellt dieser geringe Wert eine Herausforderung für das Risikomanagement dar.

Über die operativen Defizite hinaus wirkt sich die Situation auf die gesamte Unternehmenssteuerung aus. Der Bericht von Strada verdeutlicht, dass die Komplexität der Belegschaft für viele Organisationen ein strategisches Hindernis darstellt.

So gaben 81 Prozent der befragten Führungskräfte an, dass die Vielschichtigkeit ihrer Personalstrukturen die Umsetzung der allgemeinen Geschäftsstrategie behindert. Wenn Personalprozesse nicht reibungslos funktionieren, fehlt dem Management oft die Agilität, um auf Marktveränderungen zu reagieren.

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Mangelnde Transparenz bei weltweiten Lohnkosten

Ein weiteres Defizit zeigt sich bei der Datenverfügbarkeit auf globaler Ebene. Für international agierende Unternehmen ist die Steuerung der Personalausgaben ein kritischer factor. Dennoch verfügen laut den im Frühjahr 2026 erhobenen Daten nur 39 Prozent der Unternehmen über einen Echtzeit-Überblick über ihre weltweiten Lohnkosten. Ohne diese Datenbasis ist eine präzise Budgetierung und strategische Personalplanung nur schwer möglich.

Die Ergebnisse des „Workforce Possibility Report 2026“ basieren auf einer Befragung von 405 Führungskräften aus insgesamt sieben verschiedenen Märkten. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass viele Unternehmen ihre HR-Investitionen derzeit nicht voll ausschöpfen.

Die bloße Einführung einer HCM-Plattform reicht offenbar nicht aus, um die Komplexität moderner Arbeitswelten zu bewältigen, solange tief verwurzelte manuelle Strukturen und isolierte Datensilos fortbestehen.

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