Handwerk, Konjunktur

Handwerk in Deutschland senkt Umsatz und Beschäftigung im Frühjahr 2026

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 08:12 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Der reale Umsatz im zulassungspflichtigen Handwerk ist im 2. Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen, zugleich sank die Beschäftigung spürbar. Besonders betroffen sind Bau-, Ausbau- und Lebensmittelgewerbe, während das Kraftfahrzeuggewerbe leichte Zuwächse verzeichnet.

Umsatz im zulassungspflichtigen Handwerk gesunken
Handwerk-Schriftzug (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Im zulassungspflichtigen Handwerk in Deutschland ist der reale Umsatz im 2. Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,4 Prozent gesunken. Gleichzeitig waren Ende Juni 2026 in diesem Bereich 1,9 Prozent weniger Personen beschäftigt als ein Jahr zuvor.

Deutliche Rückgänge in mehreren Gewerbegruppen

Besonders starke reale Umsatzrückgänge verzeichneten im 2. Quartal das Ausbaugewerbe, die Handwerke für den gewerblichen Bedarf sowie das Lebensmittelgewerbe, jeweils mit einem Minus von 2,4 Prozent. Im Bauhauptgewerbe gingen die Umsätze um 1,8 Prozent zurück, in den Handwerken für den privaten Bedarf um 1,6 Prozent und im Gesundheitsgewerbe um 1,0 Prozent.

Kraftfahrzeuggewerbe mit leichtem Plus

Als einzige Gewerbegruppe im zulassungspflichtigen Handwerk legte das Kraftfahrzeuggewerbe im 2. Quartal 2026 real zu. Hier stiegen die Umsätze gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,4 Prozent. Insgesamt waren in den sieben Gewerbegruppen des zulassungspflichtigen Handwerks Ende Juni 2026 1,9 Prozent weniger Personen tätig als ein Jahr zuvor.

Beschäftigung besonders im Lebensmittelgewerbe rückläufig

Am stärksten sank die Beschäftigung im Lebensmittelgewerbe, wo Ende Juni 2026 3,5 Prozent weniger Personen arbeiteten als im Vorjahresmonat. Den geringsten Rückgang verzeichnete das Gesundheitsgewerbe mit einem Minus von 0,8 Prozent.

Umsatzentwicklung im zulassungsfreien Handwerk

Auch das zulassungsfreie Handwerk musste im 2. Quartal 2026 Einbußen hinnehmen. Hier verringerten sich die realen Umsätze gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,8 Prozent. Einen Zuwachs meldeten die Statistiker lediglich für die Handwerke für den gewerblichen Bedarf, deren Umsatz um 0,6 Prozent stieg.

Starke Rückgänge im Bau- und Lebensmittelbereich

In den Handwerken für den privaten Bedarf gingen die realen Umsätze im zulassungsfreien Handwerk um 2,6 Prozent zurück. Besonders deutlich waren die Rückgänge im Lebensmittelgewerbe mit einem Minus von 4,5 Prozent und im Bauhauptgewerbe mit 4,1 Prozent weniger realem Umsatz als im 2. Quartal 2025.

Die aktuellen Zahlen von Destatis zum zulassungspflichtigen und zulassungsfreien Handwerk im 2. Quartal 2026 fügen sich in eine Phase anhaltender Belastungen für viele Betriebe ein. Nach einem von Materialengpässen und Preissteigerungen geprägten Zeitraum hat sich die Nachfrage in mehreren Bereichen spürbar abgeschwächt, während Kosten für Personal, Energie und Mieten hoch bleiben. Der nun gemeldete reale Umsatzrückgang von 1,4 Prozent im zulassungspflichtigen Handwerk und 0,8 Prozent im zulassungsfreien Handwerk deutet darauf hin, dass die gesamtwirtschaftliche Abschwächung inzwischen deutlich im Handwerk ankommt.

Belastungsschwerpunkte im Bau, Ausbau und Lebensmittelgewerbe

Besonders betroffen sind erneut Bauhaupt- und Ausbaugewerbe sowie das Lebensmittelhandwerk. In den vergangenen Monaten hatten Branchenvertreter immer wieder berichtet, dass private Bauvorhaben verschoben oder verkleinert werden, weil gestiegene Zinsen und unsichere Einkommen die Finanzierung erschweren. Parallel dazu stehen handwerkliche Lebensmittelbetriebe wie Bäckereien und Metzgereien unter Druck, da höhere Rohstoff- und Energiekosten nicht vollständig an die Kunden weitergegeben werden können. Der Beschäftigungsrückgang von insgesamt 1,9 Prozent im zulassungspflichtigen Handwerk, besonders ausgeprägt im Lebensmittelgewerbe, zeigt, dass manche Betriebe ihren Personalbestand anpassen oder nicht nachbesetzen.

Unterschiedliche Entwicklung im Kraftfahrzeug- und Gesundheitsgewerbe

Der leichte reale Umsatzanstieg von 0,4 Prozent im Kraftfahrzeuggewerbe verweist darauf, dass Wartung und Reparatur von Fahrzeugen weiterhin nachgefragt werden, auch wenn Neuwagenkäufe zögerlicher ausfallen. Im Gesundheitsgewerbe ist der Umsatzrückgang vergleichsweise moderat, ebenso der Rückgang der Beschäftigung – Leistungen in diesem Bereich werden weniger stark konjunkturabhängig nachgefragt. Insgesamt unterstreichen die Daten, dass die Lage im Handwerk stark vom jeweiligen Segment abhängt: Während einige Gewerke mit rückläufiger Nachfrage und Personalabbau reagieren, können andere ihre Umsätze zumindest stabil halten oder leicht steigern.

Ausblick für Betriebe und Beschäftigte

Für viele Handwerksbetriebe bleibt die Lage damit anspruchsvoll. Sinkende reale Umsätze bei gleichzeitig erhöhten Kosten engen die Spielräume für Investitionen, Ausbildung und Modernisierung ein. Sollte die gesamtwirtschaftliche Entwicklung schwach bleiben, drohen weitere Anpassungen bei Beschäftigung und Angebot. Zugleich zeigt die robuste Entwicklung einzelner Branchen, dass spezialisierte Betriebe mit klarer Nachfragebasis besser durch die aktuelle Phase kommen können. Für Beschäftigte im Handwerk bedeutet dies je nach Gewerbegruppe sehr unterschiedliche Perspektiven – von vergleichsweise stabilen Jobs im Kfz- und Gesundheitsbereich bis hin zu erhöhter Unsicherheit im Bau- und Lebensmittelgewerbe.

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