Grundsicherungsgeld: Neue Regeln für Millionen Arbeitslose ab Juli
27.06.2026 - 13:03:13 | boerse-global.de
Am 1. Juli tritt das Grundsicherungsgeld in Kraft. Das Bürgergeld wird dann Geschichte sein. Die Reform verschärft die Regeln für Empfänger deutlich.
Strengere Regeln für Arbeitslose
Das neue Grundsicherungsgeld setzt voll auf Arbeitsmarktintegration. Erwerbsfähige müssen ihre Arbeitskraft künftig im maximal zumutbaren Umfang einsetzen. Für Alleinstehende bedeutet das in der Regel die Pflicht zur Vollzeitarbeit.
Teilzeitmodelle oder unrentable Selbstständigkeiten sollen aufgegeben werden. Bei Selbstständigen prüfen die Jobcenter nach einem Jahr die Wirtschaftlichkeit. Auch Eltern trifft die Reform: Die Ausnahme von der Arbeitspflicht gilt nur noch 14 Monate nach der Geburt.
Der Kooperationsplan zwischen Jobcenter und Beziehern bleibt bestehen. Bei Pflichtverletzungen können die Behörden ihn künftig per Verwaltungsakt durchsetzen.
Harte Sanktionen bei Verstößen
Die Reform zieht die Daumenschrauben an. Bereits seit April führen Pflichtverletzungen zu einer Kürzung von 30 Prozent für drei Monate. Ab Juli kommen verschärfte Regeln für Meldeversäumnisse dazu:
- Erster verpasster Termin: noch sanktionsfrei
- Zweiter verpasster Termin: 30 Prozent Kürzung für einen Monat
- Dritter verpasster Termin: kompletter Leistungsentzug inklusive Wohnkosten
Wer eine zumutbare Arbeit ablehnt, riskiert ebenfalls den vollen Entzug des Regelbedarfs. Das Bundesverfassungsgericht stellte jedoch klar: Das Existenzminimum muss gewahrt bleiben. Vor jeder Sanktion gibt es eine Anhörung – Krankheit oder Vorstellungsgespräche gelten als wichtige Gründe.
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Neue Vermögensgrenzen: Karenzzeit fällt weg
Bisher blieb Vermögen in der Karenzzeit weitgehend unberücksichtigt. Damit ist ab Juli Schluss. Stattdessen gilt ein gestaffeltes Schonvermögen:
- Bis 30 Jahre: 5.000 Euro
- 31 bis 40 Jahre: 10.000 Euro
- 41 bis 50 Jahre: 12.500 Euro
- Ab 51 Jahre: 20.000 Euro
Für Familien gelten die Freibeträge pro Person. Selbstgenutztes Wohneigentum bleibt geschützt. Bei den Wohnkosten gibt es eine zwölfmonatige Karenzzeit – allerdings gedeckelt auf das 1,5-Fache des örtlichen Richtwerts.
Automatischer Übergang für Bestandsfälle
Bestehende Bürgergeld-Empfänger müssen nichts tun. Der Wechsel zum Grundsicherungsgeld erfolgt automatisch, die Auszahlung läuft ohne Unterbrechung weiter. Der Begriff Bürgergeld darf noch bis Ende 2026 verwendet werden.
Die Jobcenter bleiben für die Verwaltung zuständig. Die Bundesregierung erhofft sich durch die Reform Einsparungen von 1 bis 1,5 Milliarden Euro. Auch schärfere Regeln gegen Schwarzarbeit mit verstärkter Arbeitgeberhaftung sollen dazu beitragen.
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Sozialverbände und die Linke kritisieren die Reform scharf. Ihrer Ansicht nach wurden die alten Bürgergeld-Regeln nie richtig evaluiert. Zudem fehle es in den Jobcentern an Personal für die intensivere Betreuung.
