GKV-Spargesetz, Euro

GKV-Spargesetz: Ärzte drohen bis zu 50.000 Euro Honorarverluste

29.06.2026 - 05:19:51 | boerse-global.de

Widerstand gegen geplante Kürzungen wächst: Ärzteverbände drohen mit Praxisschließungen, Kommunen warnen vor Milliardenrisiken.

GKV-Spargesetz: Ärzte, Kommunen und Pharma laufen Sturm
GKV-Spargesetz - Eine Nahaufnahme der Hand eines Arztes, der ein Stethoskop hält, mit einem unscharfen Hintergrund einer modernen Arztpraxis. 29.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ärzteverbände, Kommunen und die Pharmaindustrie warnen vor massiven Einschnitten in der ambulanten Versorgung. Das Parlament soll voraussichtlich am 10. Juli entscheiden.

Praxen drohen Honorarverluste von bis zu 50.000 Euro

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Sachsen-Anhalt rechnet mit drastischen Umsatzeinbußen für niedergelassene Mediziner. Pro Arzt und Jahr könnten bis zu 50.000 Euro wegfallen. Die Folge: längere Wartezeiten für Patienten und weniger freie Termine.

KBV-Chef Andreas Gassen beziffert die geplanten Einsparungen für 2027 auf rund 2,7 Milliarden Euro. Bis 2030 könnten es jährlich bis zu 5 Milliarden Euro sein. Gestrichen werden sollen unter anderem Terminanreize, die Finanzierung offener Sprechstunden, Zuschläge für Psychotherapie und die Vergütung für die elektronische Patientenakte (ePA). Gassen zufolge könnten 2027 rund 46 Millionen Behandlungsfälle unvergütet bleiben oder wegfallen.

Fachärzte schalten auf 4-Tage-Woche

Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) kündigt flächendeckende Proteste an. Ab 2027 sollen Facharztpraxen bundesweit nur noch vier Tage pro Woche öffnen. Zudem sind Quartalsschließungen geplant. SpiFa-Chef Heinrich kritisiert, das Gesetz belaste Fachärzte überproportional, und fordert eine umfassende Folgenabschätzung.

Auch die strukturelle Förderung leidet. Die KV Berlin stellt ab 2027 ein Förderprogramm für Praxisniederlassungen in unterversorgten Bezirken ein. Bisher gab es dort Zuschüsse von bis zu 70.000 Euro. Neue KV-Praxen seien unter den finanziellen Rahmenbedingungen nicht mehr darstellbar.

Kommunen warnen vor Milliardenrisiken

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) fordert eine Verschiebung der Reform. Hauptgeschäftsführer André Berghegger warnt vor unkalkulierbaren Risiken für Städte und Gemeinden. Besonders brisant: die fehlende Refinanzierung der Gesundheitskosten für Bürgergeldbezieher. Diese belaufen sich laut DStGB auf jährlich rund 12 Milliarden Euro – der Bund leiste nur eine Pauschale. Eine geplante Deckelung der Personalkosten für Kliniken könnte die Kommunen zusätzlich mit rund 5 Milliarden Euro belasten.

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Pharmaindustrie sieht Biotech-Roadmap gefährdet

Der Verband Pharma Deutschland kritisiert, das Spargesetz widerspreche der erklärten Biotech-Roadmap der Bundesregierung. Ab 2027 soll ein dynamischer Herstellerabschlag eingeführt werden – zunächst 1,1 Milliarden Euro, bis 2030 steigend auf rund 5,5 Milliarden Euro. Zusätzlich sind Abschläge von 7 Prozent auf Impfstoffe und Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) vorgesehen.

Pflegeversicherung: Ministerin verteidigt Einschnitte

Parallel zur GKV-Reform verteidigt Gesundheitsministerin Warken notwendige Einschnitte in der Pflegeversicherung. Sie bezeichnet die Pflege als Sanierungsfall. Für 2026 wird eine Finanzlücke von 7,5 Milliarden Euro erwartet.

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Die Reformpläne sehen vor, den Pflegebeitrag für Kinderlose von 4,2 auf 4,3 Prozent zu erhöhen. Zudem sollen die Kriterien für Pflegegrade verschärft werden. Höherstufungen werden erst nach einer Wartezeit von sechs Monaten wirksam – das soll 2026 Einsparungen von 2,6 Milliarden Euro bringen. Auch bei Zuschüssen für Heimbewohner und Rentenbeiträgen für pflegende Angehörige sind Kürzungen geplant. Insgesamt sollen die Einsparungen im ersten Jahr 11 Milliarden Euro betragen und bis Ende des Jahrzehnts auf über 20 Milliarden Euro anwachsen.

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