GKV-Reform, Zuzahlungen

GKV-Reform: Zuzahlungen steigen ab Januar 2027 um 50 Prozent

23.06.2026 - 08:43:56 | boerse-global.de

Die geplante GKV-Reform verzögert sich: Der Bundestag verschob die Abstimmung auf Juli. Krankenkassen warnen vor einer Finanzierungslücke von 18 Milliarden Euro für 2027.

GKV-Reform 2027: Bundestag vertagt Abstimmung über Sparpaket
GKV-Reform - Ein Stapel deutscher Euro-Münzen vor einem Finanzdiagramm, das einen Aufwärtstrend zeigt, mit verschwommenen Dokumenten und einem Kalender im Hintergrund. 23.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Nach einer Expertenanhörung am 22. Juni verschob der Bundestag die entscheidende Abstimmung auf den 10. Juli. Krankenkassen warnen indes vor einer massiven Finanzierungslücke für 2027.

Defizit auf Rekordniveau

Das Bundesgesundheitsministerium beziffert das GKV-Defizit auf über 19 Milliarden Euro. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Einnahmen um 4,1 Prozent – die Ausgaben aber legten um 7,6 Prozent zu. Der GKV-Spitzenverband rechnet für 2027 bereits mit einer Lücke von 18 Milliarden Euro.

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GKV-Chef Blatt fordert ein deutlich umfangreicheres Sparpaket. Er kritisiert die geplante Kürzung des Bundeszuschusses um zwei Milliarden Euro jährlich. „Allein für 2027 fehlen zusätzlich 2,5 Milliarden Euro, um weitere Beitragserhöhungen zu verhindern“, so Blatt. In der Anhörung äußerten über 90 Verbände Bedenken gegen die Regierungspläne.

Versicherte zahlen drauf

Das von Ministerin Warken forcierte Gesetz sieht ab dem 1. Januar 2027 deutliche Mehrbelastungen vor. Die Zuzahlungen für Medikamente sollen um 50 Prozent steigen – von 5 bis 10 Euro auf 7,50 bis 15 Euro.

Auch beim Zahnersatz wird gekürzt. Ohne lückenloses Bonusheft sinkt der Festzuschuss von 60 auf 50 Prozent. Wer ein Bonusheft vorweist, bekommt künftig 65 statt 75 Prozent. Die Schutzregel bleibt bestehen: Zuzahlungen dürfen zwei Prozent des Bruttoeinkommens nicht überschreiten, bei chronisch Kranken liegt die Grenze bei einem Prozent.

Streit um Beitragsbemessungsgrenze

Ein weiterer Knackpunkt: Die mögliche Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze auf 6.750 Euro monatlich. TK-Chef Jens Baas warnt vor den Folgen. „Bis zu 250.000 Gutverdiener könnten 2027 in die private Krankenversicherung wechseln“, rechnet er vor. Der GKV drohe ein Entzug von drei Milliarden Euro. Für Arbeitnehmer und Arbeitgeber unterhalb der Grenze bedeute dies Mehrkosten von jeweils rund 80 Euro im Monat.

Der Pharmaverband vfa kritisiert die geplanten Herstellerabschläge. Der Bundesrat hat bereits Vorbehalte gegen einen pauschalen dreiprozentigen Abschlag auf Hilfsmittel angemeldet. Ärzteverbände wie die KBV warnen vor schrumpfendem Leistungsangebot und längeren Wartezeiten.

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Zeitplan wackelt

Das Kabinett verabschiedete den Entwurf bereits am 29. April. Durch die Verschiebung der Bundestagsentscheidung auf den 10. Juli könnte sich auch die Befassung im Bundesrat verzögern. Sollte die Länderkammer nicht ebenfalls am 10. Juli beraten, wäre der nächste reguläre Termin erst der 25. September.

Die Akzeptanz der Reform ist gering. Laut einer YouGov-Umfrage lehnen 61 Prozent der Deutschen die Pläne ab. Bereits Mitte Juni gab es bundesweite Proteste der Gewerkschaft ver.di. Während die Regierung betont, die Ausgaben stärker am medizinischen Nutzen ausrichten zu wollen, fordern Kassenvertreter und Opposition eine nachhaltige Stabilisierung – über kurzfristige Kürzungen hinaus.

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