GKV-Reform, Bundestag

GKV-Reform: Bundestag stimmt 10. Juli über 18,8-Mrd-Sparpaket ab

05.07.2026 - 12:51:54 | boerse-global.de

Bundestag beschließt umstrittene Reform zur Schließung einer Milliardenlücke in der gesetzlichen Krankenversicherung.

GKV-Sparpaket: Höhere Zuzahlungen und neue Kosten für Partner ab 2027
GKV-Reform - Deutscher Bundestag mit Reichstagskuppel, abstrakt überlagert von Finanzdaten, symbolisiert ein Sparpaket. 05.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Juli 2026 über das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz ab. Das Paket soll eine Finanzlücke von 18,8 Milliarden Euro im Jahr 2027 schließen – und bringt tiefe Einschnitte für Millionen Versicherte.

Neue Kosten für mitversicherte Partner

Die bislang beitragsfreie Mitversicherung für Ehe- und Lebenspartner wird ab 2028 eingeschränkt. Künftig zahlen diese Versicherten einen Zusatzbeitrag von 2,5 Prozent des Einkommens des erwerbstätigen Partners. Das Prinzip der kostenlosen Familienversicherung endet damit für einen Teil der Betroffenen.

Kinder bleiben weiterhin beitragsfrei versichert. Ausgenommen von der neuen Regelung sind außerdem Eltern mit Kindern unter sieben Jahren, pflegende Angehörige, Partner mit voller Erwerbsminderung sowie Menschen, die bereits die Regelaltersgrenze erreicht haben.

Simone Borchardt (CDU) stellte klar: Die Familienversicherung werde nicht komplett abgeschafft. Es handele sich um gezielte Anpassungen zur Finanzstabilisierung.

Höhere Zuzahlungen ab 2027

Die Eigenbeteiligung für Versicherte steigt deutlich. Ab 2027 erhöhen sich die Zuzahlungen für Medikamente um 50 Prozent – von 5 bis 10 Euro auf 7,50 bis 15 Euro pro Packung. Auch die tägliche Zuzahlung bei Krankenhausaufenthalten klettert von 10 auf 15 Euro.

Weitere Sparmaßnahmen im Überblick:

  • Der Festzuschuss zum Zahnersatz sinkt von 60 auf 50 Prozent
  • Die Erstattung für Homöopathie und Cannabis-Blüten entfällt
  • Ein fixer Herstellerrabatt von 15,5 Prozent ersetzt den dynamischen Rabatt

Die Belastungsgrenze bleibt bei 2 Prozent der Bruttoeinnahmen, für chronisch Kranke bei 1 Prozent. Eine Befreiung von Zuzahlungen müssen Versicherte weiterhin aktiv beantragen.

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Krankenkassen in der Finanzkrise

Der GKV-Spitzenverband drängt auf konsequente Umsetzung der Sparpläne. Verbandschef Oliver Blatt warnte: Die Ausgaben der Krankenkassen steigen deutlich schneller als die Einnahmen. Lagen sie 2020 noch bei 249 Milliarden Euro, werden sie für 2026 auf rund 312 Milliarden Euro geschätzt.

Blatt rief den Bundestag auf, dem Lobbydruck gegen die Einschnitte standzuhalten. Versicherte und Arbeitgeber würden durch gestiegene Zusatzbeiträge bereits enorm belastet.

Ein Dauerstreitpunkt bleibt die Finanzierung von Bürgergeldempfängern. Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) bestätigte Anfang Juli: Der Bund zahlt pro GKV-versichertem Bürgergeldempfänger monatlich nur 144 Euro – die tatsächlichen Kosten liegen zwischen 300 und 350 Euro. Die Differenz von jährlich bis zu 12 Milliarden Euro müssen die Beitragszahler ausgleichen.

Das neue Gesetz sieht eine stufenweise Erhöhung der Bundesbeiträge ab 2027 vor. Zusätzliche Mittel in Höhe von rund 2 Milliarden Euro fließen allerdings erst ab 2031.

Streit um Krankschreibungen

Flankierend zum Sparpaket diskutiert die Koalition über schärfere Regeln bei Krankschreibungen. Ein 34-Punkte-Reformpaket sieht vor, die telefonische Krankschreibung abzuschaffen. Eine ärztliche Bescheinigung wäre dann bereits ab dem ersten Krankheitstag nötig – bisher war das erst ab dem vierten Tag der Fall.

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Ärzte und Krankenkassen laufen Sturm gegen die Pläne. DAK-Chef Andreas Storm warnte vor überfüllten Praxen und schlug stattdessen Teilkrankschreibungen nach skandinavischem Vorbild vor. Das Bundesgesundheitsministerium prüft derzeit die Umsetzbarkeit solcher Modelle.

Während Arbeitgeber die Reform begrüßen, kritisieren Gewerkschaften und Teile der SPD die Verschärfung als bürokratisch und medizinisch nicht zielführend.

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