Gesundheits-Digital-Gesetz: Kabinett beschließt ePA-Zugriff für Arbeitsmedizin
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 19:54 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Laut einer aktuellen Repräsentativbefragung der Siemens Betriebskrankenkasse (SBK) nutzen oder planen 29 Prozent der gesetzlich Versicherten die ePA – ein deutlicher Sprung von 21 Prozent im Mai 2025. Gleichzeitig zeigt die Umfrage: 69 Prozent der Befragten haben noch nicht mit ihrer Arztpraxis über die digitale Akte gesprochen. Aufklärungsbedarf bleibt also groß.
Betriebsärzte erhalten ePA-Zugriff
Eine entscheidende Neuerung bringt das Gesundheits-Digital-Gesetz (GeDiG), das das Bundeskabinett heute behandelte. Betriebsärzte sollen künftig vollen Zugriff auf die ePA erhalten – ohne dass eine explizite Einwilligung im Einzelfall nötig ist. Ziel: Die Arbeitsmedizin besser in die allgemeine Versorgungskette einzubinden. Das Maßnahmenpaket zum Bürokratieabbau flankiert diesen Schritt.
Digitaler Gesundheitscheck für alle
Ab sofort bieten die SBK und die Krankenkasse BIG direkt gesund einen kostenfreien digitalen Gesundheitscheck an. Das Tool des Start-ups XUND ist als Medizinprodukt der Klasse I zertifiziert und deckt fünf Bereiche ab: mentale Gesundheit, Herzgesundheit, Onkologie, Bewegungsapparat und Frauengesundheit.
Der Vorstoß ist Teil der Initiative „Healthy Hub“, die seit 2018 bereits 27 Start-ups in die Regelversorgung integriert hat. Ein neuer Wettbewerb für innovative Versorgungslösungen startet Mitte August. Die Idee: Präventive Angebote niedrigschwellig zugänglich machen, bevor chronische Erkrankungen zu Arbeitsausfällen führen.
Das Gesundheits-Digital-Gesetz gibt Betriebsärzten ab sofort vollen ePA-Zugriff – ohne Einwilligung der Mitarbeiter. Handeln Sie jetzt: Mit unserem kostenlosen Leitfaden vermeiden Sie Compliance-Fallen und senken Ausfallkosten. Jetzt Arbeitgeber-Leitfaden anfordern
Regionale Projekte für Kindergesundheit
Auch auf Landesebene tut sich etwas. Vertreter der bayerischen Landespolitik besuchten heute das Steuerungsgremium des Forums Innovative Versorgung (FIV) des BKK Landesverbandes Bayern. 64 Krankenkassen sind dort aktiv. Im Fokus stehen Projekte wie U0, UPlusE und M1 – sie zielen auf bessere Kindergesundheit und frühzeitige Interventionen. Der Gesundheitsausschuss des Bayerischen Landtags hat einen entsprechenden Beschlussantrag bereits einstimmig angenommen.
Flankiert wird das durch eine bundesweite Präventionsoffensive, die ebenfalls Mitte Juli startete. Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sollen bei der betrieblichen Gesundheitsförderung unterstützt werden. Die Gesundheitsausgaben lagen 2025 bei rund 579,5 Milliarden Euro – Produktionsausfälle zu vermeiden, rückt damit stärker in den politischen Fokus.
Finanzielle Schieflage trotz Reformen
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Trotz aller Innovationen steht das System unter Druck. Am 10. Juli verabschiedete der Bundestag das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Der allgemeine Beitragssatz bleibt bei 14,6 Prozent, doch die Beitragsbemessungsgrenze steigt 2027 um monatlich 300 Euro.
Krankenkassenverbände zeigen sich besorgt. Die Maßnahmen sollen die Zusatzbeiträge vorerst stabilisieren, doch Experten prognostizieren für 2027 ein Defizit von knapp 19 Milliarden Euro in der gesetzlichen Krankenversicherung. Kritik gibt es auch an der Ausweitung der Befugnisse der gematik und der Einführung der Direktabrechnung von Sachleistungen – die befürchtete Zersplitterung der Versorgungsstrukturen könnte die Reformen konterkarieren.
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