Fußball-WM: 26 Minuten Arbeitszeit täglich für Spiele geplant
11.06.2026 - 10:02:37 | boerse-global.de
Für deutsche Arbeitnehmer heißt das: Nachtarbeit vor dem Bildschirm.
Die Zeitverschiebung sorgt dafür, dass die meisten der 104 Spiele erst in den späten Abendstunden oder nachts mitteleuropäischer Zeit angepfiffen werden. Das stellt Unternehmen und Beschäftigte vor organisatorische Probleme — von der Dienstplanung bis zum Arbeitsschutz.
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Das gilt arbeitsrechtlich
Ein gesetzlicher Anspruch auf Freistellung für Public Viewing oder die Übertragung zu Hause existiert nicht. Wer eigenmächtig der Arbeit fernbleibt oder zu spät kommt, begeht eine Pflichtverletzung.
Juristen warnen: Im schlimmsten Fall drohen Abmahnung oder Kündigung. Das gilt auch für vorgetäuschte Krankmeldungen. Wer erwischt wird, riskiert die fristlose Entlassung.
Auch während der Arbeitszeit gelten klare Regeln. Streaming ohne Erlaubnis des Chefs ist tabu. Radiohören wird oft toleriert — solange die Leistung stimmt. Fan-Trikots oder Büro-Deko? Vorher den Vorgesetzten fragen.
26 Minuten Fußball pro Tag
Die Uni Stuttgart hat rund 1.000 Beschäftigte befragt. Ergebnis: Sie planen, täglich 26 Minuten Arbeitszeit für Fußball-Themen zu nutzen. Zum Vergleich: 2018 waren es 16 Minuten, 2022 nur 10.
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Hochgerechnet aufs gesamte Turnier kommen so pro Mitarbeiter rund zwölf Stunden zusammen, die für Diskussionen, Liveticker oder Ergebnis-Checks draufgehen. Weltweit schätzen Experten die Produktivitätseinbußen auf 17 Milliarden US-Dollar.
Die Gastro-Branche freut sich nur bedingt: Wegen der späten Anstoßzeiten fallen die Zusatzumsätze geringer aus als bei früheren Turnieren. Das Institut der deutschen Wirtschaft rechnet mit 67,4 Millionen Euro Mehrumsatz.
Gesundheitsrisiko Schlafmangel
Schlafmediziner schlagen Alarm. Wer regelmäßig weniger als vier Stunden schläft, vervierfacht sein Unfallrisiko. Schon eine einzelne Nacht mit starkem Schlafdefizit schwächt Leistungsfähigkeit und Immunsystem.
Müdigkeit ist rechtlich kein Grund fürs Fernbleiben. Die IG Metall empfiehlt daher flexible Lösungen zwischen Arbeitgebern und Belegschaft. Wer nachts fiebert, sollte tagsüber kurze Ruhepausen einplanen oder vor dem Spiel ein Nickerchen machen.
Lärmschutz: Länder machen Ausnahmen
Die Bundesregierung hat eine befristete WM-Lärmschutzverordnung erlassen. Vom 20. Mai bis 31. Juli können Kommunen Ausnahmen von der Nachtruhe zwischen 22 und 6 Uhr genehmigen. Eine pauschale Freigabe gibt es nicht — die Behörden müssen im Einzelfall abwägen.
International gehen die USA, Kanada und Mexiko unterschiedlich mit dem Anpfiff um. In Mexiko-Stadt wurde für den Eröffnungstag schulfrei angeordnet. Bundesbedienstete müssen im Homeoffice arbeiten, um das Verkehrschaos rund ums Aztekenstadion zu vermeiden. Private Unternehmen rief die Stadt auf, ebenfalls flexible Modelle anzubieten.
