Fünftelregelung, Abfindungen

Fünftelregelung: Abfindungen seit Januar 2025 selbst anmelden

27.05.2026 - 09:30:39 | boerse-global.de

Eine OECD-Analyse zeigt enorme Unterschiede bei der Steuerbelastung für Gutverdiener in Europa. Deutschland liegt im Mittelfeld.

Fünftelregelung: Abfindungen seit Januar 2025 selbst anmelden - Foto: über boerse-global.de
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000 Euro Jahresbrutto behält in Europa je nach Wohnort bis zu 35.000 Euro mehr oder weniger netto. Das zeigt eine aktuelle Analyse von OECD-Daten, die die enormen Unterschiede in der Steuerbelastung offenlegt.

Bulgarien ist das Paradies für Gutverdiener – dort bleiben von 100.000 Euro brutto satte 86.930 Euro netto übrig. Estland folgt mit 74.400 Euro, Tschechien mit 72.800 Euro. Ganz anders sieht es in Westeuropa aus: Belgien bildet mit gerade einmal 50.750 Euro Netto das Schlusslicht. Auch Dänemark (51.500 Euro) und Schweden (52.000 Euro) kassieren kräftig ab.

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Deutschland im europäischen Mittelfeld

Für deutsche Arbeitnehmer sieht die Rechnung ernüchternd aus. Von 100.000 Euro brutto bleiben 57.900 Euro – das liegt unter dem Niveau von Großbritannien (69.900 Euro), Spanien (64.200 Euro) und Frankreich (63.000 Euro). Nur Italien schneidet mit 56.700 Euro noch schlechter ab.

Der Stepstone-Gehaltsreport 2026, der 1,3 Millionen Datenpunkte auswertete, zeigt: Der Medianeinkommen in Deutschland liegt bei 53.900 Euro brutto. Spitzenverdiener sind Mediziner, die oft die 100.000-Euro-Marke knacken. In der IT-Branche liegt der Median bei 66.750 Euro, bei KI-Spezialisten sogar bei 77.800 Euro. Die Gehälter steigen 2026 um prognostizierte 3,1 Prozent – doch die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen klafft mit rund 5.400 Euro weiterhin.

Steuerliche Fallstricke für Besserverdiener

Seit Januar 2025 gilt eine wichtige Änderung bei der Lohnsteuer: Die sogenannte Fünftelregelung für außergewöhnliche Einkünfte wie Abfindungen wird nicht mehr automatisch vom Arbeitgeber angewendet. Betroffene müssen die Steuerermäßigung nun selbst über die Steuererklärung geltend machen.

Auch Sachbezüge wie Aktienoptionen bereiten Kopfzerbrechen. Reicht das Bardeputat nicht aus, um die Steuer darauf zu zahlen, muss der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber das Geld zur Verfügung stellen. Tut er das nicht, ist der Arbeitgeber verpflichtet, das Finanzamt zu informieren.

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Südeuropa holt auf

Während die Steuerlast in Westeuropa hoch bleibt, positioniert sich Portugal als Wachstumsmotor. Ministerpräsident Luís Montenegro erklärte am 25. Mai, die Wirtschaft wachse über dem EU-Durchschnitt bei ausgeglichenem Haushalt. Die Einkommensteuer-Sätze für 2026 liegen zwischen 12,5 und 48 Prozent, die Steuerstufen wurden um 3,51 Prozent angehoben. Steuerfreie Leistungsprämien von bis zu sechs Prozent des Grundgehalts sollen die Kaufkraft stärken.

Sparverhalten: Von 14,7 Prozent bis ins Minus

Die Fähigkeit zu sparen, unterscheidet sich enorm. OECD-Daten für 2024 und 2025 zeigen: Schweden und Ungarn sparen mit 14,7 Prozent am meisten, Griechenland liegt mit minus 9,3 Prozent tief in den roten Zahlen. Der EU-Durchschnitt beträgt 8,1 Prozent. Deutschland, Frankreich und Tschechien liegen alle über zehn Prozent.

Eine Studie von Horioka und Ventura aus dem Jahr 2025 identifiziert zwei Hauptmotive: Vorsorge nennen zwei Drittel der Europäer, Altersvorsorge die Hälfte. In Griechenland ist die Sparquote seit 2010 negativ – ein alarmierendes Zeichen für die wirtschaftliche Situation vieler Haushalte.

Grenzgänger in der Steuerfalle

Besonders komplex wird es für Grenzgänger. Eine Konferenz in Innsbruck Mitte Mai befasste sich mit den Herausforderungen für Pendler zwischen Österreich, Deutschland, Italien, Liechtenstein, der Schweiz und Kroatien. Einkommensteuer, Sozialversicherung und Rentenrecht müssen in mehreren Jurisdiktionen gleichzeitig beachtet werden.

Für Expats in Portugal gilt: Nicht-Residenten zahlen pauschale 25 Prozent auf im Land erzielte Einkünfte. Der steuerfreie Grundbetrag liegt bei 12.880 Euro jährlich.

Ausblick: Der Wettbewerb um Talente verschärft sich

Die Schere zwischen Ost und West könnte sich weiter schließen. Portugal hat für 2027 weitere Erhöhungen der Mietabzüge angekündigt – bis zu 1.000 Euro sind dann absetzbar. In Deutschland bleibt der bürokratische Aufwand für Gutverdiener hoch, da komplexe Einkunftsarten zunehmend eine Steuererklärung erzwingen.

Für Arbeitnehmer gilt: Der Blick aufs Bruttogehalt allein täuscht. Wer das Maximum aus seinem Einkommen herausholen will, sollte die Gesamtbelastung aus Steuern und Sozialabgaben im jeweiligen Land genau prüfen – und die Lebenshaltungskosten nicht vergessen.

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