Frührente, SPD

Frührente: SPD fordert fünf Jahre Übergangsfrist für Abschaffung

Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 21:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

SPD-Rentenexpertin plädiert für fünfjährige Übergangsphase bei Abschaffung der Rente mit 63. Bereits geschlossene Altersteilzeitverträge sollen geschützt bleiben.

Rente mit 63: SPD-Politikerin Klose fordert fünfjährige Übergangsfrist
Ein älterer Arbeiter blickt nachdenklich auf eine Uhr in einer modernen Fabrikhalle. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In der Debatte um die Zukunft der abschlagsfreien Frührente hat die SPD-Politikerin Annika Klose eine deutliche Fristsetzung für den Übergang vorgeschlagen. Die Rentenexpertin fordert einen Zeitraum von fünf Jahren für die Abschaffung der Regelung, um betroffenen Arbeitnehmern Planungssicherheit zu geben.

Dieser Vorstoß erfolgt vor dem Hintergrund der Empfehlungen der Rentenkommission, der Klose selbst angehörte und die ein Ende der sogenannten „Rente mit 63“ zum frühestmöglichen Zeitpunkt angeregt hatte.

Debatte um Fristen und rechtliche Sicherheit

Nach den Vorstellungen von Annika Klose soll die Übergangsphase nicht nur den generellen Ausstieg regeln, sondern auch bestehende Vereinbarungen schützen. So plädierte sie am Freitag dafür, bereits abgeschlossene Altersteilzeitverträge mit Laufzeiten von bis zu zehn Jahren bei der Reform zu berücksichtigen.

Ein Blick auf die Rechtsprechung stützt den Vorschlag einer mehrjährigen Frist: Das Bundesverfassungsgericht bewertete bereits im Jahr 2004 eine fünfjährige Übergangszeit bei der Abschaffung der Frauenrente mit 60 als verfassungskonform.

Andere Experten halten jedoch kürzere Zeiträume für machbar. Der Ökonom Martin Werding sprach sich für eine Übergangsfrist von lediglich ein bis drei Jahren aus, wobei er einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren für ausreichend erachtet.

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Modellrechnungen der Deutschen Rentenversicherung verdeutlichen die zeitliche Dimension: Sollte die Reform etwa im Jahr 2028 in Kraft treten, könnte die Regelung bis 2033 vollständig auslaufen.

In diesem Szenario wäre der Jahrgang 1966 voraussichtlich der letzte, der mit 65 Jahren und 45 Beitragsjahren abschlagsfrei in den Ruhestand gehen könnte. Wer spätestens im Jahr 2031 das 65. Lebensjahr erreicht und die nötigen Beitragsjahre vorweist, könnte die aktuelle Regelung demnach noch nutzen.

Politischer Zeitplan und Widerstand aus den Ländern

Der Druck auf die Bundesregierung wächst, zeitnah eine Einigung zu erzielen. Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas beabsichtigen laut Berichten vom Donnerstag, das Konzept der Rentenkommission vollständig umzusetzen. Bas soll hierfür bis Ende des Jahres 2026 ein entsprechendes Reformgesetz vorbereiten, zeigte sich jedoch gleichzeitig offen für einen Verzicht auf die Abschaffung, sofern die Union dies wünsche.

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Innerhalb der Union und der SPD regt sich jedoch Widerstand gegen einen harten Schnitt. Christian Bäumler, Vizechef der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), forderte Kanzler Merz am Donnerstag auf, noch im August einen Kompromiss zu finden.

Bäumler verwies dabei auf die im September anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern und warnte vor den Auswirkungen auf hunderttausende Betroffene. Auch die Ministerpräsidenten der ostdeutschen CDU-Länder sowie mehrere SPD-Regierungschefs positionierten sich gegen eine ersatzlose Streichung der abschlagsfreien Frührente.

Reformvorschläge und gesellschaftliche Akzeptanz

Die geplante Abschaffung stößt in der Bevölkerung auf breite Ablehnung. Laut einer Umfrage des RTL/ntv-Trendbarometers lehnen 74 Prozent der Befragten das Vorhaben ab. Eine Insa-Erhebung vom 6. und 7. August 2026 ergab zudem, dass 56 Prozent der Bürger die abschlagsfreie Rente entweder bereits nutzen oder dies für die Zukunft planen. Währenddessen sanken die Zustimmungswerte für Bundeskanzler Merz zuletzt auf 13 Prozent.

Um Härten abzufedern, werden verschiedene Alternativmodelle diskutiert. Thüringens Sozialministerin Katharina Schenk schlug eine belastungsbezogene Schutzrente als Nachfolgeregelung vor. Unterstützung für gezielte Härtefallregelungen signalisierten auch der SPD-Politiker Dirk Wiese und Unionsfraktionschef Thorsten Frei.

Der Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Bernd Fitzenberger, brachte ins Gespräch, die abschlagsfreie Frührente künftig auf Personen mit 42 Jahren tatsächlicher sozialversicherungspflichtiger Arbeit zu begrenzen.

Bisher sind 45 Beitragsjahre erforderlich, wobei auch Zeiten der Kindererziehung angerechnet werden. Experten wie Johannes Geyer vom DIW empfehlen hingegen als flankierende Maßnahme eine Aufwertung der Erwerbsminderungsrente.

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