Frührente-Debatte: Studie zeigt 9,5 Mrd. Euro Sparpotenzial
15.06.2026 - 01:39:57 | boerse-global.de
Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zeigt: Pro Rentenjahrgang wären rund 9,5 Milliarden Euro weniger Kosten fällig. Zudem stünden dem Arbeitsmarkt jährlich etwa 125.000 zusätzliche Vollzeitkräfte zur Verfügung.
Derzeit nutzen schätzungsweise 250.000 bis 280.000 Erwerbstätige pro Jahr die sogenannte Rente mit 63. Das entspricht rund 30 Prozent aller Rentenneuzugänge.
Wer wirklich abschlagsfrei in Rente gehen kann
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Trotz des Namens „Rente nach 45 Beitragsjahren“ führt der Status nicht automatisch zum abschlagsfreien Ruhestand. Für Versicherte ab dem Geburtsjahrgang 1964 liegt die reguläre Altersgrenze bei 67 Jahren. Die Altersrente für besonders langjährig Versicherte erlaubt den Eintritt mit 65 Jahren.
Wer früher geht, zahlt drauf: Pro Monat vorzeitigem Rentenbeginn sinkt die Auszahlung um 0,3 Prozent. Über die gesamte Laufzeit summiert sich das auf bis zu 14,4 Prozent Abschlag.
Wichtig zu wissen: Bei der Berechnung der 45 Beitragsjahre zählen bestimmte Zeiten nicht. Dazu gehören der Bezug von Arbeitslosengeld II, Studienzeiten sowie Anrechnungszeiten durch Versorgungsausgleich oder Krankheit.
Politischer Streit um die Zukunft der Frührente
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche spricht sich klar für ein Ende der Frühverrentungsoptionen aus. Unterstützung kommt von Arbeitgeberseite: Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), fordert die Abschaffung der Regelung.
Die SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt lehnt die Streichungspläne ab. Als Kompromiss schlägt das DIW alternative Modelle vor. Diskutiert werden individuelle Gesundheitsprüfungen oder eine Einkommensgrenze für den vorzeitigen Ruhestand bei 60 Prozent des Durchschnittseinkommens. Auch ein Ausbau der Grundrente steht im Raum.
Neue gesetzliche Reformen sind bereits beschlossen
Unabhängig von der aktuellen Debatte haben Bundestag und Bundesrat im Frühjahr 2026 das Altersvorsorge-Reformgesetz verabschiedet. Kernstück: das neue staatlich geförderte Altersvorsorgedepot, das ab 2027 starten soll.
Zum 1. Januar 2027 tritt die Mütterrente III in Kraft. Die Auszahlungen beginnen 2028. Für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, werden künftig 36 statt der bisherigen 30 Monate Kindererziehungszeit angerechnet – das entspricht drei Rentenpunkten pro Kind. Bei einem aktuellen Wert von 20,40 Euro für einen halben Rentenpunkt könnten bis zu zehn Millionen Rentner profitieren.
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Rente mit 70? Die langfristige Perspektive
Die gestiegene Lebenserwartung treibt die Debatte um das Renteneintrittsalter weiter an. Männer werden heute durchschnittlich 78 Jahre alt, Frauen 83. Während Ruheständler 1970 im Schnitt 12 bis 15 Jahre Rente bezogen, sind es heute etwa 20 Jahre.
Berechnungen zufolge könnte für den Geburtsjahrgang 1970 die Rente mit 68 Jahren kommen. Für jüngere Jahrgänge ist perspektivisch sogar die Rente mit 70 im Gespräch – eine Frage der Systemstabilität.
