Frauenquote, Vorständen

Frauenquote in Vorständen: DAX und Mittelstand verlieren Boden

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 00:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die Frauenquote in DAX-Vorständen fällt leicht, im Mittelstand auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren. Neue EU-Vorgaben erhöhen den Druck auf Unternehmen.

Frauenanteil in Vorständen sinkt: Mittelstand besonders betroffen
Frauenquote - Eine Gruppe von Frauen in Führungspositionen, die in einem modernen Büro zusammenarbeiten und Entschlossenheit ausstrahlen. 10.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

In den Vorständen deutscher Unternehmen geht der Frauenanteil zurück – besonders im Mittelstand.

DAX-Vorstände verlieren leicht

Die jüngsten Zahlen für 2026 zeigen eine Trendwende nach unten. In den Vorständen der DAX-Konzerne fiel die Frauenquote auf 25,5 Prozent – ein Minus von 0,2 Prozentpunkten. Noch deutlicher traf es den MDax: Hier sank der Anteil um 0,4 Prozentpunkte auf 19,5 Prozent.

Besonders alarmierend ist die Entwicklung im Mittelstand. Mit 23,5 Prozent Frauen in Führungspositionen verzeichnet der Sektor den niedrigsten Wert seit sechs Jahren. Die Aufsichtsräte liegen zwar bei 34 Prozent, doch nur jedes zehnte Gremium wird von einer Frau geleitet.

Zum Vergleich: In der Bundesverwaltung liegt die Quote bei 47 Prozent. International hinkt Deutschland mit 29,1 Prozent im unteren EU-Drittel hinterher.

EU setzt Unternehmen unter Zugzwang

Die Europäische Union verschärft die Regeln. Bis Juni 2026 müssen entweder 40 Prozent der nicht geschäftsführenden Vorstandsmitglieder oder 33 Prozent aller Direktorinnenposten weiblich besetzt sein. Sieben Mitgliedstaaten haben die Vorgaben noch nicht umgesetzt.

Frankreich liegt mit 45 Prozent bereits über dem Ziel, Italien und die Niederlande sind ebenfalls auf Kurs. Deutschland muss nachlegen.

Seit dem 7. Juni 2026 gilt zudem die EU-Entgelttransparenzrichtlinie. Sie soll bestehende Lohnunterschiede abbauen. Experten sehen in der wirtschaftlichen Unsicherheit und einer Sättigung nach dem Führungspositionen-Gesetz II Gründe für die Stagnation.

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Cybersecurity-Branche fällt besonders ab

In einem Bereich ist die Unterrepräsentanz besonders krass: der Cybersicherheit. Mit 14,6 Prozent Frauenanteil belegt Deutschland den letzten Platz in Europa. Weltweit liegt die Quote zwischen 22 und 25 Prozent – bei rund vier Millionen unbesetzten Stellen.

Strukturelle Probleme bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf führen weiterhin zu Karrierebrüchen. Ein Beispiel aus der Medienbranche zeigt die Härte: Die Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau, Sabrina Hoffmann, trat nach sechs Monaten zurück. Als alleinerziehende Mutter fehlte ihr die Unterstützung bei der Kinderbetreuung – und die Akzeptanz für flexible Arbeitszeiten in der Redaktion.

Auch im Bildungssektor zeigt sich das Problem. Im Schuljahr 2024/2025 erreichte die Teilzeitquote bei Lehrkräften mit 44 Prozent einen Höchststand seit 2009. Bei Lehrerinnen liegt sie bei 51 Prozent, bei männlichen Kollegen nur bei 23 Prozent.

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Schweiz und Österreich: Nachbarn mit eigenen Baustellen

In der Schweiz dominieren Männer weiterhin die Führungsetagen. Der Schillingreport zeigt: 78 Prozent der Manager in börsenkotierten Firmen sind männlich. Gleichzeitig sammeln die wenigen Frauen in Top-Positionen häufig mehr Mandate als ihre Kollegen. Ein Beispiel ist Monique Bourquin, die bei Swisscom, Lindt & Sprüngli und Rivella sitzt.

In Österreich stehen Frauen mitten im Budget-Streit. Die Opposition kritisierte Anfang Juli 2026 geplante Einsparungen, die einseitig Frauen belasten würden. Der Gender-Pension-Gap liegt bei 39 Prozent – über dem EU-Schnitt. Ursache ist unter anderem eine Teilzeitquote von 30 Prozent bei Frauen.

Reformen in der Pipeline

Die Bundesregierung plant weitere Schritte:

  • Rentenreform 2026: Das Rentenniveau soll bis 2040 bei mindestens 48 Prozent stabil bleiben. Die Mütterrente bleibt zentral, da Frauen durch Teilzeit und Lohnlücken oft niedrigere Ansprüche haben.
  • Elterngeldreform: Ab Oktober 2027 sind pro Elternteil drei Monate reserviert, sechs Monate frei verteilbar. Die maximale Bezugsdauer sinkt von 14 auf 12 Monate, der Höchstbetrag bleibt bei 1.900 Euro.
  • Förderung: Experten empfehlen Job-Sharing-Programme und mehr Einbindung von Männern in die unbezahlte Sorgearbeit. Nur so lassen sich Karrierewege von Frauen nachhaltig verbessern.

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