Transformation muss im Markt bestehen
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 11:40 Uhr | presseportal, AD HOC NEWSDie Chemieindustrie steht zunehmend unter Druck: Hohe Energiekosten, geopolitische Unsicherheiten, wachsende Regulatorik und der globale Wettbewerb verändern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen grundlegend. Für viele Unternehmen stellt sich deshalb die Frage, wie eine erfolgreiche und zugleich zukunftsfähige Transformation konkret gelingen kann.
Während häufig Strategien, neue Technologien und politische Maßnahmen im Mittelpunkt der Diskussion stehen, liegt der entscheidende Erfolgsfaktor letztlich im Unternehmen selbst: in klaren Prioritäten, einer konsequenten Umsetzung und der Fähigkeit, vorhandene Stärken gezielt auszubauen, neu zu denken und auf veränderte Märkte sowie neue Geschäftsfelder zu übertragen.
Wie dieser Wandel in der Praxis gelingt, zeigt das Beispiel des mittelständischen Spezialchemieunternehmens Haltermann Carless.
CEO Peter Friesenhahn im Interview.
Haltermann Carless zählt zu den ältesten Chemieunternehmen der Welt. Wie setzt ein Unternehmen mit Wurzeln bis ins Jahr 1859 seine Tradition fort, insbesondere angesichts der aktuellen Lage in der Chemieindustrie?
Wir verbinden tiefes Know-how in Kohlenwasserstoffchemie mit enger Kundennähe. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts haben unsere Gründer mit der Entwicklung von Petrol Mobilität möglich gemacht. Heute entwickeln wir Spezialprodukte für Märkte, die hohe technische Anforderungen stellen, vom Motorsport bis zur Luft- und Raumfahrt. Technologien und Märkte ändern sich. Wir haben über Generationen gelernt, unsere industrielle Kompetenz immer wieder neu zu nutzen.
Aber hohe Energiekosten, Regulierung und globaler Wettbewerb sind Realität. Wir werden die aktuellen Herausforderungen nicht mit demselben Denken lösen, das viele strukturelle Probleme mitverursacht oder verstärkt hat. Für mich bedeutet das daher: klarer Fokus, schnelle Entscheidungen und eine konsequente Ausrichtung auf Performance und Kundenwert.
Wer auf bessere Rahmenbedingungen wartet, hat schon verloren. Deshalb haben wir konsequent restrukturiert, uns von Geschäftsbereichen getrennt, Komplexität reduziert, Verantwortlichkeiten geschärft und Ressourcen auf die Bereiche konzentriert, in denen wir langfristig wachsen können. Für mich muss Transformation im Markt funktionieren. Sie muss uns stärker machen, unseren Kunden einen Mehrwert bieten und wirtschaftliche Ergebnisse liefern, die Spielraum für Investitionen lassen. Und sie gelingt nur, wenn Mitarbeitende und Eigentümer diesen Weg mittragen. Für den langfristigen Rückhalt durch die ICIG* bin ich deshalb dankbar.
Welche Faktoren entscheiden, ob Haltermann Carless auch in Zukunft erfolgreich bleibt?
Unsere Stärke ist, dass wir unterschiedliche Rohstoffpfade nutzen können. Unseren Produktionsanlagen ist es egal, ob der eingesetzte Rohstoff fossil oder erneuerbar ist. Diese Technologieoffenheit gibt uns die Möglichkeit, unterschiedliche Technologiepfade unserer Kunden zu begleiten. Entscheidend wird sein, wie schnell wir neue Rohstoffe, Verfahren und Technologien in tragfähige Geschäfte übersetzen. Innovation allein reicht nicht. Sie muss beim Kunden ankommen und wirtschaftlich funktionieren. Deshalb investieren wir dort, wo unsere Fähigkeiten einen Unterschied machen und unsere Kunden neue Lösungen brauchen.
*International Chemical Investors Group
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