Fleischkonsum Deutschland, Fleischersatz

Fleischkonsum in Deutschland: Verbraucher kaufen weniger, greifen aber häufiger zu Ersatzprodukten

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

In Deutschland kaufen etwas weniger Haushalte Fleisch und Geflügel, die verbliebenen Käufer greifen jedoch zu größeren Mengen. Gleichzeitig wächst der Markt für Fleischersatz – vollständiger Vegetarismus oder Veganismus bleibt für die meisten Verbraucher aber keine vorrangige Option.

Bei Wurstwaren nahmen zuletzt sowohl Käuferreichweite als auch Absatzmenge ab. (Symbolbild) - Bild: Jan Woitas/dpa
Bei Wurstwaren nahmen zuletzt sowohl Käuferreichweite als auch Absatzmenge ab. (Symbolbild) - Bild: Jan Woitas/dpa

In Deutschland hinterfragen Verbraucher ihren Fleischkonsum zunehmend, verzichten aber meist nicht vollständig darauf.

Weniger Käufer, größere Mengen

Von Januar bis Juli 2026 kauften 93 Prozent der Haushalte Fleisch oder Geflügel. Das waren zwei Prozentpunkte weniger als im Jahr 2022. Die gekaufte Menge stieg zugleich um drei Prozent.

Geflügel blieb besonders gefragt und erreichte einen Anteil von 35 Prozent am Fleischabsatz. Es folgten Schweinefleisch mit 32 Prozent. Bei Wurstwaren gingen sowohl die Käuferreichweite als auch die Absatzmenge zurück.

Viele wollen Konsum reduzieren

Mehr als jeder vierte Fleischesser, 27 Prozent, plant nach den Befragungsdaten, den eigenen Konsum von Fleisch und Wurst in nächster Zeit zu verringern. Nur zwei Prozent wollen mehr davon essen. 43 Prozent der Fleischesser stimmten der Aussage zu, dass es ihnen guttun würde, weniger Fleisch, Wurst und Fisch zu essen.

Ein vollständiger Wechsel zu einer fleischlosen Ernährung steht für die meisten dennoch nicht im Vordergrund. Von denjenigen, die weniger tierische Produkte essen möchten, erwägen 22 Prozent eine komplett vegetarische und 14 Prozent eine komplett vegane Ernährung. Die Daten sprechen damit eher für eine wachsende Bedeutung flexitarischer Ernährungsweisen. Flexitarier schränken ihren Fleischkonsum bewusst ein, verzichten aber nicht vollständig darauf.

Fleischersatz gewinnt an Bedeutung

Parallel wächst der Markt für Fleischersatz. Knapp 35 Prozent der Haushalte kauften 2026 mindestens einmal entsprechende Produkte – so viele wie seit 2022 nicht mehr. Besonders stark legten sonstige Fleischersatzprodukte wie Tofu und Falafel zu.

Der Umsatz mit fleischanalogen Produkten wie vegetarischer oder veganer Wurst stieg um gut sechs Prozent. Bei den sonstigen Fleischersatzprodukten betrug das Plus 38 Prozent. Insgesamt haben 58 Prozent der Befragten bereits Fleischersatz probiert.

Preis bleibt zentrale Hürde

Für eine weitere Verbreitung sprechen aus Verbrauchersicht nicht alle Bedingungen. 61 Prozent halten Fleischersatzprodukte für zu teuer, 64 Prozent haben den Eindruck, dass viele vegetarische und vegane Alternativen zu viele Zusatzstoffe enthalten.

Bewusster Konsum statt radikaler Verzicht

Die Zahlen beschreiben einen Ernährungswandel, der vor allem über die Häufigkeit und die Auswahl des Konsums verläuft. Der Anteil der Haushalte, die Fleisch oder Geflügel kaufen, sinkt leicht, während die verbleibenden Käufer größere Mengen erwerben. Daraus ergibt sich kein geradliniger Übergang zu einer vegetarischen oder veganen Gesellschaft, sondern ein Nebeneinander verschiedener Ernährungsstile.

Für Verbraucher bedeutet das: Eine Reduktion kann bereits über einzelne Mahlzeiten, kleinere Portionen oder den Wechsel zwischen tierischen und pflanzlichen Produkten erfolgen. Geflügel bleibt dabei besonders wichtig, während der Rückgang bei Wurstwaren auf veränderte Gesundheits- und Qualitätsvorstellungen hindeuten kann. Die Befragungswerte zeigen zugleich, dass der Wunsch nach weniger Fleisch deutlich größer ist als die Bereitschaft zum vollständigen Verzicht.

Preis und Produktqualität als entscheidende Faktoren

Der wachsende Absatz von Tofu, Falafel und anderen Ersatzprodukten zeigt, dass pflanzliche Alternativen zunehmend im Alltag ankommen. Ihre weitere Verbreitung hängt jedoch nicht allein vom Umwelt- oder Gesundheitsbewusstsein ab. Hohe Preise und die wahrgenommene Zusammensetzung der Produkte bleiben zentrale Hürden; einfache, bezahlbare und überzeugende Angebote könnten deshalb stärker wirken als Appelle zum vollständigen Verzicht.

Für Handel und Hersteller verschiebt sich der Wettbewerb damit von der reinen Ersatzidee hin zu Geschmack, Preis, Nährwert und verständlicher Kennzeichnung. Politisch und gesellschaftlich dürfte weniger die Frage „Fleisch oder kein Fleisch“ prägend sein als die Entwicklung eines breiteren Angebots, das unterschiedliche Ernährungsweisen ermöglicht.

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