Firmeninsolvenzen: 4.996 Pleiten im Q2 – Höchststand seit 21 Jahren
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 09:08 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Firmenpleiten häufen sich, politische Reformen drohen die Lage zu verschärfen, und Tarifkonflikte belasten die Betriebe zusätzlich.
Insolvenzen erreichen Rekordniveau
Die Firmeninsolvenzen haben im zweiten Quartal 2026 einen Höchststand erreicht. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zählte 4.996 Insolvenzen – der höchste Wert seit 21 Jahren. Das entspricht einem Anstieg von 9 Prozent gegenüber dem ersten Quartal.
Besonders betroffen: das Gastgewerbe, der Bau- und der Handelssektor. Allein im Juni 2026 meldeten 1.702 Unternehmen Insolvenz an. Das sind 12 Prozent mehr als im Vormonat und 20 Prozent mehr als im Juni 2025. Rund 45.500 Arbeitsplätze sind betroffen.
Das Bäckerhandwerk trifft es besonders hart. Laut Daten von Creditreform stiegen die Insolvenzen im ersten Halbjahr 2026 um 40 Prozent. Hohe Energie-, Personal- und Materialkosten sowie der Druck durch den Lebensmitteleinzelhandel setzen den Betrieben zu.
Brandbrief gegen Minijob-Reform
Ein Bündnis aus Wirtschaftsverbänden schlägt Alarm. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) und der Handelsverband Deutschland (HDE) wandten sich in einem Brandbrief an Arbeitsministerin Bas und Gesundheitsministerin Warken.
Im Fokus der Kritik: die geplante Reform der Minijobs. Die Verbände befürchten die Abschaffung des steuerlichen Sonderstatus für geringfügig Beschäftigte. Konkret geht es um eine Anhebung der Pauschalsteuer von zwei auf fünf Prozent.
Die Folge: Minijobs würden für Arbeitgeber deutlich teurer. Das könnte zu einem massiven Rückgang der Beschäftigungsmöglichkeiten führen und die Betriebskosten weiter in die Höhe treiben – ausgerechnet in Branchen, die ohnehin unter Druck stehen.
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Tarifkonflikte spitzen sich zu
Parallel zur politischen Debatte eskalieren die Tarifverhandlungen. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert in mehreren Regionen deutliche Lohnsteigerungen. In Nordrhein-Westfalen verlangt sie sechs Prozent mehr Geld, in Schleswig-Holstein 5,95 Prozent plus 120 Euro mehr Ausbildungsvergütung bei einer Laufzeit von einem Jahr.
Die NGG argumentiert, viele Beschäftigte empfänden die Arbeit als körperlich und finanziell belastend. Die nächste Verhandlungsrunde in NRW ist für den 16. Juli 2026 angesetzt.
Der DEHOGA lehnt die Forderungen ab. Die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe sei zu prekär für solche Lohnsteigerungen, so der Arbeitgeberverband.
In Österreich schaltet sich bereits die Politik ein. Staatssekretärin Zehetner vermittelt in den dortigen Verhandlungen, nachdem Gewerkschaften höhere Mindestlöhne in der Tourismusbranche gefordert hatten.
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Betriebe geben auf – ein Fallbeispiel
Die Krise zeigt sich auch vor Ort. In Albstadt schließt ein Gastronom zwei seiner Cafés. Seine Begründung: akuter Personalmangel und übermäßige Bürokratie. Er will sich künftig auf einen Foodtruck konzentrieren.
Auch anderswo geben Betreiber auf. In Rheda-Wiedenbrück schließt das Restaurant Clapperton's Speisekammer Ende Juli 2026 – nach einem einjährigen Rettungsversuch. In Zweibrücken stellte eine spanische Bodega Anfang Juli überraschend den Betrieb ein. In Unna gaben die Betreiber des Waffelstübchens gesundheitliche Gründe und fehlende Nachfolger für die Schließung am heutigen Sonntag an.
Während einige Betriebe wie ein Eiscafé in Mönchengladbach im Juli ihr 50-jähriges Bestehen feiern konnten, zeigt die Realität: Die steigenden Insolvenzzahlen und die zahlreichen Geschäftsaufgaben machen die angespannte Lage der Branche mehr als deutlich.
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