Fachkräftemangel, Betriebe

Fachkräftemangel: 60% der Betriebe planen Stellenabbau bis 2030

30.06.2026 - 19:03:52 | boerse-global.de

Trotz stabiler Beschäftigung rechnen 60 Prozent der Unternehmen mit Personalreduktion. Hohe Krankenstände und psychische Belastungen verschärfen die Krise.

Fachkräftemangel: Betriebe planen massiven Stellenabbau bis 2030
Fachkräftemangel - Eine Gruppe von Fachkräften arbeitet in einem modernen, hellen Büro zusammen, das gute Arbeitsbedingungen und Zusammenarbeit symbolisiert. 30.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Neben der Bezahlung entscheiden Arbeitsgestaltung und Gesundheitsschutz über die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen.

Stabile Zahlen, verhaltene Dynamik

Die Bundesagentur für Arbeit meldet für Juni 2026 rund 2,94 Millionen Arbeitslose. Das sind 15.000 weniger als im Vormonat, aber 22.000 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote liegt bei 6,2 Prozent.

Das Statistische Bundesamt zählte im Mai 2026 saisonbereinigt etwa 45,68 Millionen Erwerbstätige – nahezu unverändert zum Vormonat.

Doch trotz stabiler Beschäftigung zeichnen sich strukturelle Umbrüche ab. Eine Horváth-Umfrage unter 1.000 Betrieben zeigt: 60 Prozent der Unternehmen rechnen bis 2030 mit Stellenabbau. Allein in der deutschen Industrie könnten 2026 bis zu 100.000 Arbeitsplätze wegfallen. Grund: Konzerne investieren wegen hoher Personalkosten verstärkt in Nordamerika, China oder Indien.

Was Mitarbeiter wirklich wollen

Der Do-it-Jobs Report 2026 zeigt, wo Betriebe ansetzen müssen. 54,3 Prozent der Befragten sehen bei der Bezahlung den größten Änderungsbedarf. Als wirksame Bindungsinstrumente gelten finanzielle Boni (40,8 Prozent), zusätzliche Urlaubstage (30,2 Prozent) und betriebliche Altersvorsorge (28,4 Prozent).

Doch Geld allein reicht nicht. Knapp 50 Prozent der Beschäftigten sind mit ihrer Dienstkleidung zufrieden. Dabei klafft eine Lücke: Im gewerblichen Bereich (Blue-Collar) liegt die Zufriedenheit bei rund 60 Prozent, im Dienstleistungssektor (Pink-Collar) nur bei 43 Prozent.

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Branchenvertreter betonen: Lösungen für den Fachkräftemangel müssen Betriebe verstärkt in ihren eigenen Abläufen suchen.

Gesundheit: Die stille Krise

Der Fehlzeitenreport 2026 liefert alarmierende Zahlen. Erkrankungen des Bewegungsapparats – etwa Bandscheibenprobleme – sind häufige Ursachen für lange Krankenstände. 2025 lag der durchschnittliche Krankenstand bei 14,7 Tagen. Frauen fehlten mit 15,5 Tagen länger als Männer (14,1 Tage).

Besonders besorgniserregend: Der Anteil psychischer Erkrankungen ist in den letzten drei Jahrzehnten massiv gestiegen und liegt nun bei 11,8 Prozent.

Die Diskussion um eine Anhebung des Rentenalters verschärft die Debatte. Empfehlungen sehen eine Erhöhung auf 67,5 Jahre bis 2041 vor. Doch Experten weisen auf physische Grenzen hin – besonders in Bau, Pflege und Logistik. Schweres Heben und Lärm treiben dort das Risiko eines vorzeitigen Berufsaustritts. Studien belegen: Dauerhaft hohe Arbeitsbelastungen können die Lebenserwartung um bis zu drei Jahre verkürzen.

Integration als Zukunftsmodell

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Hohe Krankenstände durch Bewegungsapparat und Psyche kosten Unternehmen Millionen. Der Fehlzeitenreport 2026 zeigt: 14,7 Tage Fehlzeit pro Mitarbeiter – und psychische Erkrankungen steigen rasant. Dieser Leitfaden liefert konkrete Maßnahmen für ein Gesundheitsmanagement, das Fehlzeiten senkt und Ihre Belegschaft fit hält. Gesundheitsmanagement-Leitfaden jetzt sichern

Viele Betriebe setzen auf internationale Auszubildende. Das Forschungsprojekt Hand-In zeigt: Dieser Weg funktioniert besonders in Gewerken mit akutem Nachwuchsmangel. Erfolgsfaktoren sind eine offene Unternehmenskultur, feste Ansprechpartner und gründliche Vorbereitung – etwa bei bürokratischen und sprachlichen Hürden.

Der dbb unterstrich Ende Juni 2026 in einer Stellungnahme zum europäischen Vorhaben eines Gesetzes für hochwertige Arbeitsplätze die Notwendigkeit wettbewerbsfähiger Bezahlung und starken Gesundheitsschutzes. Ziel: Wettbewerbsfähigkeit und sozialen Fortschritt gemeinsam denken – für eine faire Arbeitskräftemobilität in Europa.

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