Fachkräftemangel, Millionen

Fachkräftemangel: 6,5 Millionen Menschen verlassen bis 2030

Veröffentlicht: 17.07.2026 um 22:40 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Das Ifo-Geschäftsklima für Reisebüros fällt im Juni auf minus 32 Punkte. Trotz hoher Nachfrage belasten der Iran-Krieg und steigende Flugpreise die Branche.

Ifo-Geschäftsklima: Deutsche Reisebranche unter Druck durch Iran-Krieg
Ein modernes Flughafenterminal mit verschwommenen Reisenden und einer digitalen Anzeigetafel, die Flugdaten zeigt, überlagert mit Datenvisualisierungen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das Ifo-Geschäftsklima für Reisebüros und Veranstalter fiel im Juni auf minus 32,0 Punkte – nach minus 30,3 im Mai und minus 15,6 im Februar. Hauptgrund: die Verunsicherung durch den Iran-Krieg.

Dabei ist die Nachfrage nach Urlaubsreisen alles andere als schlecht. Ziele wie Kroatien, Griechenland und die Türkei buchten die Deutschen von Januar bis Mai stabil bis steigend. Die Flughäfen rechnen für die Sommerferien mit Rekordzahlen: Allein in Düsseldorf werden bis Anfang September über 3,4 Millionen Passagiere erwartet.

Doch die Kosten steigen. Flüge ins EU-Ausland verteuerten sich im ersten Halbjahr um durchschnittlich 11,5 Prozent. Immerhin: Die Preiserwartungen der Branche sind zuletzt leicht gesunken – offenbar wegen sinkender Kerosinpreise.

6,5 Millionen Arbeitskräfte fehlen bis 2030

Das eigentliche Problem sitzt tiefer. Der Fachkräftemangel wird zur strukturellen Krise. Prognosen zufolge verlassen bis 2030 rund 6,5 Millionen Menschen den Arbeitsmarkt. Jährlich bleiben etwa 54.000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Die Abbruchquote liegt bei 25 Prozent.

Auf regionaler Ebene wird der Schock sichtbar. Die Agentur für Arbeit Schweinfurt rechnet für die nächsten fünf Jahre mit einem Verlust von über 90.000 Beschäftigten – bei nur rund 70.000 Schulabgängern. Die Botschaft an die Unternehmen: Ausbildungsplätze frühzeitig melden und sichern.

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Auch der öffentliche Dienst sucht händeringend. Die Stadt Stuttgart hat aktuell Stellen für IuK-Koordination sowie Haushalt und Finanzen ausgeschrieben. Bewerbungsschluss: Ende Juli.

KI und Software schließen Lücken

Die Branche reagiert mit Technologie. Der Markt für Ausbildungstechnologien (Azubitech) wächst rasant: von 91 Anbietern 2023 auf 194 im Jahr 2026. Besonders gefragt sind Tools für Recruiting und Employer Branding.

Im Hotel- und Reisemanagement setzen Dienstleister auf Effizienz. Ein Anbieter von Hotelreservierungssystemen meldete für das erste Halbjahr ein Umsatzplus von 26,6 Prozent bei Geschäftsreisen. Grund: eine neue KI-Plattform reduziert den manuellen Aufwand pro Hotel und Monat um über 31 Stunden.

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MICE-Sektor entdeckt Nachhaltigkeit

Auch das Veranstaltungssegment MICE (Meetings, Incentives, Conventions, Events) wandelt sich. Mitte Juli veröffentlichte die Tourismus GmbH Rheinland-Pfalz ein Themendossier mit Fokus auf nachhaltige Angebote und den Trend zum „Bleisure Travel“ – Geschäftsreise plus Privataufenthalt.

Anfang Juli trafen sich Branchenvertreter beim MICE Executive Circle am Starnberger See. Ihr Ziel: einheitliche Datenstrukturen und digitale Prozesse für europäische Plattformlösungen. Die Hotellerie zieht nach: In Koblenz ist für August die Eröffnung eines neuen Hotels geplant. Personal wird aktiv gesucht.

Trotz aller Unsicherheiten: Die Reiselust der Deutschen ist kurzfristig ungebrochen. Die Airlines haben ihre Kontingente für den Sommer bereits deutlich aufgestockt.

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