Fachkräftemangel, Millionen

Fachkräftemangel: 4,3 Millionen fehlende Arbeitskräfte bis 2036

18.06.2026 - 11:48:19 | boerse-global.de

Bis 2036 fehlen Deutschland 4,3 Millionen Arbeitskräfte. Hauptgrund ist der Renteneintritt der Babyboomer-Generation.

Fachkräftemangel: IW korrigiert Prognose auf 4,3 Millionen Fehlende
Fachkräftemangel - Leeres, modernes Büro mit wenigen Schreibtischen, das den Mangel an Arbeitskräften und die Auswirkungen auf die Wirtschaft symbolisiert. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) korrigierte seine Prognose nach oben. Früher rechneten die Forscher mit drei Millionen fehlenden Kräften, nun sind es 4,3 Millionen. Der demografische Wandel trifft Deutschland härter als gedacht.

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Fast 20 Millionen Babyboomer gehen in Rente

Die geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1954 und 1969 erreichen bis 2036 das Rentenalter. Ab 2027 scheiden jährlich etwa 1,3 Millionen Menschen aus dem Berufsleben aus. Gleichzeitig rücken nur rund 800.000 Nachwuchskräfte nach. Der jährliche Nettoverlust liegt bei einer halben Million Arbeitskräften.

Drei Faktoren verschärfen die Lage: der demografische Wandel, ein anhaltendes Geburtendefizit und die zuletzt rückläufige Zuwanderung. Experten sehen die Wachstumsschwäche der deutschen Wirtschaft seit 2018 als strukturell bedingt. Neben der Alterung bremsen geringe technologische Dynamik und schwache Investitionen das Potenzial.

Regionale Unterschiede: Saarland und Bayern besonders betroffen

Die Fachkräftelücke zeigt sich regional sehr unterschiedlich. Eine Analyse der Bundesagentur für Arbeit für den Zeitraum 2021 bis 2025 offenbart dramatische Unterschiede.

Das Saarland kämpft mit einem Rückgang der Fachkräfte unter 25 Jahren von über zwei Prozent pro Jahr. Die Vakanzzeiten für offene Stellen stiegen um mehr als zwölf Prozent. In Bayern legten die Vakanzzeiten jährlich um rund 11,5 Prozent zu. Sachsen leidet unter einer hohen Arbeitslosenquote bei den 15- bis 35-Jährigen: Sie liegt bei 44 Prozent.

Positiv fällt Mecklenburg-Vorpommern auf: Hier sanken die Vakanzzeiten zuletzt um fast sechs Prozent.

Bevölkerung schrumpft erstmals seit 2020

Ende 2025 lebten rund 110.000 Menschen weniger in Deutschland als noch ein Jahr zuvor. Die Gesamtbevölkerung sank auf 83,5 Millionen. Besonders stark traf es Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Nur die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen wuchsen.

Der Wanderungssaldo fiel von 430.000 Personen im Jahr 2024 auf 235.000 im Jahr 2025. Die Zuwanderung konnte das Geburtendefizit von 352.000 Personen nicht mehr ausgleichen. Die Altersstruktur verschiebt sich weiter: Die Gruppe der 60- bis 79-Jährigen wuchs um 2,5 Prozent, fast alle anderen Altersgruppen schrumpften.

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Rentenkasse droht das Geld auszugehen

Die gesetzliche Rentenversicherung gerät unter Druck. Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Bund warnte Mitte Juni: Die Nachhaltigkeitsrücklage, Ende 2025 noch bei 41,3 Milliarden Euro, wird bis Ende 2027 voraussichtlich aufgezehrt sein.

Der Beitragssatz bleibt bis 2027 stabil bei 18,6 Prozent. Doch schon 2028 steigt er voraussichtlich auf 19,9 Prozent. Bis 2035 prognostizieren Experten rund 21 Prozent.

Die DRV kritisierte Pläne der Bundesregierung, die Bundeszuschüsse für 2027 um vier Milliarden Euro zu kürzen. Das würde den Beitragssatz bereits 2027 steigen lassen.

Politik streitet über Rente mit 70

Wirtschaftsministerin Reiche brachte eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre ins Gespräch. Sozialverbände warnen vor Rentenkürzungen und zusätzlichen Belastungen für körperlich Arbeitende.

VdK-Präsidentin Bentele und SoVD-Vorständin Engelmeier fordern stattdessen: versicherungsfremde Leistungen stärker aus Steuermitteln finanzieren und die Tarifbindung erhöhen.

Seit Januar 2026 gibt es die sogenannte Aktivrente. Sie gewährt einen monatlichen Steuerfreibetrag von 2.000 Euro für Arbeit über die Regelaltersgrenze hinaus. Modelle wie eine Frühstartrente für Kinder sind in Planung. Die Rentenkommission der Bundesregierung wird in Kürze weitere Reformvorschläge vorlegen.

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