Hitzearbeitsschutz, Grad

Hitzearbeitsschutz: Ab 30 Grad müssen Arbeitgeber Schutzmaßnahmen ergreifen

18.06.2026 - 11:48:19 | boerse-global.de

Allianz Trade prognostiziert massive Produktivitätseinbußen durch Hitze. Der Bundestag debattiert über ein Klima-Kurzarbeitergeld.

Allianz-Studie: Hitze kostet drei Prozent Produktivität pro Grad
Hitzearbeitsschutz - Ein Thermometer zeigt hohe Temperaturen in einem sonnendurchfluteten, modernen Büroumfeld. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ab 30 Grad wird's gefährlich

Ein genereller Rechtsanspruch auf „Hitzefrei“ existiert in Deutschland nicht. Die Arbeitsstättenverordnung in Verbindung mit den Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR A3.5) ist die rechtliche Grundlage.

Bereits ab 26 Grad Raumtemperatur sollen Arbeitgeber Maßnahmen ergreifen. Bei über 30 Grad sind Schutzvorkehrungen wie Lüften, Sonnenschutz und Getränkebereitstellung Pflicht. Ab 35 Grad gilt ein Raum ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen als ungeeignet für die Arbeit.

Anzeige

Neben dem Hitzeschutz rückt die allgemeine Sicherheit am Arbeitsplatz immer stärker in den Fokus von Behörden. Dieser kostenlose Report hilft Ihnen dabei, Gefährdungsbeurteilungen so zu erstellen, dass sie jeder Prüfung durch Aufsichtsbehörden standhalten. Gratis-Vorlagen und Checklisten zur Gefährdungsbeurteilung sichern

Die Schweiz setzt auf eine allgemeine Fürsorgepflicht ohne starre Maximaltemperatur. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) empfiehlt Temperaturen zwischen 23 und 26 Grad. Schwangere und Stillende dürfen ab 28 Grad der Arbeit fernbleiben.

Österreichs Hitzeschutzverordnung greift für Arbeiten im Freien ab einer gefühlten Temperatur von 30 Grad. Kranführer müssen bis Juni 2027 klimatisierte Kabinen nachrüsten.

Produktivität sinkt um drei Prozent pro Grad

Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm. „Die Produktivität sinkt pro Grad Celsius über der 30-Grad-Marke um etwa drei Prozent“, erklärt Allianz-Volkswirtin Katharina Utermöhl.

Die Energiekosten steigen um geschätzte 1,2 Prozent. Bei Temperaturen über 30 Grad schnellt die Zahl der Krankschreibungen um 3,5 Prozent nach oben. Langanhaltende Hitzewellen verursachen sogar ein Plus von sechs Prozent.

Das Unfallrisiko wächst ebenfalls. Die Schweizer Unfallversicherung Suva verzeichnet bei über 30 Grad einen Anstieg um sieben Prozent. Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) warnt: Bei 30 Grad sinken Reaktionsgeschwindigkeit und Koordination bereits um ein Viertel. Bei 35 Grad beträgt der Leistungseinbruch bis zu 50 Prozent.

Baugewerbe im Fokus der Kontrolleure

Besonders hart trifft die Hitze das Baugewerbe. Mitte Juni 2026 kündigten die Schweizer Gewerkschaft Unia und die Suva verstärkte Kontrollen auf Baustellen an. Sie prüfen Trinkwasserbereitstellung und Schattenpausen.

Ab 33 Grad fordern Gewerkschaften eine Arbeitsunterbrechung. Pausenzeiten sollen dann als Arbeitszeit angerechnet werden.

In Deutschland gilt seit August 2025 die Technische Regel A5.1. Ab einem UV-Index von 3 müssen Arbeitgeber UV-Schutzkleidung bereitstellen. Die Berufsgenossenschaft Bau fördert Kühlwesten und Kleidung mit hohem UV-Schutzfaktor – präventiv gegen berufsbedingten Hautkrebs.

Anzeige

Ob Hitzepausen oder Überstunden – die korrekte Dokumentation der Anwesenheit ist für Arbeitgeber mittlerweile gesetzlich verpflichtend. Mit diesem kostenlosen E-Book erhalten Sie praxiserprobte Mustervorlagen zur Arbeitszeiterfassung für eine rechtssichere Umsetzung in Ihrem Betrieb. Kostenloses E-Book mit Mustervorlagen jetzt herunterladen

Siesta – Risikomanagement oder Bürokratiemonster?

Die Debatte um Arbeitszeitmodelle entflammt neu. Volkswirtin Utermöhl hält die Einführung einer Siesta für „notwendiges Risikomanagement zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit“.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zeigt sich skeptisch. Vorstandsmitglied Anja Piel fordert branchenspezifische Lösungen und warnt vor einer Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes. Der DGB kritisiert Pläne, den Acht-Stunden-Tag durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit zu ersetzen.

Langfristig setzen Experten auf bauliche Anpassungen: Begrünung und Verschattung von Gebäuden sollen Arbeitsumgebungen dauerhaft hitzeresistent machen.

de | wirtschaft | 69571501 |