Fachkräftemangel, Millionen

Fachkräftemangel: 4,3 Millionen Arbeitskräfte fehlen bis 2036

14.06.2026 - 11:12:54 | boerse-global.de

Bis 2036 fehlen laut IW rund 4,3 Millionen Arbeitskräfte. Alternde Bevölkerung und sinkende Zuwanderung treiben die Lücke.

IW-Studie: Fachkräftemangel in Deutschland verschärft sich drastisch
Fachkräftemangel - Eine Gruppe von Menschensilhouetten vor einem hellen, abstrakten Licht, das Fachkräftemangel und die Suche nach Talent symbolisiert. 14.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Bis 2036 fehlen rund 4,3 Millionen Arbeitskräfte – 1,3 Millionen mehr als noch 2024 prognostiziert.

Warum die Lücke so schnell wächst

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Die Forscher des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) machen zwei Haupttreiber aus: die alternde Bevölkerung und die sinkende Zuwanderung. Das Erwerbspersonenpotenzial schrumpft demnach bis 2036 auf 51,2 Millionen Menschen – ein Minus von 6,9 Prozent.

Gleichzeitig verliert der deutsche Arbeitsmarkt für ausländische Fachkräfte an Attraktivität. Die niedrige Geburtenrate verschärft die Lage langfristig zusätzlich. Für 2045 rechnet das IW mit einer Gesamtbevölkerung von 81,1 Millionen, ein Rückgang von 2,9 Prozent gegenüber heute.

Das Institut warnt: Die aktuelle Legislaturperiode sei die letzte Chance, den Renteneintritt der Babyboomer abzufedern.

Konjunkturflaute macht es nicht besser

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Parallel zur langfristigen Personalnot dämpft die aktuelle Wirtschaftslage die Hoffnung auf schnelle Besserung. Die Bundesbank korrigierte ihre Prognose für 2026 nach unten: Statt 0,6 Prozent Wachstum erwartet sie nur noch 0,5 Prozent.

Grund sind die Folgen des Iran-Krieges, der die Energiepreise treibt und die Kaufkraft schwächt. Die Inflation bleibt 2026 bei 2,9 Prozent und sinkt erst in den Folgejahren auf 2,7 (2027) und 1,9 Prozent (2028).

Die Beschäftigung geht 2026 leicht zurück. Erst ab Mitte 2027 rechnet die Bundesbank wieder mit einem Anstieg. Besonders betroffen sind Verkauf, Baugewerbe und Gastgewerbe – Fachkräfte-Vakanzen bleiben dort überdurchschnittlich lange unbesetzt.

Pflege: Ein Pilotprojekt zeigt neue Wege

Die Asklepios Kliniken starten im Juni 2026 das Pilotprojekt „SAT Travel Nurse Sylt“. Pflegekräfte aus Hamburg können für vier Wochen bis sechs Monate in die Nordseeklinik wechseln.

Die Anreize: kostenfreie Unterkunft, übernommene Reisekosten, eine monatliche Zulage von 350 Euro plus 80 Euro Funktionszulage. Solche flexiblen „New Work“-Modelle sollen den Pflegeberuf attraktiver machen – dringend nötig, denn trotz steigender Ausbildungszahlen bleiben die Abbruchquoten hoch.

Ausbildung: Nur 40 Prozent schaffen den Abschluss

2025 begannen rund 64.300 Menschen eine generalistische Pflegeausbildung – acht Prozent mehr als im Vorjahr. Doch die Erfolgsquote ist ernüchternd: Vom Jahrgang 2020 erreichten laut Verdi nur 40 Prozent einen Abschluss.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) nennt den „Praxisschock“ als Hauptgrund für vorzeitige Abbrüche. Dieses Problem steht auch auf dem Hauptstadtkongress am 23. Juni 2026 auf der Agenda.

Kommunen am Limit

Die Personalnot erreicht längst die Regionen. In Niedersachsen warnten Psychiatrien am 12. Juni vor Versorgungsengpässen – Folge von Sparmaßnahmen und bürokratischen Sanktionen. Im Landkreis Würzburg drohen Millionendefizite, weil staatliche Mittel für Migration, Jugendhilfe und Klinikbeteiligungen nicht reichen.

Gleichzeitig suchen Gemeinden wie Kitzingen oder Rauschenberg händeringend Personal für Kitas, um den gesetzlichen Anforderungen und dem Förderbedarf gerecht zu werden.

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