Euro-Office startet 9. Juni: Europas Antwort auf Microsoft 365
04.06.2026 - 13:41:12 | boerse-global.deEin breites Bündnis europäischer Technologieunternehmen bringt mit Euro-Office eine souveräne Alternative zu Microsoft 365 und Google Docs auf den Markt. Die Veröffentlichung ist für den 9. Juni 2026 geplant.
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Das Ziel: Digitale Souveränität für Europa
Hinter dem Projekt steht ein Zusammenschluss namhafter europäischer Firmen, darunter IONOS, Nextcloud, OpenProject und XWiki. Auch die verschlüsselten Kommunikationsdienste Tuta und Proton sowie die Plattformen Eurostack, Soverin, Abilian, BTactic, Open-Xchange und Office.eu sind mit an Bord. Die kurzfristige Aufnahme von Tuta unterstreicht laut Projektverantwortlichen den Fokus auf Open-Source und ein europäisches Entwicklungsmodell.
Technisch basiert Euro-Office 1.0 auf einem Fork von OnlyOffice unter der AGPLv3-Lizenz. Die Suite wird als webbasierte Software-as-a-Service-Plattform (SaaS) angeboten und bietet ein Ribbon-Interface für die Echtzeit-Zusammenarbeit. Enthalten sind ein Texteditor, eine Tabellenkalkulation, ein Präsentationsprogramm und ein PDF-Editor. Die vollständige Kompatibilität mit Microsoft-Office-Formaten wie DOCX, XLSX und PPTX sowie den OpenDocument-Formaten ODT und ODS ist gewährleistet.
Milliarden fließen nach Übersee – ein teures Abhängigkeitsverhältnis
Der Hauptantrieb des Projekts ist die digitale Souveränität für europäische Verwaltungen, Bildungseinrichtungen und Unternehmen. Aktuelle Daten zeigen: Europäische Organisationen geben jährlich rund 265 Milliarden Euro für Cloud-Dienste und Software aus US-amerikanischen Anbietern aus. Die drei großen Hyperscaler – Amazon Web Services, Microsoft und Google – kontrollieren etwa 60 Prozent des europäischen Cloud-Marktes.
Um dieser Dominanz entgegenzutreten, hat Nextcloud das Investitionsprogramm „Sovereignty 2030“ gestartet, das bis Ende des Jahrzehnts über 250 Millionen Euro bereitstellt. IONOS-CEO Achim Weiß betont: „Es geht nicht um totale Autarkie, sondern um Souveränität durch kompatible, unabhängige Lösungen.“ Die geopolitischen Entwicklungen und der US-Cloud-Act, der US-Behörden den Zugriff auf Daten amerikanischer Unternehmen auch auf europäischen Servern erlaubt, befeuern die Initiative zusätzlich.
Während Europa an neuen Software-Souveränitäten arbeitet, setzen Profis weltweit bereits auf bewährte Open-Source-Systeme für maximale Stabilität. Das kostenlose Linux-Startpaket zeigt Schritt für Schritt, wie Sie Ubuntu parallel zu Windows installieren – ohne Risiko und ohne Datenverlust. Genervt von Windows-Fehlermeldungen und Zwangs-Updates?
Rückenwind aus Brüssel und den Ländern
Der Start von Euro-Office fällt mit einer wegweisenden Gesetzesinitiative zusammen. Am 3. Juni 2026 präsentierte die EU-Kommission das „Europäische Paket für technologische Souveränität“, das den Cloud- und KI-Entwicklungsakt (CADA) enthält. Ziel ist es, die europäische Rechenzentrumskapazität in den nächsten fünf bis sieben Jahren zu verdreifachen und Cloud-Dienste aus Europa im öffentlichen Sektor zu bevorzugen.
Mehrere Länder sind bereits aktiv geworden:
- Bayern: Nach einem Beschluss vom Dezember 2025 testet das Digitalministerium Alternativsoftware. Bis zum 31. März 2027 sollen souveräne Alternativen bereitstehen. Hintergrund: Bayerns Ausgaben für Microsoft-Produkte stiegen von 30 Millionen Euro (2020) auf zuletzt 49 Millionen Euro.
- Frankreich: Die Regierung plant die Umstellung auf Linux-basierte Systeme und will Microsoft Teams bis 2027 durch Visio ersetzen.
- Schleswig-Holstein: Das nördlichste Bundesland hat bereits den Umstieg auf Open-Source-Lösungen für die Verwaltung angekündigt.
Verfügbarkeit und Ausbauplan
Euro-Office 1.0 wird am 9. Juni 2026 auf GitHub veröffentlicht. Im gleichen Monat wird die Suite in das Nextcloud Hub 26-Update integriert – zu einem voraussichtlichen Nettopreis von rund zehn Euro.
Der Fahrplan für den Rest des Jahres 2026 sieht vor:
- Sommer 2026: Veröffentlichung dedizierter Desktop- und Mobilanwendungen sowie Verfügbarkeit über IONOS Managed Nextcloud.
- Viertes Quartal 2026: Geplante Integration mit der XWiki-Plattform.
Trotz des Schwungs steht das Projekt vor Herausforderungen. Ein laufender Lizenzstreit mit OnlyOffice ist noch nicht beigelegt. Zudem kritisieren Beobachter des EU-Souveränitätspakets, dass der Plan vor allem auf den Ausschluss externer Anbieter bei sensiblen Verträgen setze, statt substanzielle neue Fördermittel für lokale Alternativen bereitzustellen. Befürworter halten dagegen: Euro-Office sei ein notwendiger Schritt, um die derzeitige Marktkonzentration weniger globaler Technologiegiganten zu durchbrechen.
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