EUIPO-Fonds fördert Markenschutz für kleine Unternehmen
07.05.2026 - 19:08:10 | boerse-global.deDas Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) hat am Donnerstag Fördermöglichkeiten aus dem SME-Fonds vorgestellt, die Unternehmen bei der Registrierung von Marken finanziell entlasten sollen. Parallel dazu starten in Hessen und Österreich neue Digitalisierungsprogramme – in einer Zeit, in der der deutsche Mittelstand unter hohen Energiekosten, Bürokratie und neuen Bedrohungen wie KI-gestützten Markenrechtsverletzungen leidet.
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Zuschüsse für Markenanmeldungen
Der SME-Fonds bietet Gutscheine, die einen Großteil der Anmeldegebühren abdecken. Seit dem 7. Mai 2026 können förderfähige KMU bis zu 700 Euro pro Markenanmeldung erhalten. Die Struktur ist bewusst niedrigschwellig angelegt:
- 75 Prozent der Gebühren für nationale Anmeldungen beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) sowie für EU-Marken beim EUIPO
- 50 Prozent der Kosten für internationale Anmeldungen über die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO)
Antragsberechtigt sind Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von maximal 50 Millionen Euro oder einer Bilanzsumme von höchstens 43 Millionen Euro. Der Fördergutschein muss vor der eigentlichen Anmeldung beantragt werden.
Hintergrund der Maßnahme: Seit Mitte 2025 häufen sich Fälle von sogenanntem Trademark Grabbing – Dritte blockieren ungeschützte Marken, um die eigentlichen Inhaber zu erpressen. Generative KI-Werkzeuge erleichtern diese Praxis zunehmend.
Hessen und Österreich starten Digitalisierungsoffensive
Über den Markenschutz hinaus gibt es neue Fördertöpfe für die digitale Infrastruktur. In Hessen startete am 5. Mai 2026 das Programm „DIGI-Zuschuss Express“. Es unterstützt KMU und Freiberufler mit bis zu 50 Prozent Zuschuss für Digitalprojekte – maximal 10.000 Euro pro Unternehmen. Aufgrund der großen Nachfrage setzt das Land ab dem 11. Mai 2026 auf ein wöchentliches Losverfahren. Alle geförderten Projekte müssen bis zum 30. November 2026 abgeschlossen sein.
In Österreich trat das Bundesprogramm KMU.DIGITAL am 7. Mai in eine neue Umsetzungsphase. Das vom Wirtschaftsministerium und der Wirtschaftskammer (WKÖ) betreute Programm hat seit seinem Neustart 2024 rund 10.000 Unternehmen unterstützt. Der aktuelle Schwerpunkt liegt auf der praktischen Umsetzung digitaler Lösungen – etwa Online-Shops, Kunden-Apps oder neue Softwaresysteme. Seit Frühjahr 2024 wurden über 18 Millionen Euro ausgezahlt, um mehr als 18.000 Projekte in den Bereichen Beratung und Umsetzung zu realisieren.
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Gründungszahlen steigen – Innovationskraft sinkt
Trotz der Förderprogramme zeichnen aktuelle Daten ein gemischtes Bild für den deutschen Mittelstand. Laut einer Studie von ZEW und IAB vom 6. Mai 2026 gab es 2024 in Deutschland 157.000 Neugründungen – ein Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch die Innovationsqualität leidet: Nur vier Prozent der jungen Unternehmen brachten echte Marktneuheiten hervor. Im vorherigen Zeitraum waren es noch rund acht Prozent.
Besonders besorgniserregend: Im verarbeitenden Gewerbe sank die Zahl der Neugründungen um elf Prozent. Beim Unternehmertag NRW in Düsseldorf warnten Industrievertreter am 6. Mai vor einer strukturellen Erosion der deutschen Wirtschaft. Bundeskanzler Merz, der vor Ort war, sah sich mit Kritik an hohen Energiepreisen und fehlenden Reformen konfrontiert. Er verteidigte die Bilanz der Koalition und kündigte an, die anstehende Rentenreform werde ein „Wendepunkt“ für die wirtschaftliche Stabilität sein. Steuererhöhungen bei der Einkommensteuer schloss er aus.
Mittelstand sieht sich innovationsstark – trotz Gegenwind
Der Innovationskompass 2026 zeigt eine Diskrepanz zwischen Selbstwahrnehmung und Realität. Die Umfrage unter über 500 Entscheidern vom Januar 2026 ergab: 67 Prozent der KMU bewerten ihre eigene Innovationskraft als hoch. Besonders Familienunternehmen zeigen sich widerstandsfähig – 60 Prozent von ihnen haben ihre Digitalisierungsinvestitionen überdurchschnittlich erhöht. Die größten Treiber im Geschäftsalltag sind derzeit IT-Sicherheit, Cloud-Computing und Künstliche Intelligenz.
Ein Leuchtturmprojekt kommt aus Berlin: Das Startup Ucaneo Biotech wurde am 6. Mai mit einem bedeutenden Wirtschaftspreis ausgezeichnet. Das 2022 gegründete Unternehmen hat sich auf Direct-Air-Capture spezialisiert – also die Entnahme von CO? aus der Atmosphäre. Mit rund 30 Mitarbeitern plant das Startup, im Juli 2026 seine erste industrielle Anlage im Berliner Bezirk Marzahn in Betrieb zu nehmen. Ein Beispiel dafür, dass spezialisierte grüne Technologien auch in schwierigen Zeiten wachsen können.
Ausblick: Fristen und Chancen für den Mittelstand
Für kleine Unternehmen zeichnen sich in den kommenden Monaten mehrere Entwicklungen ab. Die IHK Osnabrück meldete am 6. Mai einen Anstieg der Gründungszahlen um sieben Prozent im Jahr 2025 – bemerkenswert: Der Anteil der Gründerinnen stieg auf 39 Prozent. Wer nach Anerkennung sucht, kann sich noch bis zum 12. Juli 2026 für den Frankfurter Gründerpreis bewerben. Das Preisgeld beträgt 15.000 Euro, ausgeschrieben in Kategorien wie „lokale Wirkung“ und „Innovation“.
Im öffentlichen Sektor gewinnen KMU zunehmend an Boden. Bundesstatistiken für 2024 zeigen: 69 Prozent der Aufträge, die die Beschaffungsstelle des Innenministeriums vergab, gingen an kleine und mittlere Unternehmen. Der Bund betreibt zudem eine kostenlose E-Vergabe-Plattform, um kleineren Firmen den Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen zu erleichtern.
Angesichts der Konjunkturprognosen für 2026 – ein moderates BIP-Wachstum von 0,5 Prozent bei geopolitischen Spannungen und steigenden Rohstoffpreisen – dürfte die kluge Nutzung von IP-Förderungen und Digitalzuschüssen für die Wettbewerbsfähigkeit des „Mittelstands“ entscheidend bleiben.
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