EUDR, Entwaldungsnachweis

EUDR ab Dezember: Entwaldungsnachweis für Millionen Unternehmen

02.07.2026 - 23:56:49 | boerse-global.de

Ab Dezember 2026 gelten strenge Nachweispflichten für entwaldungsfreie Produkte. Viele Firmen sind laut EcoVadis-Index unzureichend vorbereitet.

EU-Entwaldungsverordnung: Unternehmen drohen Sanktionen ab 2027
EUDR - Ein Luftbild eines Regenwaldes mit sichtbaren Abholzungsflächen und einer digitalen Überlagerung von Lieferketten-Symbolen wie Kaffeebohnen und Kakaoschoten. 02.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ab dem 30. Dezember 2026 müssen große und mittlere Unternehmen nachweisen, dass ihre Produkte entwaldungsfrei sind. Kleinst- und Kleinunternehmen haben bis Mitte 2027 Zeit.

Gestaffelte Fristen und Entlastungspaket

Die Verordnung 2023/1115 betrifft Rinder, Kakao, Kaffee, Ölpalmen, Kautschuk, Soja und Holz. Nur Produkte mit nachweislich entwaldungsfreier Herkunft dürfen dann noch in der EU verkauft werden. Eigentlich sollten die Regeln schon früher greifen – doch die EU verschob sie um ein Jahr.

Im Mai 2026 legte die EU-Kommission ein Umsetzungspaket vor. Ziel: Die jährlichen Befolgungskosten für die Wirtschaft um rund 75 Prozent senken. Konkret geht es um Anpassungen des Informationssystems, aktualisierte Leitlinien und Änderungen an den Anhängen der Verordnung.

Große Lücken bei Lieferanten

Doch die Entlastung kommt spät. Der EcoVadis Index 2026 zeigt: Rund 80 Prozent der bewerteten Tier-1-Lieferanten haben keine dokumentierten Prozesse zur Identifikation von Nachhaltigkeitsrisiken. Und etwa 73 Prozent geben keine Informationen zu ihren indirekten Emissionen (Scope 3) preis.

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Das ist fatal. Denn die EUDR verlangt strikte Sorgfaltspflichten: detaillierte Risikobewertungen, exakte Geolokalisierung der Produktionsflächen und Vertragsanpassungen mit Vorlieferanten.

Warum die Regulierung dringend nötig ist

Die ökologischen Risiken sind enorm. Studien warnen: Schon bei einer Entwaldungsrate von 22 bis 28 Prozent könnte der Amazonas-Regenwald kippen. Aktuell gelten bereits 17 bis 18 Prozent der dortigen Waldflächen als zerstört.

Gleichzeitig eskalieren die Rohstoffpreise. Im Juni 2026 stiegen die Preise für Kakao um 28 Prozent, für Kaffee um 19 Prozent. Zuvor war der Kakaopreis von Höchstständen im Jahr 2024 bis zum Frühjahr 2026 um über 75 Prozent eingebrochen. Experten fordern existenzsichernde Preise für Produzenten – etwa in Côte d'Ivoire und Ghana.

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Mittelstand warnt vor Bürokratie

Auch Banken und Bauindustrie schlagen Alarm. Eine Umfrage des Genoverbands unter 277 Bankvorständen ergab: Knapp die Hälfte sagt, dass Firmenkunden mit den geforderten Nachhaltigkeitsdaten überfordert sind. Branchenvertreter befürchten, dass die Bürokratie insbesondere mittelständische Betriebe belastet und die Kreditvergabe bremst.

Die Forderung ist klar: mehr Rechtssicherheit und vereinfachte Standards für kleine und mittlere Unternehmen. Sonst droht der EUDR ein holpriger Start.

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